baldeggerjournal

17 Wer ich bin? Ich bin eine dreissigjährige Frau. Meine erste Ausbildung war die der Schuhverkäuferin. Im zweiten Lehrjahr merkte ich, dass mir das nicht so gefällt. Darum machte ich relativ spät die Lehre als Koch. Ich bin eigentlich ein sehr fröhlicher Mensch, meistens sieht man mich lachen. Ich kann nicht anders. Meine Lebenssituation hat mich so geprägt. Weil meine Mutter aufgrund eines Hirnschlages ein halbes Jahr im Komma lag, hat das meine Sicht auf das Leben verändert. Tod und Leben sind so nahe beieinander. Eigentlich komme ich aus Wauwil im Kanton Luzern, da bin ich aufgewachsen, juuhh, aber mein Dialekt ist jetzt schon mehr derjenige vom Ämmital. Dort, in Bärau, habe ich in einer grossen Heimstätte die Lehre als Koch gemacht. Der Berner Dialekt gefällt mir, juuhh, der ist super. Ich nehme den Akzent halt schnell an. Unsere Mutter hat bei der Erziehung darauf geschaut, dass wir gut Deutsch lernen. Bei den Hausaufgaben hat sie nur deutsch mit uns gesprochen, obwohl sie damals eher gebrochen deutsch sprach. Viele sagen auch, du siehst ja gar nicht aus wie eine Ausländerin, eher wie eine Schweizerin. Dann sage ich immer, es kommt darauf an, wie man sich anzieht, wie man redet und auch, dass man höflich ist. Bei mir ist es einzig der Name, der an meine Heimat Kroatien erinnert. Ich bin in der Schweiz aufgewachsen, wirklich ein schönes Land, aber ich spüre, dass es mich in den Ferien immer nach Kroatien zieht. Meine Verwandten dort unten muss ich einfach einmal im Jahr sehen. Und dazu mein Lieblingsgericht essen: Spanferkel! Das gibt‘s zwar auch in der Schweiz, zugegeben, es ist halt nicht jedermanns Sache. Spanferkel und Familie, das gehört für mich einfach zusammen. Hamme und Rösti und Kartoffelsalat habe ich aber auch gerne. Wenn man hier aufwächst und der erste Schnee kommt, dann muss es auch bei uns ein Fondue geben. Welche Arbeit ich am liebsten mache? Juuhh, natürlich schaffe ich am liebsten mit dem Fleisch! Fleisch ist ein Produkt, das man entweder schön zart oder zäh wie Kaugummi machen kann. Fleisch ist eine Herausforderung, die nicht jeder Koch hinbringt. Wenn das Fleisch wie Butter ist, dann erst ist es ein Genuss. Das erste, das ein Gast macht, ist doch das Fleisch anschneiden, oder? Fleisch ist ja das Teuerste. Also, ich mache es jedenfalls so, wenn ich in einem Restaurant esse: ich schneide immer zuerst das Fleisch an. Wir jobs@klosterbaldegg.ch haben hier im Bildungshaus Hertenstein auch durchschnittlich vier bis acht vegetarische Gäste. Die bekommen ebenso etwas Feines. Kürzlich hat mir ein Gast beim Vorbeigehen gesagt: «Das Essen war die ganze Woche wie ein Gedicht». Ist das nicht super, wenn man so ein Kompliment bekommt? Aber auch negative Kritik ist für mich okay. Dann muss man ehrlich sein und dazu stehen, wenn man etwas nicht gut gekocht hat. Ich kann es fast nicht glauben, dass ich schon bald ein Jahr hier bin. Es gefällt mir gut. In die Rolle der Stellvertreterin der Küchenchefin muss ich noch richtig hineinwachsen. Als Sr. Lucia, unsere Küchenchefin, in den Ferien war, da merkte ich schon, dass man hier extrem viel denken und planen muss. Für ein oder zwei Wochen ist das schön. Es ist auch super gut gegangen. Die Mitarbeiterinnen haben toll geholfen. Ich kann wirklich nicht klagen. Aber wenn Sr. Lucia einmal einen Monat weg sein sollte, dann hole ich sie persönlich zurück, das ist sicher! Denn die Anzahl der Gäste ist hier jeden Tag anders, man muss immer wieder neue Berechnungen machen und den Kopf beieinander haben, sonst gibt es viel zu viele Resten. Ich nehme mir auch zu Herzen, hier noch etwas zu lernen. Denn später möchte ich auch einmal Chef werden. Eigentlich habe ich früher davon geträumt, einmal in St. Moritz kochen zu können. Ich habe dort mein Praktikum gemacht. Aber in der Zeit, in der ich keine Stelle hatte, erinnerte ich mich, dass man es in St. Moritz den reichen Leuten eigentlich nie hat recht machen können. Klar muss die Qualität stimmen und das Essen schön präsentiert werden. Das ist alles okay. Aber ob das Entrecôte nun eine halbe Minute länger in der Pfanne ist oder nicht, ist ja auch nicht das Wichtigste im Leben, nicht wahr? Darum habe ich Ausschau gehalten nach einer Heimküche. Ich konnte einmal eine Aushilfe machen in einem kleinen Altersheim. Das war mein Traumjob. Aber das hier gefällt mir auch. In Hertenstein bleibe ich schon noch ein Zeitlein. jobs. Slavica Tomasevic liebt den Ämmitaler Dialekt

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