Wasser Agenda 21 / Strukturierungsmassnahmen

49/71 10 Uferbestockung 10.1 Aufgaben und Funktionen der Uferbestockung Die Gehölze nehmen in der vorliegenden Publikation eine Sonderfunktion ein, weil sie kein eigentliches Bauelement sind, aber dennoch als Massnahmenelement im naturnahen Gewässerbau eingesetzt werden können und sollen. Die Entwicklung eines Gehölzraums ist die einfachste, günstigste und wirkungsvollste Art, ein Gewässer zu strukturieren, zu kühlen, zu vitalisieren und zu sichern (Uferschutz). Die Uferbestockung ist die natürlichste und urtümlichste Vegetationsform, die unsere Gewässer säumt. Bäume durchwurzeln die Böschungen, insbesondere den Böschungsfuss, und sorgen dadurch für eine Stabilisierung der Ufer, wobei sich gleichzeitig Fischunterstände bilden können, was ein Schutz vor Prädatoren bedeutet. Für uns Menschen wiederum haben die Ufergehölze auch eine Hochwasserschutzfunktion, indem sie die Ufer mit ihren Wurzeln stabilisieren. Die Baumkronen beschatten im Sommer das Wasser, was einen nachweislichen Kühlungseffekt hat (Mende und Sieber, 2020). Blätter, Äste oder gar ganze Bäume fallen ins Wasser und sind dadurch eine wichtige Nahrungsquelle für die aquatischen Lebewesen. Als Totholz fördern sie auch die Strömungs- und Strukturvielfalt. Die Bäume und Sträucher sind gleichzeitig Lebensraum für eine Vielzahl terrestrischer Tiere und Pflanzen – für Vögel, Insekten, Säugetiere, Moose und Flechten. Zudem sind sie ein wichtiges Landschaftselement, was unsere Gewässer erst sichtbar und erlebbar werden lässt. Als wichtiger Bestandteil der Ökologischen Infrastruktur dienen sie den Wildtieren als Leit- und Vernetzungsstruktur auf ihren Wanderungen. Abbildung 21 Links: Schwarzerlenwurzeln suchen regelrecht das Wasser und bilden ausgedehnte Wurzelteppiche – der beste und günstigste Uferschutz an kleinen und mittleren Fliessgewässern (Uerke in Kölliken. Foto: P. Sieber). Rechts: Beschattung durch Gehölze und Hochstauden verhindert eine übermässige Wassererwärmung im Sommer (Surb in Niederweningen. Foto: P. Sieber). Hochstauden sollten deshalb erst im Herbst geschnitten werden. 10.2 Einsatz von Gehölzen im naturnahen Wasserbau Beim Einsatz von Gehölzen im naturnahen Wasserbau ist zu unterscheiden zwischen Gehölzen, die als Bauelement im Wasserbereich, also zum Schutz und zur Strukturierung von Ufern eingesetzt werden, und solchen, die im oberen Böschungsbereich angesiedelt werden, wo sie eine ökologische Funktion haben (Beschattung, Lebensraum für Tiere und Pflanzen). Am besten geeignet zum Schutz vor Erosion des Böschungsfusses ist die Schwarzerle (Alnus glutinosa) oder in höheren Lagen die Grauerle (Alnus incana), die mit ihren Wurzeln das Wasser suchen und regelrechte Wurzelteppiche im Wasser bilden können. Ebenfalls geeignet ist die äusserst artenreiche Gruppe der Weiden (Salix), die sehr biegsam, schnellwüchsig, widerstandsfähig und ökologisch wertvoll sind. Der Vorteil einer lebenden Bauweise liegt auf der Hand: Ein Gehölz wird mit jedem Jahr grösser und stärker und kann sich im Unterschied zu einem Hartverbau auch regenerieren. An den Uferböschungen kann – nebst den oben erwähnten - eine grosse Vielfalt von Bäumen und Sträuchern zum Einsatz kommen, die eher feuchte Bedingungen bevorzugen. Es handelt sich um Arten der Hartholzauen, beispielsweise Traubenkirsche (Prunus padus), Schwarzpappel (Populus nigra), Zitterpappel (Populus tremula), Esche (Fraxinus excelsior), Stileiche (Quercus robur), Bergulme (Ulmus glabra). Feuchtliebende Straucharten sind: Gemeiner

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