Wasser Agenda 21 / Strukturierungsmassnahmen

54/71 − Die Strukturdichte und -grösse ist ein wichtiger Aspekt. Für eine ausgeprägte Mesohabitatbildung braucht es erfahrungsgemäss nicht sehr viele, dafür aber relativ grosse Strukturen, sowie sporadische starke Einengungen (Beschleunigung der Strömung, akzentuierte Kolkbildung). − Aus dem obengenannten Grund kann ein Strukturdesign in kanalisierten Gewässern weniger aufwändig sein als in einem naturnahen / hochdynamischen System. Erfahrungsgemäss können Strukturen in kanalartigen Gerinnen mit relativ hoher Treffsicherheit so platziert werden, dass sie stets angeströmt sind. − Nicht alle Strukturen erzielen dauerhaft die gewünschte Wirkung auf den aquatischen Lebensraum. Die Erfahrung zeigt, dass Totholzprojekte besonders in der Anfangsphase eine starke Wirkung zeigen, die mit den Jahren durch Abrasion und Zersetzung deutlich nachlassen kann (Z.B. horizontal eingebaute Stammhölzer beim Scherlibach, Kanton Bern). Es ist davon auszugehen, dass die Platzierung (Lage und Einbauhöhe) von Struktureinbauten in Gewässern mit naturnaher Sohlenbreite bzw. Sohlenmorphologie und intakter Abfluss-/ Geschiebedynamik oder bei in sich entwickelnden Gerinneaufweitungen relativ anspruchsvoll hinsichtlich der Antizipation der Entwicklung und der gewünschten (dauerhaften) Anströmung der Einbauten ist. Selbstverständlich ist es möglich, dass einmal verlandete Strukturen je nach Gewässerdynamik auch wieder hervortreten und erneut angeströmt werden können. Um eine langfristige Wirkung zu erzielen sind dauerhaft wirksame Strukturen zu wählen. Dies können langlebige “tote Strukturen” (z.B. Blocksteinriegel oder dicke Stammhölzer) oder auch Kombinationen von Totholz mit lebenden Gehölzen sein. Vielfach verstärkt sich auch die Wirkung von Einbauten, wenn sie Geschwemmsel zurückhalten (Gerhard und Reich, 2001). Auch unter vollständig natürlichen Bedingungen werden längst nicht alle in einem Bachlauf natürlich entstandenen Totholzstrukturen jederzeit angeströmt. Aufgrund der insgesamt sehr grossen Totholzmengen in natürlichen Gerinnen tritt jedoch kaum ein Mangel an angeströmten Strukturen auf. − Bereits bestehende naturnahe Mesohabitate sollten im Strukturierungsprojekt einbezogen und erhalten werden, ggf. können sie durch zusätzliche Strukturen akzentuiert werden. − Es wird empfohlen, Variationen innerhalb eines Bautyps sowie bezüglich der Abstände zu erstellen, damit die Aufwertung nicht künstlich aussieht. − Der Genauigkeit von Höhenlagen bei Blocksteinriegeln und Lenkbuhnen kommt eine grosse Bedeutung zu. Diese müssen aufeinander abgestimmt sein und sich am Längsgefälle orientieren. Bauweisen mit einer Querneigung der Blocksteine zur Gewässermitte hin haben sich bewährt. − Ausprobieren: Es empfiehlt sich, Versuche mit eigenen/neuen Strukturkombinationen durchzuführen. Versuche mit gänzlich neuen Bautypen oder Verankerungsmethoden sind ebenfalls empfehlenswert, jedoch ausschliesslich in Projekten mit geringem Schadenpotenzial. Beispielhafte Ideen: Faschinen quer nicht längs einbauen. Holz kreativ einbauen (ganze Stämme, Stammteile, Zwiesel, grössere Äste, oder Bündel von Ästen). − Realisieren einer kurzen Musterstrecke, welche direkt im Anschluss zusammen besichtigt und besprochen wird. Allfällige Anpassungen zur Zufriedenheit aller Beteiligten sollen direkt umgesetzt werden. Erst danach sollte der restliche Gewässerabschnitt umgesetzt werden. − Warten und Beobachten: Es sollte grundsätzlich mehr beobachtet und weniger schnell eingegriffen werden. Dies gilt auch aber nicht nur für eigene Versuche (Ausprobieren). Meistens entwickeln sich sogenannte “Schäden” (Ufererosion oder hinterspülte Böschungsfussverbauung) gutmütig und stabilisieren sich von selbst. Also erstmal zuwarten und schauen, was passiert. Dies gilt nicht, wenn ein wesentlicher Schaden droht (z.B. Einsturz einer Böschung mit Uferweg, oder Werkleitung in unmittelbarer Erosionsnähe, usw.). − Lokal begrenzte, tiefe Kolke sind stets wertvoll und erwünscht. Eine starke Einengung des Fliessquerschnitts durch Strukturierungsmassnahmen kann in mobilisierbarem Sohlenmaterial je nach Gerinnegeometrie aber auch eine ungewollt starke Sohlenerosion bzw. eine Sohlenerosionstendenz im strukturierten Abschnitt zur Folge haben. Dies trifft insbesondere bei eingetieften Gerinnen zu (fehlende Konnektivität zu seitlichen Überflutungsbereichen, welche das Gerinne hydraulisch entlasten). Es ist daher mit Blick auf natürliche Gerinneformen generell sehr empfehlenswert, im Rahmen von Revitalisierungen möglichst geländenahe Sohlenlagen mit einer hohen Konnektivität zum Vorland / Überflutungsbereich anzustreben. Dies ist in Projekten relativ kostengünstig durch den Einbau künstlicher Biberdämme erreichbar (Werdenberg und Widmer, 2022). Ebenfalls stellen bauliche Fixpunkte in der Sohle eine mögliche Abhilfe gegen Sohlenerosion dar (z.B. naturnahe Querriegel oder Lenkbuhnen, siehe auch BTBs).

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