17 Morgens um fünf Uhr sind wir in Dar es Salaam abgefahren und abends um fünf in Ifakara angekommen. Ich erinnere mich gut. Dort machte ein junger Kapuziner dieses Foto. Auf die Rückseite schrieb er «MISS BALDEGG 1960, not for publication, please!» Ist ja zum Lachen! Der Chauffeur war Br. Leonard, er brachte jede Woche alles nach Ifakara, was wir für den Haushalt brauchten, Kaffee, Teigwaren, Öl. Kaufen konnte man ja nichts. Er hielt sich strikt an die Anordnung des Erzbischofs Maranta, nicht schneller als 40 Meilen zu fahren. Ausser ihm tat dies niemand. Alle, die ihn überholten, grinsten uns an. Ihm machte es nichts, er hatte nie einen Unfall und brauchte nie Ersatzteile für den Lastwagen. Er war wirklich ein angenehmer Mensch. Ich habe immer gesagt, dass ich in die Missionen möchte. Mein Vater hatte viel für die Mission getan. Als ich eines Abends zur Mutter sagte: Gute Nacht, ich gehe dann ins Kloster», sagte sie: «Du hast recht, du entgehst vielem.» Sonst nichts. Das war ihre Reaktion. Beim Zmorge wiederholte ich es. Mein Vater strahlte übers ganze Gesicht. Mutter sagte zu ihm: «Du brüelsch dänn scho no». Und so war es dann. Zünftig. Aber er hat mich immer fest unterstützt als ich in Tanzania war. Ich bin 1957 ins Land gekommen. Einen Monat lang sind wir um Afrika herumgesegelt, von Venedig aus entlang der Westküste ohne Halt bis nach Südafrika und dann auf der andern Seite nach Ostafrika, bis nach Mombassa. Eingestiegen sind wir in Venedig. Das war wunderbar. Ich war ja noch jung, erst 24 Jahre alt. Meiner Lebtag lang war ich nie mehr so gut zwäg wie damals. Nebst beten und essen und schlafen gab es auf dem Schiff nichts zu tun. Wir haben einfach den ganzen Tag aufs Meer geschaut. Unglaublich, wie mich das Meer beruhigte. Auf dem Schiff waren etwa 200 Passagiere. Ich muss heute noch lachen wegen eines italienischen Provinzials, der mit uns in Venedig eingestiegen ist. Als das Schiff gegen Angola zufuhr, wurde er zusehends nervöser und sagte immer: «Ich sollte da hinaus, ich muss nicht nach Ostafrika.» Die Matrosen sagten: «Das geht nicht, wir halten erst in Kapstadt.» Er hatte in Venedig einfach geschwatzt und geschwatzt und nicht gemerkt, dass er auf dem falschen Schiff landete. Wir lachten und fragten uns, wie ein Provinzial es sich leisten kann, so in der Welt herumzusegeln. Nun, irgendwann wird er schon am rechten Ort angekommen sein. In Dar es Salaam ging das Leben dann los. Im ersten Jahr war es einfach nur immer heiss. Mit diesen Röcken war man immer verschwitzt. Damals mussten alle einen Tropenhelm tragen, auch wir. Vorschrift von der Regierung. Meiner ist mir einmal auf der Fähre auf und davon, für immer. Zuerst wurde ich an der Pforte und für vieles andere auch eingesetzt. Hie und da sogar in der Küche. Da musste man Zwei Bilder – ein Leben schauen, dass alles an Ort und Stelle war. Wir hatten in Msimbazi ja 200 Kühe und ebenso viele Sauen. Jeden Samstag landete eine halbe Kuh bei uns auf dem Tisch, die andere Hälfte im St. Joseph’s Convent in Dar es Salaam. Am Samstag darauf war es dann je ein halbes Schwein. Jede Woche ging das so. Alle hatten alle Hände voll zu tun mit dem Ausbeineln. Wir kochten damals auch für die Patres. Zwei Boys brachten ihnen jeweils das Essen in einer Holzkiste über die Strasse. Einmal leerten sie alles aus, mitten auf der Strasse. Sie sammelten es wieder ein, ich weiss nicht wie. Jedenfalls bekamen die Patres trotzdem ein Mittagessen. P. Viktorian, ein welscher Kapuziner, sagte jeden Sonntag zu mir: «Dass die Frau Mutter traut, eine so junge Schwester ziehen zu lassen, das kann ich nicht verstehen». Das war sein sonntäglicher Spass. Fast dreissig Jahre lang unterrichtete ich in der Pfarrei Dar es Salaam die Erstkommunionkinder und die Firmlinge. Es ist tipptopp gelaufen. Ich glaube, dass ich den Kindern Hoffnung vermitteln und ihnen helfen konnte, den christlichen Glauben etwas tiefer zu verstehen. Ein Drittklässer hat mich einmal gross angeschaut und gefragt: «Hast du denn den lieben Gott gesehen?» Das musste ich dann schon verneinen. Aber irgendwie etwas ist bei den Kindern schon in die Tiefe gegangen. Das macht mir grosse Freude. mrz Sr. Clarina Lämmler als «Miss Baldegg» unterwegs nach Ifakara
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