Wasser Agenda 21 / Strukturierungsmassnahmen

16/71 − Je nach Strukturtyp und Rahmenbedingungen (insb. bei naturnahem Abfluss-, Geschiebe- und Totholzregime) können durch diese Wechselwirkungen zwischen Struktur und Gewässerdynamik sogar zyklische Naturprozesse reaktiviert werden, wodurch die ökologische Wirkung wiederum komplexer und nachhaltiger wird: Beispielsweise können grosse Totholzeinbauten Schwemmholz akkumulieren und als strömungsgeschützte Aufwuchszone für Gehölze wirken (Durchwurzelung / Erhalt Struktur und Quelle von künftigem Totholz). So können diese Wirkung und Lebensdauer der Gesamtstruktur erhöhen (Abbe et al., 2018; Schalko et al., 2021; Widmer et al., 2022). Wie die nachfolgende – nicht abschliessende – Aufzählung veranschaulicht, kann mit natürlichen wie auch naturnahen anthropogenen Strukturen im Gerinne eine enorme Bandbreite an ökologischen Zielen erreicht werden. Gewisse Ziele lassen sich erfahrungsgemäss auch in räumlich limitierten Strukturierungs-Projekten recht gut mit den in den Bautypenblättern porträtierten Bautypen erreichen (*). Je nach Umfang des Strukturierungsdesigns sowie der Rahmenbedingungen von Projekt und Einzugsgebiet können mit den vorgestellten Strukturen aber auch weitere der nachstehenden Ziele anvisiert werden (**). Ziele Morphodynamik und Mesohabitate (Stein- und Totholzstrukturen)1: − Schaffung von Unterständen und Deckungsstrukturen * − Schaffung von Rückzugs- bzw. Winterhabitaten (Kolke) * − Schaffung von Habitaten für strömungsliebende Lebewesen * − Schaffung von Habitaten für an Stillwasserbereiche angepasste Lebewesen * − Indirekte Schaffung von Pionierlebensräumen durch Erosion und Ablagerung von Kies und Sand * − Schaffung von Nahrungsquellen für spezialisierte Lebewesen (Ansammlung von organischem Material) * Ziele zyklische Naturprozesse (insb. Totholzstrukturen)2: − Förderung der Schwemmholzakkumulation (Erneuerung und Komplexitätssteigerung Struktur) ** − Förderung von Gehölzaufwuchs auf/bei der Struktur (Erhöhung Lebensdauer Struktur, Schaffung neues Totholz)** − Förderung von Auenvegetation sowie dauerhaft bewachsenen Inseln in Gerinnen ** Ziele Kühlung und Selbstreinigung3: − Messbar verringerte Temperaturerhöhung durch Verwendung von Holz statt Stein * − Kühlung durch intensivierte Gewässerbeschattung und Verdunstungskühlung (Gehölzaufwuchs auf/bei Struktur) * − Verbesserung der Wasserqualität (Stein- und Totholzstrukturen) * − Erhöhung des Sauerstoffeintrags durch induzierte Turbulenzen * − Erhöhung des Abbaus organischer Verbindungen durch Förderung zersetzender Biofilme * − Messbare Kühlung durch intensivierten hyporheischen Austausch in tiefen Kolken und bei Biberdämmen bzw. gerinnequerenden Totholzstrukturen ** 1 Gippel, 1995; Gurnell et al., 2002; Warren et al., 2002; Roni et al., 2015; Bulliard und Lauper, 2019; Doughty et al., 2020; Schalko et al., 2021; Ockelford et al., 2024 2 Bair et al., 2019; Collins et al., 2012; Cluer und Thorne, 2014; Werdenberger et al., 2014; Weber et al., 2019; Wohl et al., 2019 3 Singer et al., 2010; Küng, 2020; Spycher, 2020; Widmer et al., 2022; Honegger und Jenzer Althaus, 2023

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