17 Ich schreibe Lucia mit einem «c». Warum? Weil ich etwas wollte, was nicht alle haben. Und einen kurzen Namen wollte ich auch, für die Arbeit in der Küche ist dies besser. Übrigens wollte ich gar nicht Köchin lernen. Lieber wäre mir Krankenschwester gewesen. Als ich ins Kloster Heiligkreuz in Cham eintrat, brauchte man halt eine Köchin. Also machte ich dort in der Seminarküche die Lehre. Diese grosse Küche habe ich später geführt und selber Lehrlinge ausgebildet. Es war schön, aber sehr streng. Als das Seminar in Cham 2006 zuging, zog dort vorübergehend ein Altersheim ein, und ich konnte für diese Pensionäre weiterkochen. Dann brauchte ich eine Pause, ich war ziemlich erledigt. Ich lebte für einige Zeit im Wallis bei den Ursulinenschwestern und arbeitete im Gästehaus. Ich durfte den Speisesaal leiten. Den Gästen konnte ich sogar Wein verkaufen, das hat mir unerhört gefallen. Denn märte und verhandle und Kontakt haben mit den Menschen liegt mir sehr. Überhaupt habe ich es gerne, wenn so ä chli action isch, wenn’s lauft und läbig und bunterkunt isch, nur ja nöd fadegrad! Franziskanerinnen sind schon etwas anders als wir Benediktinerinnen. Bei uns ist eben das Mass das Mass. Und bei euch ist alles, wie soll ich sagen, viel breitflächiger und läuft so übereinander mit viel Betrieb. In Hertenstein fühle ich mich sehr gut aufgehoben. Ich gehe auch gerne im See schwimmen, möglichst weit hinaus. Da geniesse ich dann die Freiheit: einfach auf dem Rücken liegen und in den Himmel schauen. Ich denke dann, jä nu, wenn öppis passiert, ist man ja bald einmal dort oben. Ich bin nämlich jemand, der gerne die Grenzen überschreitet. Wenn ich frei habe, fahre ich oft mit dem Velo nach Cham. Momoll, eigentlich bin ich schon noch sportlich! Mein bisheriger Rekord war eine gute Stunde, im Normalfall rechne ich mit zwei. Ich sehe an beiden Orten das Positive: wenn ich daheim im Kloster Cham bin und irgendetwas ist, dann denke ich, ach was, ich gehe ja wieder nach Hertenstein, und dort denke ich das umgekehrt auch. Das Kloster Cham hat die Wurzeln ja eigentlich in Baldegg. Manchmal sprechen mich deswegen Gäste an. Die merken nämlich am Kreuz, dass ich nicht Baldegger Schwester bin. Dann freue ich mich, wenn ich denen unsere Ursprungsgeschichte erzählen darf. Man weiss ja nie, wenn Cham und Baldegg immer kleiner werden, ob sie nicht noch eines Tages … Aber nein, ich will Benediktinerin bleiben! Die Küche im Bildungshaus in Hertenstein leite ich schon mehr als ein Jahr. Natürlich habe ich zuerst gedacht, hier könnte man jobs@klosterbaldegg.ch einiges wirtschaftlicher machen. Aber ich bin dann einfach mitgegangen und habe geschaut, wie das so läuft. Ich muss sagen, ich habe gute Mitarbeiterinnen, die ausgezeichnet kochen können. Kürzlich hatte ich ein Mitarbeiterinnengespräch mit meiner Chefin. Sr. Mirjam hat mich ermutigt, meine Ideen einzubringen. Ich bin froh, wenn ich meine Menüs mit ihr besprechen kann. Sie kennt ja die Gäste und weiss, was für Gruppen kommen. Die Frischküche in Hertenstein finde ich spannend. Ich freue mich, dass ich jetzt auch mehr Finessen hineinbringen kann. Was das heisst? Zum Beispiel bei der Menüzusammenstellung darauf achten, dass bei einem eher blähenden Gemüse etwas dazu kommt, das den Stoffwechsel reguliert, beispielsweise eine Frucht. Vielleicht sieht das auf den ersten Blick eher ungewohnt oder gspässig aus. Ich koche gerne modern oder besser gourmetartig. Es wäre schön, wenn wir noch ein paar «Stella Matutina Rezepte» kreieren könnten, vielleicht auch mit frischen Sachen aus dem eigenen Garten. Ich finde es so toll, dass Sr. Patricia auf meinen Vorschlag hin im Garten noch Zitronenthymian und Zitronengras gepflanzt hat. Das oberste Gebot für mich in der Küche ist übrigens absolute Hygiene. Wenn die Küche schön sauber ist, dann fühlt man sich halt topfit und arbeitet auch anders. Früher meinte ich auch, alles müsse fadengrad sein und hundertfünfzigprozentig. Ich habe dann gemerkt, dass mich das überfordert. Heute reagiere ich, wenn mich eine Person einfach mitten im Kochprozess stört und von mir erwartet, dass ich den Löffel weglege und einfach das mache, was sie will. Es ist mir wichtig, dass die Gäste in der Stella Matutina in Hertenstein gut essen und die Schwestern dadurch positive Echos bekommen. Gerade gestern ist ein Gast auf mich zugekommen und sagte: Au hüt, äs kreativs Menü! Das freute mich. Und meine Priorin in Cham freut sich bestimmt auch, wenn eine Chamer Schwester gut für die Baldegger Schwestern kocht. jobs. Sr. Lucia Bachmann hat’s gern, wenn’s läuft
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