Version 2026 Flussbauliche Anwendung Kies-Geröll-Schüttungen sind insbesondere in sand- und kiesgeprägten Gewässern mit überbreitem Niedrig- und Mittelwasserprofil und einer verflachten Sohle sinnvoll. Kies-Geröll-Schüttungen imitieren die Wirkung natürlicher Rauschen (Riffel), die in unseren ausgebauten Gewässern vielfach fehlen. Teilweise wird daher auch der Begriff «Kies-Geröll-Rausche» verwendet. Wird die Schüttung über die ganze Sohlenbreite eingebaut, entwickelt sich auf ihnen analog zu Rauschen eine beschleunigte Strömung, die insbesondere strömungsliebenden Arten als Habitat dient. Unterstrom der Schüttung bilden sich meist flache Kolke. Werden die Schüttungen zu den Ufern hin ansteigend eingebaut, dienen sie gleichzeitig der Entwicklung eines Niederwassergerinnes und wirken uferschützend. Werden die Tiefpunkte aufeinanderfolgender Schüttungen wechselseitig angeordnet, entsteht auch in geraden Gewässerabschnitten eine pendelnde Strömung, die mit der Bildung prall- und gleituferähnlicher Strukturen einhergeht. Kies-Geröll- Schüttungen sind vor allem für Bäche und kleine Flüsse mit einer Locker- gesteinssohle bei Sohlenbreiten bis ca. 8–10 m geeignet. Um einen schnellen Austrag zu verhindern, muss das Verhältnis aus Kies und Geröll entsprechend der Strömungsbelastung des Gewässers gewählt werden. Soll auf den Schüttungen Bewuchs aufkommen, empfiehlt sich eine ingenieur- biologische «Abdeckung» (z. B. Raubäume). Dieser Bautyp ersetzt nicht die Kieszugabe im klassischen Sinne, etwa zur Schaffung von Laichplätzen. Ökologische Ziele • Verbesserung der Habitatvielfalt für aquatische Lebewesen. • Förderung von Erosionsprozessen durch eine Erhöhung der Strömungsvielfalt. • Lokale Schaffung von Laich- und Jungfischhabitaten für Kieslaicher. • Habitate für an Stillwasserbereiche angepasste aquatische Lebewesen. Charakterisierung des Bautyps Bei Niederwasser nur teilweise überströmte Struktur, die in der Regel über die ganze Gewässerbreite reicht. Die Korngrössenverteilung sollte so gewählt werden, dass die groben Fraktionen auch bei einem grösseren Hochwasser nicht weitertransportiert werden. Gewisse Setzungen oder Verformungen sollten jedoch möglich bleiben. Varianten • Kies-Geröll-Lenkbuhne: Kiesschüttungen können in gefällearmen Gerinnen auch als Kies- oder Kies-Geröll-Lenkbuhne von der Böschung aus geschüttet werden, indem eine Anbindung an das Ufer erstellt und im Nieder-/Mittelwasserbereich die dauerhaft überströmte, gegen die Strömung orientierte (inklinante) Lenkbuhne profiliert wird. Durch eine gute Strukturierung im Längs- und Querprofil wird die Vernetzung zwischen Gewässer und Umland für Lebewesen verbessert. Die Lenkwirkung der Struktur kann je nach Abflussdynamik mit der Zeit deutlich abnehmen (Verformung/Verfrachtung). • Laichplatzschüttung: Zugabe von Kies in der geeigneten Korngrösse für die lokale Fischfauna zur kurzfristigen Schaffung von Laichplätzen. Bauvorgang 1. Von der Böschung wird Kies und bei Bedarf Geröll geschüttet, sodass eine erosionsschützende Anbindung an das Ufer gewährleistet ist. 2. Die Kies-Geröll-Schüttung sollte wie ein Haufen auf der Gewässersohle liegen und sie leicht überragen. So entsteht im unteren Bereich die gewünschte Rausche, in der das Wasser relativ flach ist und schnell fliesst. Oberwasserseitig staut die Schüttung je nach Abfluss leicht zurück. 3. Die Oberfläche der Schüttung und die allenfalls erstellten seitlichen Einengungen durch Bollensteine werden abschliessend unregelmässig modelliert, um eine grosse Strömungs- und Strukturvielfalt zu erreichen. Dabei sollten auch Holzmaterialien eingesetzt werden (siehe Baumaterialien). Unterhalt und Pflege Gelegentliche Kontrolle, ggf. periodisches Wiederaufschütten, insbesondere im Übergang zum Ufer. Lebenszyklus-Betrachtung der Struktur Kies-Geröll-Schüttungen sind flexible Strukturen, die sich mit der Zeit verformen können, ihre Wirkung jedoch lange beibehalten. Bei einem geeigneten Standort und geringen bis mittleren Feinsedimenteinträgen können sie ihre Funktion über viele Jahre bis dauerhaft erfüllen. Wird im Gewässer nur wenig als Laichsubstrat geeignetes Geschiebe transportiert, kann nach einigen Jahren eine Ergänzung der Schüttungen mit dieser Fraktion sinnvoll sein. Kies • Locker und ohne Feinsedimentanteile. Wegen Verletzungsgefahr für Fische nur runder Kies (weder gebrochen noch plattig). Geröll • 63–200 mm, bei Bedarf auch gröberes gerundetes Material zur Stabilisierung und Strukturierung. Holz • Wurzelstämme, Raubäume, Astmaterial, ggf. ausschlagfähige Weiden, bewurzelte Erlen zur Strukturierung und lokalen Stabilisierung der Furt. Baumaterialien Kies-Geröll-Schüttungen Einfache Steinstrukturen D-02
RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=