Wasser Agenda 21 / Strukturierungsmassnahmen

9/71 2 Strukturierungsmassnahmen In diesem Kapitel wird beschrieben, was Strukturierungsmassnahmen sind, für welche Strukturierungsmassnahmen es in den erarbeiteten Produkten Hilfestellungen gibt, welche Ziele mit den Massnahmen verfolgt werden und wo der Anwendungsbereich liegt. 2.1 Definition und Ziele Als Strukturierungsmassnahmen werden Massnahmen bezeichnet, die auf bauliche Art und Weise die hydraulischen und morphologischen Bedingungen in Fliessgewässern sowie aquatische Habitate längerfristig verbessern und diversifizieren sollen (Aeschlimann, 2021). Bei Strukturierungsmassnahmen handelt es sich um einfache oder komplexe Holz- oder Steinstrukturen, teilweise kombiniert mit lebenden Pflanzen. Sie können sehr lokal und kleinräumig aber auch in grosser Zahl und miteinander korrespondierend im Gewässer realisiert werden und auf die Wiederherstellung bestimmter Gewässerfunktionen, beispielsweise auf Laich-, Jungfisch- oder Adulthabitate für Fische ausgerichtet sein. Mit den Massnahmen können im Fliessgewässer zielgerichtet Mesohabitate gefördert werden. Darunter sind relativ homogene Lebensraumtypen mit begrenzter räumlicher Ausdehnung zu verstehen, die sich voneinander vor allem in der Wassertiefe, im Fliessgeschwindigkeitsmuster und der Korngrössenverteilung des Sohlenmaterials unterscheiden (Hawkins et al. 1993). Angelehnt an die Wirkungskontrolle Revitalisierung des BAFU (BAFU, 2019a) sind im Kapitel 4 des Handbuches die verschiedenen Mesohabitate und deren Eigenschaften beschrieben. Mit Strukturierungsmassnahmen lassen sich verschiedene ökologische Zielsetzungen erreichen. Es können einerseits direkt gewässertypische Habitate und Mesohabitate geschaffen werden, andererseits können aber auch gewässertypische hydrogeomorphologische und ökologische Prozesse initialisiert werden, welche sich positiv auf die Morphologie, das Lebensraum- und Nahrungsangebot sowie die Fischbiomasse auswirken. Die ökologischen Ziele werden detailliert im Kapitel 3 beschrieben. Die ökologischen Ziele, die mit einer bestimmten Strukturierungsmassnahme erreicht werden können, sind auch in den Bautypenblättern detailliert aufgeführt. Diese sind an den Gewässertyp anzupassen, weshalb auch der Wahl des Materials, der Strukturierungsmassnahme selbst und dem Gesamtdesign (Platzierung, Belegungsdichte und Interaktion von Struktureinbauten) eine wichtige Bedeutung zukommt. In Kapitel 6 werden wirkungsvolle Kombinationen von Strukturierungsmassnahmen aufgezeigt. Viele Studien belegen die ökologische Wirkung von Strukturierungsmassnahmen. Weiterführende Informationen zum Zusammenhang von Strukturierungsmassnahmen und Ökologie sind im Kapitel 5 enthalten. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass durch Strukturierungsmassnahmen an stark kanalisierten und begradigten Gewässern keine vollständige Wiederherstellung des natürlichen Zustands erreicht werden kann, sondern primär Teile der Naturprozesse gefördert werden (Kap. 3), die eine naturnahe Abfolge von Mesohabitaten (Kap. 4 und 5) bewirken. Dennoch stellen die Vernetzung und Aufwertung von kleinen Bächen und Zuflüssen eine wichtige Aufgabe dar, und mit dem Einbau von Strukturen kann mit wenig baulichem und finanziellem Aufwand ökologisch viel verbessert werden. 2.2 Anwendung von Strukturierungsmassnahmen Aufgrund intensiver Nutzungen und gewässernahen Infrastrukturanlagen sind grossräumige dynamische Prozesse (z.B. Laufverlagerungen), die mit der Bildung bestimmter Lebensräume und Strukturen verbunden sind, nicht in allen Gewässern mehr möglich. Es kommen daher vermehrt naturnahe Strukturierungsmassnahmen zum Einsatz, um die Strukturvielfalt zu verbessern, Habitate aufzuwerten oder neu schaffen zu können. Strukturierungsmassnahmen sind kein Ersatz, sondern die «2nd Best-Lösung» bzw. eine Ergänzung zu Wasserbauprojekten, welche den gesamten Gewässerraum gestalten. Unter beengten Verhältnissen kann es aber zielführend sein, mithilfe von Strukturierungsmassnahmen die Fliessgeschwindigkeitsvariabilität und damit auch lokale Erosions- und Umlagerungsprozesse durch gezielte Strömungslenkung zu erhöhen. Damit können auf begrenztem Raum in natürlichem Masse gewässertypische Mesohabitate bzw. Mesohabitatfolgen (z.B. Kolk-Rausche-Folgen) geschaffen werden. Die

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