17 Im November vor einem Jahr hat es angefangen mit den Schmerzen im Rücken. Jetzt, nach der Chemo, wäre der Rücken wieder besser, aber nun sind die Füsse das Problem. Aber ich glaube, jetzt geht’s opsi. Etwas wird wohl zurück bleiben. Aber schliesslich kann man auch aus dem Bett fallen und sterben. Es war schon ein schwieriges Jahr für mich. Ich konnte nicht mehr richtig arbeiten. Man sieht dann, was man machte und sieht auch, wie es ist, wenn man das nicht mehr macht, was vorher einfach automatisch gegangen ist. Da kommt man schon ins Studieren hinein und sieht einiges anders. Sogar mein Hund merkte, dass mit mir etwas nicht mehr stimmt. Vor der Krankheit bin ich mit ihm jeden freien Moment planlos losgefahren und dann irgendwo auf einen Berg gelaufen. Stundenlang. Komisch, damals wurde ich eigentlich nie müde beim Laufen. Mein Hund hingegen schon. Einmal machte er keinen Schritt mehr. Ich musste ihn buchstäblich an einer Staude anbinden, das Auto holen und ihn heimfahren. Als ich kam, lag er immer noch total erledigt am gleichen Ort. Nebst dem Hund habe ich einen Esel als Haustier. Den muss ich jetzt weggeben. Ich müsste einen zweiten zutun, das will ich aber nicht. Es ist jetzt vom Tierschutz her vorgeschrieben, dass man keinen Esel mehr allein halten darf. Ein bisschen komisch ist das schon: wir Menschen dürfen oder müssen allein sein, die Tiere nicht. Einen guten Platz für meinen Esel Kasimir zu finden, ist gar nicht einfach. Er ist nämlich erst elfjährig und kann sechzig bis achtzig Jahre alt werden. Die 28 Schafe hingegen gehören dem Kloster. Ich schaue zu ihnen. Mir kann keiner mehr angeben, dass man mit den Schafen nichts zu tun hat. Zweimal im Jahr gehört das Scheren dazu, die Klauen schneide ich ihnen alle drei Monate, und alle drei Wochen muss ich sie entwurmen. Man muss gut zu den Schafen schauen, die haben halt auch ihre Krankheiten. Wenn man nicht aufpasst, ist es schon zu spät. Die Tiere sagen ja nichts. Sie fressen dann einfach nicht mehr. Meistens kann dann auch der Doktor nichts mehr machen. Schafe haben wir hier in Hertenstein wegen dem stutzigen Abhang. Sie fressen ihn wirklich sauber. Mit dem Absatz der Tiere läuft es nicht mehr gut. Der Import ist daran schuld: ein Neuseeländerschaf kostet halt weniger als ein Schweizer Schaf. In Hertenstein bin ich seit ich achtjährig bin. Unser Haus ist direkt am See. Trotzdem wäre ich nie Fischer geworden, diese Geduld brächte ich nie auf. Es ist schon sehr schön hier zu wohnen. Wenn man aber krank ist und nicht mehr laufen kann jobs@klosterbaldegg.ch und nicht autofahren sollte und kein Brot backen kann, dann merkt man halt, dass man drei Kilometer vom Dorf entfernt ist. Das habe ich jetzt gründlich erfahren. Mein Vater hat 1962 diese Landwirtschaft übernommen. Später kamen dann Abwartsaufgaben im Institut Stella Matutina dazu. Drei Jahre bevor er pensioniert worden wäre, wurde er krank und starb ein halbes Jahr später. So konnte ich mich um diese Stelle bewerben. Ich war froh, dass ich nachrücken konnte, auch wegen meiner Hörbehinderung. Bei der Aushebung im Militär hat man nämlich gemerkt, dass mit meinem Gehör etwas nicht stimmt. Es ist immer schlimmer geworden. Heute habe ich an einem Ohr ein Implantat. Ich habe mir früh angewöhnt, den Leuten auf den Mund zu schauen, um abzulesen. Manchmal schauen sie mich deswegen etwas dumm an. Aber mir hilft es, sie besser zu verstehen. Bei der Arbeit habe ich deswegen eigentlich kaum Probleme. Ich kenne den Betrieb in- und auswendig, Ich war beim ersten Umbau dabei, dann beim Kapellenbau, beim zweiten Umbau und auch beim Turnhallenbau. Damals arbeitete ich im Baugeschäft Saredi und war fast immer dieser Baustelle zugeteilt. Darum gibt‘s keinen Ecken, den ich nicht kennen würde. Überhaupt ist mir ja hier alles von Kind auf bekannt. Auch die Schwestern. Im Mai sind es genau dreissig Jahre her, dass ich hier begonnen habe. Es ist schön, selbständig den Tag einteilen zu können. Natürlich war es oft streng. Aber wenn man einmal den Trick kennt und weiss wie es läuft, dann geht es einem viel leichter. Wir sind jetzt zu zweit für die Abwartsarbeiten, den technischen Dienst und die Umgebung. Ich bin für alle Arbeiten draussen verantwortlich. Am liebsten habe ich den Obstbau. Jetzt bin ich gerade am Mosten. Scheint’s trinken die Kursgäste im Bildungshaus in den Pausen gerne vom eigenen Most. Eigentlich schade, dass ich mit den Gästen keinen Kontakt habe, aber ich bin halt meist draussen. Das war früher schon anders, als hier noch ein Haus voller Meitli war. Aber das Bildungshaus ist sicher auch etwas Rechtes. jobs. Isidor Schilliger sieht heute einiges anders
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