53/71 12 Erkenntnisse für die Praxis Dieses Kapitel sammelt die Erfahrung von verschiedenen Experten in Form von “Lessons learned” zu verschiedenen Aspekten. Die Sammlung soll laufend ergänzt werden. 12.1 Defizitanalyse und Zieldefinition − Die Erfahrung zeigt, dass Strukturverbesserungen nach dem Giesskannenprinzip im Allgemeinen wenig zielführend sind. Um den ausgewählten Gewässerabschnitt (Kap. 2.2) zielgerichtet aufwerten zu können, ist in einem ersten Schritt auch bei Strukturierungsmassnahmen eine einfache Defizitanalyse notwendig. Die wichtigsten Defizite (z.B. Mangel an Kolken, Kieslaichplätzen oder auch Totholz) können meist durch eine Vorortanalyse aufgedeckt werden. Oft zeigen sich diese Defizite auch anhand von biologischen Untersuchungen. Beispielsweise deutet ein geringer Anteil von kleinen Fischen in der Alterspyramide auf ein Defizit bei den Jungfischhabitaten (z.B. strömungsberuhigte Flachwasserbereiche, Totholz) hin. Erst durch die Kenntnis dieser Defizite können gezielt Massnahmen zu deren Behebung erarbeitet werden. 12.2 Planungsphase: Strukturdesign / Anordnung / Gerinnegeometrie − Die beabsichtigte Wirkung der geplanten Strukturen (z.B. Induzierung Kolke, Strömungslenkung) muss klar aus den Projektplänen hervorgehen. Nur so ist gewährleistet, dass die Baumeister die Strukturen auch zielgemäss umsetzen können. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass auf eine nicht zu detaillierte Darstellung geachtet werden sollte, da Strukturierungselemente nicht normiert sind und ohnehin beim Einbau vor Ort die lokalen Gegebenheiten berücksichtigt werden müssen. − Aus Sicht der Mesohabitate können Strukturen gewässerspezifisch sowohl zu dicht bzw. zu eng aufeinanderfolgend wie auch mit zu weiten Abständen eingebaut werden. Grundsätzlich variiert die Sequenzlänge von Mesohabitaten auch in der Natur, weshalb sich starr wiederholende Abstände zwischen Strukturen nicht zielführend sind. Trotzdem ist die Berücksichtigung von groben Richtwerten wichtig (Kap. 5, Beispiel Bünzaue), da sich naturnahe Mesohabitate sonst nicht richtig ausbilden können: Bei zu langen Abständen entstehen tendenziell lange monotone /strukturlose Abschnitte, wodurch die Mesohabitatvielfalt insgesamt zu gering ausfällt (Abbildung 25 links). Bei zu kurzen Abständen wiederum können gewisse Mesohabitate teilweise nicht entstehen bzw. sich räumlich nicht ausdifferenzieren (Abbildung 25 rechts). Abbildung 25 Links: nur ein Kolk auf einer Strecke von 130 m, das ist zu wenig, erwartet würden hier natürlicherweise mindestens 3 Kolke. Rechts: im gleichen Gewässer durch den Einbau von relativ vielen Strukturen bestehen nun 6 Kolke auf 110 m. Die Mesohabitatsequenz ist hier eher zu eng, weshalb sie sich z.T. nicht vollends ausbilden können. Die gewässerspezifische “goldene Mitte” kann z.B. näherungsweise anhand von Richtwerten für Mesohabitatsequenzen bestimmt werden, siehe Kap. 5, Beispiel Bünzaue (©swisstopo). − Eine projektspezifische Anordnung der Strukturierungselemente ist wichtig. Ziel ist, dass stets ein Grossteil der Elemente angeströmt ist und eine Wirkung (als Unterstand oder zur Förderung von naturnahen Mesohabitatsequenzen) (Kap. 5 - 7) im aquatischen Bereich erzielt wird.
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