5/71 Vorwort Naturnahe Gewässer sind für den Erhalt der Biodiversität zentral. Rund 80 Prozent aller in der Schweiz bekannten Pflanzen- und Tierarten kommen in Gewässern und den direkt anliegenden Ufer- und Auenlebensräumen vor. Heute sind aber fast alle Schweizer Gewässer stark verbaut und strukturell erheblich beeinträchtigt. Viele Gewässerlebensräume sind verschwunden, der Austausch zwischen Fliessgewässer und Grundwasser ist teils unterbunden. Die aquatischen Ökosysteme in der Schweiz gehören damit zu den Lebensräumen mit dem höchsten Verlust an Biodiversität, die Kapazität zur Selbstreinigung ist eingeschränkt und die Resilienz gegenüber dem Klimawandel ist geschwächt. Das Gewässerschutzgesetz verpflichtet die Kantone zur Revitalisierung der Fliessgewässer und zu einer naturnahen Gestaltung von Hochwasserschutzmassnahmen. Im Vordergrund stehen Wasserbauprojekte, die den gesamten Gewässerraum einbeziehen und sowohl morphologisch als auch ökologisch aufwerten. Steht ausreichend Raum zur Verfügung, sollten diese Aufwertungen eigendynamisch erfolgen. Nicht immer ist das aber umsetzbar. Bei Projekteinschränkungen (z.B. durch räumliche Restriktionen) werden in der Praxis ergänzend auch Holz- oder Steinstrukturen eingebaut. Solche Strukturierungsmassnahmen verbessern die hydraulischen und morphologischen Bedingungen und schaffen damit lokal mehr und diversere aquatische Lebensräume. Sie können auch zu einer verbesserten vertikalen oder longitudinalen Vernetzung führen. Da das Wissen und die Erfahrungen zu solchen Strukturierungsmassnahmen bis anhin beschränkt und nur dezentral vorhanden war, lancierten verschiedene Kantone ein Projekt, um die schweizweit vorhandenen Erfahrungen und das erworbene Wissen zusammentragen. Das Projekt «Strukturierungsmassnahmen im Wasserbau» wurde bei der Plattform Revitalisierung von Wasser-Agenda 21 angesiedelt. In die Projektorganisation wurden erfahrene Fachleute aus der Schweizer Privatwirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft integriert. Damit wurde sichergestellt, dass das Projekt breit abgestützt wurde und das Wissen in verschiedenen Projektprodukten praxisnah abgebildet werden kann. Das hier vorliegende Handbuch ist eines der Produkte. Enthalten sind Grundlagen zu Planung, Bau und Wirkungskontrollen von Strukturierungsmassnahmen. Von Fachexperten wurden dazu verschiedene Kapitel verfasst. U.a. enthält das Handbuch Grundlagen zu den ökologischen Zielen, den Lebensräumen, resp. Mesohabitaten und zu Fragen der Sicherheit. Im Anhang ist auch ein Flussdiagramm als Entscheidungshilfe für die Planung von Strukturierungsmassnahmen enthalten. Mit seinen Inhalten richtet sich das Handbuch an alle, die sich mit Strukturierungsmassnahmen im Wasserbau beschäftigen, insbesondere an Praktiker:innen aus der Privatwirtschaft und Verwaltung. Für 17 ausgewählte Strukturierungsmassnahmen wurden Bautypenblätter verfasst. Auf einer Doppelseite A3 enthalten die Bautypenblätter anschauliche Skizzen und Fotos sowie praktische Informationen zur Konzipierung und zum Einbau von Strukturen. Eine webbasierte Fallbeispielsammlung komplettiert die Produktpalette. Da davon auszugehen ist, dass in den kommenden Jahren neue Erkenntnisse gewonnen werden, ist vorgesehen, die Produkte nach und nach anzupassen und weiterzuentwickeln. Bei der Entwicklung der Produkte haben verschiedene Fachleute mitgewirkt und ihre Expertise eingebracht. Die Projektleitung möchte sich bei allen Autor:innen sowie bei den Mitgliedern der Begleitgruppen für die engagierte Mitarbeit bedanken. Der Dank geht ausserdem an das Bundesamt für Umwelt BAFU und alle Kantone, welche das Projekt mitfinanziert haben und die Realisierung der Produkte damit ermöglicht haben. Die Projektleitung
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