Version 2026 Flussbauliche Anwendung Empfohlen für alle Fliessgewässertypen unterhalb der Waldgrenze mit Sohlenbreite von mindestens 4m und Sohlengefälle bis max. 4–5%. Insbesondere bei Schwall-Sunk, Restwasser, mässigem Geschiebetrieb usw. einsetzbar. Ökologische Ziele • Unterstände und Deckungsstrukturen • Rückzugs-/(Winter-)Habitate (Kolke) • Habitate für strömungsliebende Lebewesen • Habitate für an Stillwasserbereiche angepasste aquatische Lebewesen • Pionierlebensräume indirekt durch Bewuchs der Insel und Auflandungsfahne in Strömungsschatten • Nahrungsquelle für spezialisierte Lebewesen (Ansammlungen von organischem Material) Charakterisierung des Bautyps Totholzinseln sind eine Adaption von natürlich vorkommenden Totholzansammlungen im Gerinne, welche i. d R. durch Schlüsselhölzer (Keylogs) initialisiert werden. Abhängig von den Rahmenbedingungen (Gerinnequerschnitt, HWS-Pegel, etc.) werden sie bei Hochwasser überströmt oder ragen dauernd über den Wasserspiegel. Lagestabil eingebaut und eine gute Anströmung vorausgesetzt, eignen sich Totholzinseln hervorragend für die Förderung der eigendynamischen Entwicklung der Zielgewässer: Unterstände/Deckung für Fische, Akkumulation Schwemmholz/Geschwemmsel, erhöhte Verdunstung/Kühlung und Beschattung des Wasserkörpers, Förderung aquatische Nahrungskette, Verringerung Totholzdefizite. Mögliche Varianten (nicht abschliessend): «Lebendige Totholzinsel»: aktiv bestockte Totholzinsel «ELJ-Insel»: spezifische, grössere Form einer Totholzinsel «Schlüsselholz»: Einzelner, lagestabiler Baumstamm im Gerinne als Initialisierung für eine Totholzinsel, welche sich natürlich entwickelt Bauvorgang Die Totholzinsel ist i. d. R. mit der breiten Seite gegen Fliessrichtung einzubauen (optimale Akkumulation Schwemmholz/Geschwemmsel). Zur Verhinderung von innerer Erosion (Ausschwemmen der im Inselkörper vorhandenen Materialien) ist die angeströmte Seite mit einer Ausfachung aus Ast-/Stammmaterial auszugestalten. Die Inselgrösse ist dem Fliessgewässer anzupassen, so dass ein beidseitiges Umströmen sichergestellt ist und keine unerwünschten Belastungen auf die Ufer entstehen (ausser dies ist bewusst beabsichtigt zur Initialisierung von Erosion). Die Insel kann z. B. durch lageweise gekreuztes Stammholz realisiert werden. Mögliche Adaptionen sind beinahe unbegrenzt: Erstellen mit (Baum-) Faschinen, Raubäumen, etc. sowie mit Bauholz, wenn z.B. eine glatte, dauernd überströmte Oberfläche gewünscht ist. Zur Verbindung der einzelnen Holz- teile werden Stahlstabverbindungen oder Holz-Dübel-Verbindungen empfohlen. Stahlseile werden nicht empfohlen (Kap. 8). Die Inselhöhe kann dem gewünschten Ziel angepasst werden, massgeblich ist die beabsichtigte Über- und Umströmung (dauernd, häufig, selten, nie – abhängig vom geplanten Bewuchs und der Abflusskonzentration auf den Seiten, resp. der Rinnenbildung). Eine ausreichend tiefe Fundation (lagestabile Grundstruktur) in der Sohle verhindert Unterströmen und Auskolken: Variante Pfählen 1. Pfählen Stammholz in Gewässersohle auf gewünschte Höhe 2. Aufbau Grundstruktur (horizontal) um die Pfähle herum, in Sohle eingelassen und mit Pfählen verbunden (Auftrieb verhindern) 3. Ausfachungen, Füllung mit feinerem Totholz oder geeignetem Sohlsubstrat erstellen Variante Eingraben 1. Eingraben Stamm mit Ankerstein als Verankerungspunkt Grundstruktur 2. Aufbau Grundstruktur (horizontal) um den Ankerpunkt-Stamm herum, in die Sohle eingelassen und mit dem Anker-Stamm verbunden 3. Ausfachungen, Füllung analog Variante Pfählen Variante Verankern 1. Bohren von Ankern in anstehende Felsschicht 2. Aufbau Grundstruktur (horizontal), in die Sohle eingelassen und an den vorbereiteten Ankern befestigt 3. Ausfachungen, Füllung analog Variante Pfählen Unterhalt und Pflege Keine resp. nur geringe Unterhalts-/Pflegemassnahmen erforderlich, solange die Insel vegetationsfrei ist. Sobald sich Gehölze auf der Insel etabliert haben, periodischen Gehölzschnitt prüfen (Hochwassersicherheit). Lebenszyklus-Betrachtung der Struktur Je nach Anströmung, Inselgrösse (Breite und Höhenlage über Sohle und Wasserspiegel) initiieren Totholzinseln über viele Jahre wertvolle Meso- habitate. In die Strömung ragend akkumulieren sie Schwemmholz (steigert Umfang und Komplexität) sowie Blätter und Geschwemmsel (Nahrung für Fischnährtiere). Im Bereich der Wasserspiegelschwankung (wechselfeucht) wird das Holz der Insel relativ rasch zersetzt, stets untergetauchte Teile sind dauerhafter. Die Lebensdauer wird durch Bewuchs mit Gehölzen deutlich verlängert, infolge starken Geschiebetriebs oder Treibeis’ durch Abrasion wesentlich verkürzt. Totholz • Einheimische Laub- oder Nadelholzarten • Einsetzbar sind alle Holzsortimente: Stammholz mit/ohne Wurzelstamm, ganze Bäume, Giebelholz, etc. Verankerung (Variante Stamm Ankerstein) • Spreizdübel (mind. 20 cm tief im Ankerstein versenkt), Gewindestab, Mutter und Unterlagsplatte • Blocksteingrösse (Ankerstein) abhängig von der Gewässercharakteristik, der Grösse Stammholz sowie projektspezifischen Faktoren Verankerung (Variante anstehender Fels) • Felsanker, Gewindestab, Mutter und Unterlagsplatte Verbindungen • Gewindestab, Mutter und Unterlagsplatte (Stahl roh) Baumaterialien Totholzinseln Komplexe Holzstrukturen A-01
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