55/71 − Wo erforderlich - insbesondere bei unzureichend beschatteten Gerinnen - ist eine geeignete Bepflanzung vorzusehen. Idealerweise kann diese auch Bestandteil des Strukturdesigns sein. − Das Landschaftsbild sollte bei der Strukturierungsmassnahme nicht vernachlässigt werden. Sichtbare Schnittflächen sind nach Möglichkeit zu vermeiden und Blocksteine überströmt oder abgerundet sein. 12.3 Strukturentwicklung / Unterhalt / Wirkungskontrolle − Wo möglich sind natürliche Prozesse und Mesohabitatsequenzen (Kap. 4 – Kap. 6) zu initialisieren. Erste Priorität sollte daher eine eigendynamische Erneuerung der Struktur durch initialisierte Naturprozesse haben (z.B. Akkumulation Schwemmholz, Gehölzaufwuchs, usw.). Dann brauchen die Strukturen weniger bzw. keinen Unterhalt. Wo das nicht geht (z.B., weil Struktur kaum angeströmt ist oder weil Naturprozesse im Gewässer fehlen), ist die Strukturentwicklung im Rahmen des Gewässerunterhalts zu beurteilen und projektspezifisch ggf. zu erneuern / ersetzen. − Wie an der Bibera in Ferenbalm (Kanton Bern) und an der Wigger in Brittnau (Kanton Aargau) festgestellt, ist eine mögliche Verdriftung (Abgleiten) von Ankersteinen samt den daran befestigten Strukturen insbesondere bei einem Einbau auf der anstehenden Felssohle zu berücksichtigen. Die dort beobachtete Verschiebung von wenigen Einzelstrukturen samt ihren Ankersteinen führte zwar nicht zu Schäden oder negativen Auswirkungen, hat aber deren ökologische Wirkung verringert resp. verändert. − Verlandete Strukturen büssen ihre Wirkung (hier definiert als Anströmung) teilweise bis ganz ein. Je nach Gewässerdynamik können sie aber auch wieder hervortreten und erneut angeströmt werden. − Es konnte festgestellt werden, dass mit dem Einbau von Strukturierungsmassnahmen in begradigten / kanalisierten Gewässern trotz Raumlimitierung eine teilweise “eigendynamische” Struktur-/ Mesohabitatbildung initiiert werden konnte: Ein Teil der Wirkung bleibt selbst nach dem Zerfall der Strukturen erhalten (z.B. Lötschenbach bei Ittigen, Kanton Bern). Voraussetzung dafür ist eine genügende Abfluss-, Geschiebe- und Totholzdynamik. Der sehr positive Effekt der Strukturierungsmassnahmen in sehr beengten Platzverhältnissen (enger oder bebauter Gewässerraum) auf aquatische Lebewesen wurde bestätigt. Resultate der Wirkungskontrolle sollen rückgespiegelt und gegebenenfalls Strukturierungsmassnahmen im Rahmen des Unterhalts optimiert werden. Erkenntnisse sollen in weiteren Projekten übernommen werden. − Die Entwicklung der Vegetation und von morphologischen Umlagerungen benötigt Zeit. Der gewünschte Effekt stellt sich unter Umständen erst nach einigen Jahren ein. Die Funktionalität ist auch abhängig von der Dynamik (Geschiebe, Abfluss, Holz) des Gewässers. 12.4 Ausführung − Eine fachgerechte Verankerung ist entscheidend für Lebensdauer und Strukturierungserfolg. Verankerungen, Einbindungen, Verbindungen, Festigkeit sowie Grösse und Form von Ankersteinen (keine plattigen Steinformen) sind stets zu prüfen, solange sie gut sichtbar sind (vor Einbau / Überschüttung). Verbindungen mit Metallstäben müssen sehr fest sitzen und dürfen keinen “Spielraum” (Verformungspotenzial) aufweisen. − Die Holzbeschaffung ist jeweils lokal oder regional zu planen, um Transportwege und -kosten zu minimieren. Dabei sind auch Synergien zu nahegelegenen Baustellen oder Revitalisierungsprojekten zu prüfen. − Verständigung auf der Baustelle: Es empfiehlt sich, unter allen Akteur:innen (insbesondere Fachbauleitung und Maschinist:innen) ein gemeinsames Vokabular und Verständnis zu schaffen, um Missverständnissen vorzubeugen (Verständigung über Bautypen, Bestand- und Bauteile, Hilfsmaterialien, zu fördernde Lebensraumtypen, usw.). − Die Einbauhöhe der Strukturierungsmassnahmen ist auf die Wasserspiegellage abzugleichen, damit die Strukturen nicht in der Luft hängen. Hierbei ist auch wichtig, dass die in der Umsetzung beteiligten Personen die Idee der Struktur verstehen. − Steckhölzer, Setzstangen und Faschinen für den Lebendverbau sind auf der Baustelle stets feucht zu lagern. − Die Bepflanzung erfolgt meist nach Fertigstellung der Strukturierungsmassnahme. Diese ist ebenfalls eng zu begleiten und darf nicht vergessen werden. Beispielsweise sind die Schwarzerlen an die Wasserlinie zu setzen (Kap. 10). Bei ingenieurbiologischen Massnahmen sind die lebenden Gehölze gemeinsam mit wuchsfähigem Material (z.B. Walderde) in den Kies einzubinden.
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