baldeggerjournal

4 Stella Matutina – der Morgenstern Vom Einlassen und vom Loslassen, – die über 100-jährige Geschichte der Stella Matutina in Hertenstein kann unter diesem Motto gelesen werden. 1915 hatten die Baldegger Schwestern den mehrstöckigen Jugendstilbau auf der Halbinsel erworben und hier ein neues Töchterinstitut mit dem Namen «Stella Matutina», der Morgenstern, gegründet. Das Gebäude bestand damals im Rohbau, denn ein deutsches Unternehmen war mit dem Plan gescheitert, auf der Halbinsel eine internationale Tanz- und Rhythmikschule im Geist der Reformpädagogik zu eröffnen. Mutig liessen sich die Schwestern mitten im ersten Weltkrieg auf das Vorhaben ein, hier neben Baldegg eine zweite grosse Filiale ihrer Mädchenausbildungen zu betreiben mit dem Ziel, «Jungmädchen in gediegener Institutserziehung ein gründliches Wissen zu bieten und dauernd beglückende Lebenswege zu weisen». Die Baldegger Schwestern waren 1830 gegründet worden, insbesondere, um die weibliche Bildung im Kanton Luzern aufzubauen und zu fördern. Die Ausbildungen in Baldegg genossen einen so guten Ruf, dass das dortige Institut trotz des Neubaus von 1902 bereits zu klein geworden war. Die Schwestern bauten in der Folge ihre Ausbildungen für Mädchen und Frauen permanent weiter aus. In Hertenstein wurden das Haushaltungslehrerinnenseminar, hauswirtschaftliche Kurse, Sprachenkurse für fremdsprachige Schülerinnen und verschiedene Kurse der Sekundarstufe angesiedelt. Hertenstein war damals ein international bekannter Ort: Die englische Königin Viktoria hatte die Halbinsel besucht, der Bayernkönig Ludwig II. wollte diese in einen Park mit Schloss verwandeln, und auf dem Tanzenberg oberhalb der Stella Matutina fanden renommierte Freilicht-Theaterspiele statt. In der Zwischenkriegszeit erhielt die Mädchenschule dann mit dem russischen Komponisten und Pianisten Serge Rachmaninoff einen berühmten Nachbarn, der hier mit der Villa Senar ein weiteres baukulturell bedeutendes Gebäude errichten liess. Wer sich heute der Halbinsel Hertenstein mit dem Schiff von Luzern her nähert, wird schon von weitem die beiden markanten gelben Gebäude sehen. Nach dem guten Start des neuen Instituts des Klosters Baldegg stand zu Beginn des Zweiten Weltkriegs bereits ein erstes Loslassen an: Schwestern und Schülerinnen mussten 1939 für drei Monate aus ihrem Institut ausziehen, und die Stella Matutina wurde zur «Sanitätsanstalt» für kranke Soldaten. 1940 konnten die Schwestern ihre Ausbildungen dann glücklicherweise in reduziertem Umfang weiterführen. In den 1960er Jahren liessen sich die Baldegger Schwestern auf einen grossen Ausbau der Stella Matutina ein, da die Zahl der Schülerinnen und Lehrerinnen anwuchs. Dafür brauchte es neue Gebäude, die der Luzerner Architekt Heinrich Auf der Maur realisieren konnte: Es kamen ein Wohnheim mit zusätzlichen Unterrichtsräumen, die Turnhalle und die Institutskirche mit 150 Plätzen und Skulpturen des Bildhauers August Bläsi hinzu. Auf der Maur realisierte ein Ensemble in der Tradition von Le Corbusier, das die alte Stella mit den neuen Bauten verband und auf die atemberaubende Landschaft der Halbinsel mit See und Bergen hin öffnete. 1995 stand eine weitere Veränderung an, nachdem ausser der Familienhelferinnenausbildung keine weiteren Ausbildungen in Hertenstein mehr angeboten wurden: Nach einem umfassenden Umbau wurde die Stella Matutina zum Bildungshaus. Mit Sr. Hildegard Willi und Pater Werner Hegglin wurde die Halbinsel wieder zu einem kulturellen Zentrum: Philosophie, Theologie, Literatur, Kunst und Dr. Gabriela Christen, Baldegg

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