baldeggerjournal

17 Ich wüsste sofort, was ich mit einem Sechser im Lotto machen würde. Zuerst würde ich das Kinderspital in Bethlehem unterstützen. Die haben es nötig. Jetzt haben die dort auch noch die blöde Mauer gebaut. Die bräuchte es wirklich nicht. Dabei wäre es so ein schönes Land. Zweitens würde ich in Haifa das «Haus der Gnade» unterstützen. Die Frau, die das Haus dort leitet, schaut für Menschen am Rand, für die Strafgefangenen und die Drögeler. Sie bekommt von mir jedes Jahr eine Spende. Ihr Bruder schickt mir nachher immer einen Dankesbrief. Der ist Pfarrer in Bern. Dankesbriefe bekomme ich auch von andern Orten. Zum Beispiel von der Musikgesellschaft in Amden. Die unterstütze ich schon lange. Ich bin eine Gönnerin der Musikgesellschaft. Dafür bekomme ich jeweils ein Billett fürs Konzert im Dezember. Da gehe ich immer hin. Die kennen mich inzwischen. Der Winter in Amden ist schrecklich. Er kommt einfach zu früh. Wenn es in den Schnee hineinregnet, muss man wahnsinnig aufpassen, dass es einem nicht litzt. Ich bin schon ein paar Mal deswegen geflogen. Aber sonst gefällt es mir sehr gut in Amden. Ich habe Freude an den Bergen, aber auch am See. Wenn ich frei habe, mache ich oft Ausflüge. Lädele tue ich am liebsten in Luzern, das ist meine Lieblingsstadt. Und der Vierwaldstättersee ist übrigens auch mein Lieblingssee. Beim Lädele schaue ich gerne Kleider an. Es macht mir nichts aus, allein zu lädele. Ich bin zwar auch schon zu zweit gegangen. Aber es gefällt mir doch besser allein. Wenn man zu zweit ist, da will die hier etwas anschauen und die andere dort. Dann bleibt man immer stehen. Das ist genau das, was mich so müde macht. Ich schaue ja auch gerne Sachen an, aber nicht die gleichen wie die andere. Darum gehe ich jetzt meistens allein. Ich bestelle jeweils den Reisekatalog und schaue, was günstig ist im Frühling und Herbst. Im Sommer ist es mir zu heiss. Ich gehe immer mit dem gleichen Carunternehmen aus dem Berner Seeland. Mit dem Car reisen ist besser als mit dem Flugi. Da kannst du aussteigen und die Beine etwas vertreten und einen Kaffee trinken. Beim Flugi geht das nicht, sonst wärst du dann halt schnell unten. Wo ich schon war? Jesses nei! Sechsmal in Lourdes, dreimal in Israel, in Portugal, Frankreich, England, Italien und letztes Mal in Sardinien und auf Korsika. In Santiago de Compostella war ich übrigens auch. Wir sind auch ein paar Kilometer gloffe. Immerhin. Meine letzten Ferien habe ich in Locarno verbracht. Ich bin an der Seepromenade spazieren gegangen. Zwischenhinein habe ich Karten geschrieben. Muss man dann halt auch. Das Schönste aber war ein Heliflug. Das war immer schon mein Kinderwunsch gewesen, einmal zu fliegen. jobs@klosterbaldegg.ch Gebucht wäre über den Säntis gewesen, aber es war nicht sichtig genug. So flogen wir über den Bodensee. Dort haben wir alles ganz genau von oben gesehen. Heli fliegen ist viel schöner als im grossen Flugzeug. Im grossen Flugzeug siehst du ja fast nichts. Ich habe auch noch andere Hobbies: Fotos anschauen und fotografieren und aufschreiben was ist erlebe. Ich schreibe nur wenig, so Stichworte. Häkeln und stricken mache ich auch gerne. Aufgewachsen bin ich im Kinderheim bei den Ingenbohler Schwestern in Grenchen. Grenchen ist so gross geworden, jesses nei! Ich würde das Heim nicht mehr finden. Dort ist jetzt alles anders. Bei den Baldegger Schwestern bin ich übrigens schon dreissig Jahre. Das ist ja verrückt. Das hätte ich nie gedacht. Und mich hats noch nie inne glitzt. Die Leute haben auch immer gemeint, ich gehe dann einmal ins Kloster. Aber man kann auch draussen dienen. Es ist nicht jedem gegeben. Das muss jedes selber wissen. Zuerst in Dulliken, dann in Bourguillon und seit siebzehn Jahren in der Bergruh. Das macht nicht jede, so lange am gleichen Ort. Darauf bin ich stolz, dass ich das so lange ausgehalten habe bei den Baldegger Schwestern. Ich hätte ja schon lange gehen können! Aber jetzt hat es auch keinen Wert mehr. In meinem Alter noch eine Stelle suchen, ist nämlich nicht so leicht. Manchmal bin ich am Abend schon ein wenig müde in den Beinen. Das kommt halt mit dem Alter. Natürlich bin ich erst 57, aber es sind halt nicht alle Leute gleich. Bei mir ist das halt einfach so. Am liebsten mache ich den Morgenkaffee. Kaffeemachen ist meine Stärke. Warum, weil die Leute meinen Kaffee scheints immer rühmen. Aber ich tische auch gerne. Servieren auch. Wie es für mich einmal weitergehen wird? Ich mache mir keine grossen Sorgen für die Zukunft. Ob eine Wohnung in der Klosterherberge später etwas für mich wäre? Den Klosterfrauen bin ich ja das Leben lang treu gshi. Ich kenne halt auch nichts anderes. jobs. Elsy Röthlisberger bekommt viele Dankesbriefe

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