Wasser Agenda 21 / Strukturierungsmassnahmen

41/71 7.3 Unsicherheiten bei der Projektierung und Realisierung von Strukturen − Eine zentrale Unschärfe besteht in der Bestimmung der Wasserspiegellage, welche sich nach Einbau der Strukturen einstellt. Als eine erste Abschätzung kann überprüft werden, ob sich im Bereich der Strukturen vernachlässigbare Anstiege (kleiner als Berechnungsgenauigkeit der Wasserspiegellage) bzw. Senkkurven (siehe dazu z.B. Diagramm in Widmer und Werdenberger, 2022) ausbilden oder ob relevante Wasserspiegelanstiege zu erwarten sind. Beim allfälligen Einsatz von hydraulischen Modellierungen können Wasserspiegelanstiege z.B. durch die Erhöhung der Rauigkeit von Sohle und Böschung und/oder Implementierung der Strukturierungsmassnahme in die Geometrie des Modells bestimmt werden. Beide Modellierungstypen bergen Unsicherheiten (Jenzer et al., 2024, Banzer und Knüsel, 2023) − Die mechanische Belastung, welche auf die eingebauten Strukturen wirkt (Wasser, Schwemmholz, Geschiebe), kann lokal sehr unterschiedlich sein (Imobersteg, 2023). Die Dimensionierung von Strukturierungsmassnahmen kann daher nur näherungsweise erfolgen und ist mit rechnerischen Unsicherheiten behaftet. Die planerische Dimensionierung ist gewässer- und bautypenspezifisch und muss im Einzelfall beurteilt werden. Die Bautypenblätter geben allgemeine Inputs über relevante Aspekte, welche bei der Planung zu berücksichtigen sind. In jedem Fall gilt es nebst dem bautypen- und fallspezifischen Dimensionierungsabfluss den Überlastfall zu berücksichtigen. Dabei sind die Auswirkungen und Konsequenzen von gelösten oder abgeschwemmten Strukturierungsmassnahmen risikobasiert zu berücksichtigen (siehe unten) (LUBW, 2006). − Eine weitere Unschärfe besteht darin, dass das Eintreten der hydraulischen Wirkung nicht genau bestimmt, sondern nur abgeschätzt werden kann, da eine Abhängigkeit vom tatsächlichen Abfluss, dem tatsächlichen Strömungsbild und der tatsächlichen Geschiebefracht des Gewässers nach dem Einbau vorliegt. Ausserdem kann die Wirkung auch vermindert oder verändert werden oder sogar ausbleiben, wenn die Strukturierungsmassnahme vor dem Einsetzen ihrer Wirkung beschädigt oder eingesandet wird (TLUG, 2015). Für den Einbau der Strukturierungsmassnahmen hat sich eine Bauweise gegen die Fliessrichtung (von unten nach oben) als ratsam erwiesen. Dadurch kann der allenfalls durch die unterliegenden Elemente veränderte Wasserspiegel beim Einbau berücksichtigt werden. Zudem kann die Wirkung der einzubauenden Struktur auf die bereits unterstrom bestehende Struktur optisch besser eingeschätzt werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Oberkanten der Elemente zu tief einbaut werden, wie Erfahrungen am Witibach in Grenchen (SO) gezeigt haben. − Schliesslich bestehen auch beim Einbau von Strukturierungselementen Unsicherheiten, insbesondere weil es sich um nicht normierte Naturbaustoffe (Holz und Naturstein) handelt, welche i.d.R. im Wasser und nicht im Trockenen eingebaut werden müssen. Daher sind projekt- und bautypenspezifische Einbautoleranzen zu definieren. Ausserdem ist die Höhenlage, welche die grösste hydraulische Auswirkung hat, während des Einbaus eine Unsicherheit. Die genaue Bestimmung dieser auf der Baustelle ist oft schwierig. Die in Anhang 2 dargestellte Checkliste Sicherheit fungiert als ein Instrument zur systematischen Erfassung und Bewertung sicherheitsrelevanter Aspekte innerhalb eines Strukturierungsprojekts. Ihre Anwendung ermöglicht eine geordnete Analyse potenzieller Gefahrenquellen, deren Auswirkungen sowie der entsprechenden Massnahmen. Bei der Planung von Strukturierungsprojekten kann die Checkliste als Orientierungshilfe hinzugezogen werden. Es ist jedoch zu beachten, dass fallspezifische Sicherheitskomponenten einer individuellen Beurteilung und Ergänzung bedürfen.

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