baldeggerjournal

17 Wenn ich unter Kochkollegen etwa gefragt werde: «Was hast du heute zum Nachtessen gekocht» und ich antworte: «einen Mandelauflauf», dann grinsen die und sagen: «Ja, schon recht, aber das ist das Dessert.» Das zeigt mir, dass ich nicht in einem gewöhnlichen Betrieb arbeite. Bei der Menügestaltung sind Unterschiede. Im Kloster ist alles ein bisschen einfacher. Da gibt es zum Beispiel einfach eine Röschti zum Znacht und nicht noch Spiegeleier und Salat dazu. Auch bei der Produktion ist es anders als in einem Restaurant. Dort heisst es: «Viermal Schnitzel Pommes frites und dreimal Steak!» Hier in der Klosterküche muss ich hingegen zur Lehrtochter sagen: «Brate mir diese 200 Schnitzel.» Dann ist die für eine Weile beschäftigt. Die Klosterküche ist ein totaler Frauenbetrieb. Wie das so für mich ist? Ich sage dazu immer das Gleiche: «Darum mache ich noch in der Feuerwehr mit, dort hat es nur Männer!» Das Arbeitsklima im Kloster ist schon anders. Humaner würde ich sagen.Wenn in einem Hotel der Direktor dir sagt: «Das machen wir ab dem Tag X so», dann hast du das einfach zu tun. Fertig. Hier werde ich gefragt: «Wie wollen wir es machen? Geht das so für Sie?» Seit ich vor zehn Jahren als Küchenchef der Schule Baldegg angestellt wurde, sind wir dauernd an irgendeinem Projekt. Übrigens war ich noch nie so lange an einer Stelle, darauf bin ich sogar ein bisschen stolz . Im Mai habe ich die Stelle angetreten und im Oktober mussten wir schon die Küche des Hauses St. Josef in die Schulküche integrieren. Zu den über 200 Schülerinnen kamen 60 Schwestern dazu. Nicht viel später kam die Verantwortung für die Klosterküche mit dem Pflegeheim dazu. Dann folgte die Reorganisation des Verpflegungssystems im Pflegeheim. Nachher der Verkauf der Schule und das Weiterkochen für die Kantonsschule Seetal. Und dann die Schliessung des Hauses St. Josef mit den Provisorien für die Verpflegung der Brändi Stiftung und der Schwestern im unteren Areal. Jetzt sind wir schon mitten in der Planung des Klosterkafis. Natürlich freut’s mich, dass ich das beruflich geschafft habe. Ich habe ja nicht gewusst, ob ich das alles kann. Es sind immerhin zwanzig Mitarbeitende, die ich führe. Ich organisiere gerne und wenn nachher die Rückmeldung kommt: «Hat alles bestens geklappt», freut mich das Lob natürlich schon. Nein, ärgern tue ich mich nicht, ich wüsste nicht warum. Auch daheim nicht. Meine Frau sagt etwa: «Du hast nie Streit.» Stimmt, bei mir ist es einfach schnell fertig. Vielleicht muss ich mich hier schon ein bisschen an der Nase nehmen und mir vornehmen, die Sachen etwas länger auszudiskutieren. Was mich verrückt macht? Ich bin keiner, der die Teller in der Küche herumschmeisst.Wenn ich aber dreimal das Gleiche sage und beim vierten Mal die Mitarbeiterinnen es wieder gleich machen, werde ich schon ein wenig hässig. Wahrscheinlich schimpfe ich dann zu wenig. Es passiert nämlich gerade noch ein fünftes Mal. Die glauben es mir jeweils gar nicht. Aber es hängt einfach damit zusammen, dass sie es von der Sprache her gar nicht richtig verstehen. Sie sehen den Zusammenhang nicht und verstehen darum auch nicht, warum ich es genau so will. Sie sagen: «Ja, Chef», und wenn ich sie dann wiederholen lasse, dann heisst es «Äh, äh.» Aber wir haben sehr gute Mitarbeiterinnen. Ich koche wirklich sehr gerne. Sogar daheim. Lieber als staubsaugen! An einem freien Regensonntag, da läuft der Backofen daheim heiss! In Boniswil, wo ich jobs@klosterbaldegg.ch aufgewachsen bin und seit zehn Jahren mit meiner Familie wieder lebe, bin ich recht stark engagiert, nicht nur in der Feuerwehr und in der Musikgesellschaft. Ich leite auch einen Mannekochklub. Jedes Mal muss einer ein Menü vorbereiten, wir wissen jeweils nicht im voraus, was es gibt. Wenn ich an der Reihe bin, ist der Schreck da. Die wissen, dass es dann etwas ganz Verrücktes zum Kochen gibt. Letztes Mal, ich darf es fast nicht laut sagen, habe ich mit ihnen Krokodilschwanzwürfel an Kokossauce gekocht. Also, grad speziell war das nicht, es schmeckte wie alter Truthahn! Im Hinblick auf die Klosterherberge haben wir noch viel zu tun. Ich bin aber sicher, dass das Klosterkafi gut anlaufen wird und es sich herumspricht, dass wir kein Luxusladen sind, sondern dass man bei uns gut essen kann zu einem vernünftigen Preis. Ich freue mich wirklich sehr, dass ich dort wieder mehr selber am Herd stehen kann. jobs. Köbi Streit liegt das Streiten nicht

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