11/71 – Trittsteinbiotop: Es ist selten möglich, alle Gewässerabschnitte mit ökomorphologischen Defiziten aufzuwerten. Wo Wasserbauprojekte nicht möglich sind, eignen sich lokale Strukturierungsmassnahmen als Trittsteinbiotope zwischen verschiedenen Lebensräumen und z.B. Fischbeständen. Einerseits können dadurch grössere Gewässerabschnitte natürlich wiederbesiedelt werden. Andererseits kann auch die Vernetzung zwischen zwei bislang isolierten Beständen wiederhergestellt werden. Als erster Anhaltspunkt für dieses Vernetzungspotenzial kann etwa die Ökomorphologie Stufe F dienen. Darüber hinaus ist fundiertes Wissen über die lokale aquatische Fauna und deren historische Verbreitung notwendig. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass durch die Vernetzung von Beständen auch Krankheiten ausgebreitet werden können. Diese Gefahr ist situativ mit entsprechenden Fachpersonen zu beurteilen. Bedingungen, bei denen der Einsatz von Strukturierungsmassnahmen weniger sinnvoll ist Die Bedingungen und Kriterien lassen sich wie folgt zusammenfassen: Allgemein: − Wasserqualität: Abschnitte mit bekannten Wasserqualitätsproblemen (z.B. starke Feinsedimenteinträge, hohe Schadstoffbelastung, belastete ARA-Zuflüsse, usw.) bieten im Allgemeinen ein geringes ökologisches Potenzial, solange die Beeinträchtigungen nicht minimiert werden können. − In naturnahen Fliessgewässerabschnitten mit bereits bestehender Totholzdynamik und mit einer sich selbst reproduzierenden Fischpopulation kann auf Strukturierungsmassnahmen für gewöhnlich verzichtet werden, da die natürlichen Gewässerfunktionen intakt sind. Strömungsverhältnisse: − Regelmässig trockenfallende Zuflüsse weisen zur Aufwertung aquatischer Lebensräume kein ökologisches Potenzial auf. Im Hauptgewässer kann in solchen Versickerungsstrecken gegebenenfalls ein Niederwassergerinne induziert werden, damit die Durchwanderbarkeit möglichst lange sichergestellt ist. − Die Aufwertung staugeregelter bzw. gestauter Bereiche (s.o.) ist meist wenig zielführend, da die Massnahmen durch die reduzierte Strömungskraft i.d.R. nicht dieselbe Wirkung wie in einer freifliessenden Strecke entfalten können. − Dies gilt auch für Bereiche mit regelmässigen, horizontal eingebauten Schwellen. In solchen Abschnitten ist z.B. die Entwicklung eines durchlaufenden Niederwassergerinnes nur möglich, sofern diese rückgebaut oder durch weniger stauende Strukturriegel ersetzt werden können. Geschiebehaushalt: − Für die Entwicklung von Kolken durch Strukturierungsmassnahmen ist eine minimale Substratauflage (i.A. einige Dezimeter Kies) notwendig. An Gewässern, welche durch starke vertikale Erosion auf dem Grundgestein (Fels) verlaufen, kann je nach Gewässertyp durch den Einbau geeigneter Querstrukturen (z.B. Strukturriegel, Faschinen) möglicherweise wieder eine Kiesauflage aufgebaut werden. − Ausgebaute Gewässer mit sohlenstabilisierenden Querbauwerken und damit verbundener geringer Dynamik in der Gewässersohle neigen häufig zur Kolmation. Bei starker Kolmation ist qualitativ abzuschätzen, ob durch den Einbau von Strukturen zumindest ein lokales Aufbrechen der Kolmation möglich ist. 2.3 Weitere Hinweise für die Praxis Folgender Hinweis wird für jede Strukturierungsmassnahme als wichtig erachtet: vor dem Baustart sind mit dem Maschinisten oder der Maschinistin anhand von Fotos (positive / negative Beispiele) der Bautyp und Bauablauf zu besprechen. Bei der Ausführung der ersten Arbeiten ist eine sehr enge Begleitung durch die Fachbauleitung einzuplanen. Bei der Wahl der Strukturierungsmassnahme gilt es, die Charakteristika des Zielgewässers zu berücksichtigen. Die Fallbeispielsammlung kann hierfür unterstützende Inputs liefern. Beispielsweise kommt der Einbau grosser Blocksteine bei feinkörniger oder wenig tragfähiger Sohle (z.B. Seekreide) nicht in Betracht.
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