2 baldegger klosterdorf Handwerk seine Ordnung der Arbeitsabläufe hat. Diese Ordnung muss ich einhalten. Das immer Wiederkehrende leitet mich. Über die Sinne begegne ich dem Material und seiner Eigenart. Mit den Händen erspüre ich das Material und das Verfahren und zugleich nehme ich mit den Augen aufmerksam wahr, was durch das Einwirken der Hände wird. Im Rhythmus des konkreten Tuns werde ich inspiriert. Ich entdecke den gestalterischen Spielraum, der sich mir in der gegebenen Ordnung eröffnet. In diesem Tun werden alle meine Kräfte – Kopf, Herz und Hand – gebündelt, konzentriert. Das gestalterisch-handwerkliche Tun braucht Zeit. Wenn ich mich in solche Prozesse einlasse, schenke ich mir Zeit, die nötige Ruhe, um dies zu tun. Bei diesem Tätigsein kann ich zu mir kommen, in mir Ruhe finden – in mir ruhen. In der Spannung von Ruhe und Tun bin ich ganz bei mir. Im Zusammenspiel all meiner Kräfte erlebe ich mich als Mensch - ganz im Jetzt. Wenn sich eine Gruppe auf dieses Tun einlässt, entsteht eine wohltuende, tragende Atmosphäre, eine aktive Ruhe, Schweigen im Raum – ein Zeichen, dass alle gesammelt und fasziniert sind. Die Kursteilnehmenden erleben, wie ihre persönlichen Ideen durch die Hände Gestalt annehmen. Ich entdecke, dass aus der Ruhe, im Bei-mir-Sein, Ideen aufsteigen und erfahre, wie ich die Ideen, die Gedanken von innen nach aussen bringe und dafür Ausdruck finde, in dem was ich tue. Beglückend ist immer wieder die Erfahrung, dass sich mir beim Eintauchen ins Tun eine Fülle von Ideen eröffnet, eine unerwartete Kreativität sprudelt. Im-Mich-Einlassen auf dieses Geschehen und im geduldigen, aufmerksamen, eigenständigen Tun kann ich Konzentration bis zum Selbstvergessen erfahren. Obwohl ich in jedem Handwerk verfahrensbezogenen Gesetzmässigkeiten folgen muss, kann ich Einfluss nehmen auf mein Werk. Wenn ich aber wach und offen bin, entdecke ich Haben Sie dies auch schon erlebt – das Ausruhen im Tun? Meint Ausruhen nichts tun? – Kann es auch «etwas anderes Tun» beinhalten, etwas, das andere Kräfte in mir weckt und fördert? Im Ausruhen suche ich die Entspannung, etwas das mich wegholt von den Herausforderungen des Alltags – einmal Pause machen und für eine kurze Zeit aus dem Gewohnten aussteigen. Etwas anderes, vielleicht für mich auch Unbekanntes tun und dabei Kopf und Seele lüften. Mich herauslösen aus meiner täglichen Arbeit und meinen Verpflichtungen. Mir in meinem dicht gefüllten Terminkalender ein paar Stunden freihalten – für meine Gesundheit, für mein Gleichgewicht, für die Erneuerung meiner Kräfte. Beim Ausruhen will ich neue Kraft schöpfen. Dass jeder Mensch seine eigene, persönliche Art des Ausruhens entdecken muss, ist mir neu bewusst geworden. Immer wieder erlebe ich an mir und auch bei anderen, dass Ausruhen und Erholung auch im Tun, im gestalterischen Tätigsein, im handwerklichen Arbeiten geschehen kann. Diese Erfahrung kann den Anstoss für die Teilnahme an unseren gestalterisch-handwerklichen Angeboten in den Handwerkstätten des Klosterdorfes geben. Hier treffe ich Menschen, die Ähnliches suchen, erlebe Begegnungen und gemeinschaftliche Atmosphäre. Ich lerne oder vertiefe ein Handwerk und werde durch Impulse im gestalterischen Tun angeregt und begleitet. Beim Papierschöpfen, beim Buchbinden, beim Filzen, beim Töpfern, ... erleben die Teilnehmenden, dass jedes Sr. Gabrielle Meier, Baldegg Ausruhen im Tun Bilder aus einem Filzkurs
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