Version 2026 Flussbauliche Anwendung Empfohlen für alle Fliessgewässertypen unterhalb der Waldgrenze. Sehr breites Anwendungsgebiet, auch unter Randbedingungen wie Schwall-Sunk, Restwasser und Geschiebetrieb usw. einsetzbar (Voraussetzung: fachgerechte Planung und Bau). Einsatz zur Sicherung von Ufer, zur Schaffung von Kolken, zur Strukturierung von Bachstrecken. Ökologische Ziele • Unterstände und Deckungsstrukturen • Rückzugs-/(Winter-)Habitate (Kolke) (in Kombination mit weiteren Bautypen) • Habitate für strömungsliebende Lebewesen • Habitate für an Stillwasserbereiche angepasste aquatische Lebewesen • Pionierlebensräume indirekt durch Erosion und Ablagerung von Kies + Sand • Nahrungsquelle für spezialisierte Lebewesen (Ansammlungen von organischem Material) Charakterisierung des Bautyps Lebende bestockte Abweiser stellen eine Bauart dar, welche in Ufer einge- bunden sind, ins Gewässer ragen und die Strömung vom Ufer ablenken. Sie bestehen aus austriebsfähigem Astmaterial, einer bepflanzten Totholzkonstruktion oder einer Kombination von beiden. Die Formgebung, der Aufbau der Struktur, die Art der Bestockung, die Verankerung in der Sohle und/oder dem Ufer sowie die Grösse, Einbauwinkel etc. können sehr vielfältig ausgeprägt sein. Die vielfältigen Formen in der Umsetzung verbindet eine Struktur, welche reich an Zwischenräumen ist. Sie bilden zeitweise Kolke aus (wenn genügend tief und ausfachend ausgeführt) und können zu einer Substratsortierung und Stillwasserzone im Unterwasser führen. Langfristig kann damit eine fehlende Uferbestockung etabliert werden. Ein bestehendes Ufer kann durch den Einsatz vorgelagerter Abweiser lang- fristig stabilisiert werden. Oder es können wertvolle Lebensräume geschaffen werden ohne den Zweck einer Ufersicherung. Wo erforderlich, können zur Ufersicherung mehrere Abweiser hintereinander verbaut werden, um einen längeren Abschnitt zu sichern (vergleichbar mit dem Einsatz von Buhnen). Einbau/Verankerung • Einbindung in Ufer und/oder Sohle: Verhindern der Hinterspülung Varianten • «ELJ-Deflektor»: Lebender bestockter Abweiser in ELJ Bauweise • «Lebendige Baumbuhnen»: Baumbuhnen mit Anteil austriebfähigen Gehölzen Bauvorgang So vielfältig lebende bestockte Abweiser in Form, Aufbau und Wirkung umgesetzt werden können, so vielfältig ist auch deren Bauvorgang. Die Ein- bindung ins Ufer erfolgt mittels eines Ufereinschnitts, wo der Abweiser eingebunden wird. Optional kann ein Abweiser auch vor einen bestehenden harten Uferverbau platziert werden, wobei er nicht ins Ufer eingebunden wird. Der Abweiser muss zwingend in der Sohle verankert werden, um seine Lagestabilität zu gewährleisten. Diese kann durch Pfählen, Anker oder Ankersteinen vorgenommen werden. Der Abweiser wird aus Totholz (mit oder ohne lebende Anteile) aufgebaut und muss den auftretenden Kräften standhalten können. Die Bestockung kann durch Bepflanzung oder austriebs- fähigem Astmaterial erfolgen. Bei der Bepflanzung ist darauf zu achten, dass die Struktur mit einem durchwurzelungsfähigen Substrat verfüllt wird und dieses mit einer Ausfachung oder Grenzschicht vor dem Auswaschen resp. innerer Erosion gesichert wird. Unterhalt und Pflege Pflege das Jungwuchses (Anwuchserfolg sicherstellen), fördern des Wurzel- wachstums mittels starken Rückschnitts zwischen dem 3. und 6. Jahr und normale Gehölzpflege (selektiver Rückschnitt). Ein regelmässiger Rückschnitt der Lebendgehölze kann die Lebensdauer der Struktur verlängern. Junge, biegsame Äste mit starker Verwurzelung in der Struktur verhalten sich im Hochwasserfall gutmütiger als starre, grobe Aststrukturen, welche aus- einanderbrechen können (nicht auf Stock setzen). Wie lange und in welchem Ausmass Unterhalts- und Pflegearbeiten durchgeführt werden, richtet sich nach den Anforderungen des Hochwasserschutzes und dem restlichen Gewässer- bzw. Böschungsunterhalt (Kap. 11). Lebenszyklus-Betrachtung der Struktur Lebende bestockte Abweiser entlasten das Ufer, lenken die Strömung, schaffen über eine lange Zeit wertvolle Mesohabitate und dienen zugleich als Fänger für organisches Material. Die Bauteile (Pfähle und Stämme), welche sich in der Sohle befinden, sind sehr dauerhaft. Bauteile, die bei Normalabfluss über den Wasserspiegel herausragen, werden primär durch die verwendete Holzart resp. den Durchmesser in ihrer Lebensdauer bestimmt. Diese reicht von rund 5 Jahren (Fichte) bis zu 30 Jahren (Eiche, Kastanie, Lärche, Robinie). Direkt angeströmte Teile können jedoch bei starkem Geschiebetrieb oder Treibeisvorkommen eine kürzere Lebensdauer aufweisen. Bei einer erfolgreichen Etablierung der Vegetation, kann der Bewuchs die Funktionalität übernehmen und so bei guter Pflege theoretisch unendlich langlebig sein. • Holz-Pfähle • Stammholz, Astmaterial etc. • Optional Ankermaterial Baumaterialien Lebende bestockte Abweiser Komplexe Holzstrukturen A-03
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