17 Auf der Foto links bin ich mit meiner jüngeren Schwester. Wir stehen hinter dem Haus, daheim in Oberegg, Kanton Appenzell Innerhoden. Da bin ich öppe fünfzehni, nüd meh. Damals war ich zur Aushilfe in einer Bäckerei. Da meinte mein Vater, äs bitzeli mehr Lohn dürfte es jetzt schon sein und schlug mir eine andere Stelle vor. Dorthin wollte ich auf keinen Fall. So solle ich halt ein Inserat aufsetzen. Ich schrieb: «Junge, willige Tochter, die schon eineinhalb Jahre gedient hat, sucht Stelle in Küche oder eventuell im Haushalt». Dann sind die Couverts gekommen, sicher hundert. Ein Mann fuhr sogar vom Rheintal zu uns hinauf und bettelte. Ich habe einfach gesagt: «Nei, do chummi nöd». Am Samstag, morgens um sechs, kamen drei Expressbriefe. Einer war von der Fridau in Egerkingen, wo die Baldegger Schwestern waren. Dort hiess es, ich könne das Kochen gründlich lernen. Dieser Satz packte mich, ich lief schnell zum Stall: «Vater, i globe, da isch es!». «Ja, vom Schriibe her, muss es näbis rächt’s si», meinte er. Dann eilte ich zu den Nachbarn, um dort zu telefonieren. Ich muss noch heute lachen, es war vor sieben Uhr morgens! Am Telefon fragte ich die verblüffte Oberin, ob ich das Köfferchen gleich mitnehmen könne. Wenn wir zueinander passen würden, könnte ich doch gleich bleiben. Zwei Tage später war ich in der Fridau. Dort freute ich mich, nun richtig kochen zu lernen. Vater hat es mir beigebracht, denn als unsere Mutter starb, war ich erst 8 Jahre alt und hatte fünf Geschwister. Wenn er vom Stall kam, sagte er: «Es schmöckt wie im Pfahöfli». Dann probierte er und sagte: «da muess no ä chli Salz ini» und «da isch no nöd richtig lind». Gut kochen lernen wollte ich aber wegen eines Reklamebildes von Maggi oder Knorr, auf dem ein Mann abgebildet war und der Satz stand: «Die Liebe geht durch den Magen». So habe ich gedacht, bevor du heiratest, musst du gut kochen lernen. In der Fridau habe ich es dann richtig gelernt. Ich blieb vier Jahre und zehn Monate, dann ging ich nach Baldegg ins Kloster. Das war auch so eine Geschichte. Ich hatte ja ganz andere Pläne, so zwischen 23 und 25 wollte ich heiraten. In Gams oben hatte es zwei Burschen, die mir e chli gefallen haben. Ich habe aber gewusst: ich darf erst mit 18 Jahren einen Freund haben. Aber grad auf dieses Alter hin, habe ich einen inneren Ruf gehört. Das hat mir hinten und vorne nicht Zwei Bilder – ein Leben gepasst. Ich habe kämpfen müssen, denn ins Kloster wollte ich einfach nicht. Eine furchtbare Zeit! Da habe ich sogar einmal etwas abgenommen. Mein Vater sagte: «Klara, besinn dich, kannst schon gehen, aber besinn dich». Im Kloster mussten wir einen neuen Namen auswählen. Ich wusste einfach keinen. Es gab ja über 1000 Schwestern. Da starb eine, sie hiess Sr. Octavia. Ich schrieb heim, ob dieser Name passend sei. Postwendend antwortete mein Bruder: Wenn dein Taufname nicht mehr gut genug ist, dann nimm wenigstens einen, den der Vater aussprechen und behalten kann. Darauf hin ist mir der Name Jakoba eingefallen. Mein Vater war ein Jakob und mein Bruder ist auch einer. Heute lache ich, wenn ich ein Auto sehe mit der Marke «Octavia». Im Kloster bin ich den «Schulhäusern nachgegangen»: Im Kollegi Stans kochte ich für 220 Studenten. Da brauchten wir jeweils vier Harassen Kartoffeln für Pommes Frites und 80 Liter Milch am Morgen. Auch im Kollegi Appenzell, in der Schule Baldegg und im Pensionat Salve Regina in Bourguillon kochte ich für einen Haufen junge, hungrige Leute. Im Kloster durfte ich die Kochausbildung machen und die Hotelfachschule besuchen. Zusammen mit Sr. Judith bildeten wir Lehrtöchter aus. Mit ihr kochte ich auch im Vatikan bei den Schweizergardisten. Was haben wir da über unsere Sprachprobleme gelacht! Auf die Küchenplättli notierten wir die wichtigsten Wörter auf italienisch und deutsch und für unsere Nachfolgerinnen auf polnisch. Auch hier in Montana gibt’s wegen der Sprache etwa Schwierigkeiten. Einmal bestellte ich vier Säcklein Knoblauch, es kamen vier Kistchen. Bei der Zahl cinq habe ich immer Probleme, entweder kommen fünfzehn oder fünfzig, aber nie fünf. So bestelle ich entweder vier oder sechs oder mache es per Fax. Die zweite Foto zeigt mich in der Pension Bethania in Crans Montana, wo ich seit 2003 für die Gäste und Schwestern koche. Über 50 Jahre lebe ich nun im Kloster und bin ganz zufrieden und dankbar, wie mein Leben gegangen ist. mrz Klara Schmid aus Oberegg – Sr. Jakoba in Crans Montana
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