baldeggerjournal

7 und benachteiligten Menschen. Und vor allem ein unerschütterliches Vertrauen zu Gott. Schwester Paulin sorgte auch für einen sinnvollen Einsatz der jungen Frauen. Sie konnten Erstkommunion- und Firmunterricht in verschiedenen Pfarreien der Stadt Dar es Salaam erteilen. Die meisten besuchten auch den zweijährigen Kurs an der Haushaltungsschule Msimbazi. Diese vielseitige Einführung ins praktische Leben kam ihnen später zugute. Der Anfang war aber alles andere als leicht. Die jungen Frauen und ihre Leiterin hatten der Skepsis der Umgebung zu trotzen, die es nicht für möglich hielt, dass eine neue Ordensgemeinschaft entstehen konnte. Kardinal Laurean Rugambwa, der damalige Erzbischof von Dar es Salaam, hielt seine Sehnsucht nach einer eigenen Gemeinschaft in seiner Diözese immer wach und bat die Baldegger Schwestern inständig, seinen grossen Wunsch zu verwirklichen. Schon im Jahr 1974 hatte er sich an Schwester Paulin gewandt mit diesen Anliegen. Damals sagte sie entschieden, es sei nicht die richtige Zeit, an so etwas zu denken. Sie konnte getrost aufatmen… Acht Jahre später, im Herbst 1982, erhielt Schwester Paulin Bommer von der damaligen Frau Mutter von Baldegg den Auftrag, dieses Wagnis einzugehen. Sie war dazu bereit, weil in den vergangenen Jahren vielerlei Erfahrungen ihr Vertrauen auf die Göttliche Vorsehung und die Liebe zum heiligen Franziskus gestärkt hatten. Als Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin und kompetent im administrativen Bereich, besass Schwester Paulin viele Voraussetzungen für die vielseitige Aufbauarbeit. Es wurden 14 junge Frauen als Kandidatinnen aufgenommen. Nun atmete Kardinal Rugambwa hoffnungsvoll auf. In der Karwoche 1984 bekamen sie eine gemeinsame Uniform und konnten im September ins Postulat eintreten, einer weiteren Etappe der Vorbereitung. Das erste Noviziat begann am 4. Oktober 1985, dem Festtag des heiligen Franziskus, mit acht Novizinnen. Sie lebten alle in provisorischen Unterkünften. In Mbagala, einem Aussenquartier von Dar es Salaam, wurde unterdessen das Noviziatshaus gebaut. So gab es trotz armseligen Verhältnissen im Blick auf die neue Unterkunft immer Gelegenheiten zum Aufatmen. Und am 7. September 1986 war es so weit: das Noviziatshaus konnte durch Kardinal Laurean Rugambwa eingesegnet werden. Pausenlos In den folgenden Jahren kamen Schwester Paulin und Schwester Jeannette nie mehr ganz zum Aufatmen. Für alles musste gesorgt werden. Für den Haushalt, für das Ordenskleid der jungen Schwestern, für einen Namen für die neue Gemeinschaft und auch für Geld! Alles ist aus dem Nichts entstanden, unter grossem Einsatz, mit viel Vertrauen, durch die Hilfe Gottes. Am Franziskustag 1987 hatten die ersten sechs Schwestern ihre erste Profess abgelegt. Das heisst, sie haben sich durch die Gelübde der Armut, der Jungfräulichkeit und des Gehorsams an die Gemeinschaft gebunden und ihr Leben Gott geweiht. Und dann ging es pausenlos weiter. Jedes Jahr neue Kandidatinnen, Postulantinnen und Novizinnen, die eingeführt, geschult und begleitet werden mussten für ein Leben in der Nachfolge Jesu. Am 8. Dezember 1990 wurde das Mutterhaus in Mbagala eingeweiht. Ein Tag der Freude und des Aufatmens. Am 15. August 1999 erhielt die Gemeinschaft der Dada Wadogo die kirchliche Anerkennung als Ordensgemeinschaft bischöflichen Rechts. Was für ein Aufatmen für Schwester Paulin! Zurück ins zweite Glied Heute – 30 Jahre nach den ersten Anfängen – wirken die Kleinen Schwestern des heiligen Franziskus in neun Gemeinschaften in verschiedenen Aufgaben. Sie sind Katechetinnen, Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen. Sie wirken an Schulen und in Pfarreien. Sie setzen sich ein in Garten und Landwirtschaft, in Haus und Küche und auch in administrativen Arbeiten. Sie sind fähig, nicht nur für die eigene Gemeinschaft zu sorgen, sondern haben auch den Willen und die Möglichkeiten, vielen Menschen zu helfen. Eine schöne Zahl der Dada Wadogo sind noch in Aus- und Weiterbildung. Die Aufgabe bleibt gross. Probleme gehören zum Alltag. Doch die Dankbarkeit und Freude überstrahlen alles und lassen aufatmen. Die junge Gemeinschaft hat eine Entwicklung ohne grosse Brüche hinter sich. Dass die erste afrikanische Frau Mutter und eine der fünf Rätinnen Schwestern der Anfangsgruppe sind, lässt auch für die Zukunft auf eine harmonische Entwicklung hoffen. Es ist schön, dass Schwester Paulin und Schwester Jeannette als Beraterinnen weiterhin gefragt sind und die Schwestern sie in ihrer Nähe haben wollen. Beide freuen sich, von der grossen Verantwortung entlastet, aufatmen zu können. Doch es tut ihnen auch wohl, die Gemeinschaft nicht sofort ganz allein lassen zu müssen. Beiden Seiten ist Zeit zur Ablösung geschenkt, eine Zeit zum Ein- und Aus- und Aufatmen. Seit Juli 1992 amtet Kardinal Polycarp Pengo als Erzbischof von Dar es Salaam. Auch er gehört zu den Aufatmenden, denn nun ist «seine Ordensgemeinschaft» ganz afrikanisch! Sr. Paulin Bommer, Sr. Jeannette Bieri, Dar es Salaam

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