baldeggerjournal

15 Glauben & Beten Glauben & Beten Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Ich bin 1977 ins Kloster eingetreten, weil ich ganz zu Christus gehören und mein Leben im Dienst an den Mitmenschen sinnvoll gestalten wollte. Wo bist du daheim? In meiner Gemeinschaft fühle ich mich daheim, wenn wir einander finden trotz Verschiedenheiten und einander so ergänzen können. Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Meine Eltern hatten oft sehr grosse finanzielle Probleme. Einmal kam ich aus der Schule und fand meine Eltern, Arm in Arm, weinend auf dem Sofa sitzend. Sie wussten nicht, wie es weitergehen sollte. Wir waren fünf Kinder, ich das älteste. Trotzdem hat sich mein Vater wieder aufgerafft und sein ganzes Vertrauen auf den liebenden Gott gesetzt, und es wurde ihm Hilfe zuteil von alten Jugendfreunden, ohne dass er sie selber angefragt hatte. Wer ist dir Vorbild? Christus und alle die versuchen, ihn sichtbar zu machen in ihrem Leben. Wer lehrte dich glauben? Zuerst meine Eltern durch ihr christliches Vorbild, durch ihr Vertrauen und ihre Barmherzigkeit. Welche Farbe hat dein Glaube? Grün – Ich hoffe durch alle Schwierigkeiten hindurch das Ziel in Gott zu finden. Was bedeutet glauben? Für mich heisst glauben, auf dem Weg zu Gott bleiben, im Suchen, Erahnen, Begegnen und wieder erneutem Suchen. Wer ist Gott für dich? Der Sinn meines Lebens. Der ewig liebende Schöpfer, von dem ich alles erwarten darf, weil ich mich auch von ihm erwartet weiss. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Als ich für meine Ausbildung einen Welschlandaufenthalt suchte, erhielt ich mehrere Absagen, weil sie niemanden für nur drei Monate nehmen wollten. So versuchte ich es in Leysin, wo ich die Antwort bekam: Keine Regel ohne Ausnahme. Dort lernte ich die Baldegger Schwestern kennen und ich wusste, dass Gott mich dorthin geführt hatte. Gibt es auch Zweifel? Ja, sicher. Doch – Gott sei Dank – kamen mir nie Zweifel an der Liebe Gottes. Wie betest du? Mein Beten orientiert sich meistens an den Tageslesungen. Ich versuche zu finden, was sie mir in meiner jetzigen Situation sagen möchten. Dann überlasse ich mich der Liebe Gottes, lasse mich von ihm einfach lieben. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Für mich sind Einfachheit und Bescheidenheit wichtig geworden. Je weniger ich habe, desto freier fühle ich mich. Welches Wort der Bibel, oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Mich begleitet das Evangelium von der Profess: Vom Liebesgebot und dem barmherzigen Samariter. Als Gebet ist mir das Bruderklausengebet sehr wichtig. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest. Ein Leben für Gott und die Menschen ist sinnvoll und schenkt einen Frieden, der auch hält, wenn alles andere versagt. Schwester Marina Keller, 1955, aufgewachsen mit drei Schwestern und einem Bruder in Wil SG, absolvierte die Schule für Gesundheit und Krankenpflege in Sursee und trat 1977 ins Kloster Baldegg ein. Nach Einsätzen im Spital Vevey und im Pflegeheim Baldegg, wirkte sie von 1987 bis 1996 auf den Missionsstationen Guidari und Doïti im Tschad. Nach ihrer Rückkehr war sie elf Jahre als Stationsverantwortliche im St. Josefsheim in Susten tätig, anschliessend bis 2011 im Kurhaus Bergruh in Amden. Heute trägt Sr. Marina die pflegerische Verantwortung im Hospiz St. Antonius in Hurden.

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