34/71 6 Wirkungsvolle Kombinationen von Bautypen Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Bautypen miteinander zu kombinieren. Bezüglich Grösse, Lage, Winkel, Typ, und Kombination sind keine Grenzen gesetzt. Die Natur macht es uns vor; keine Struktur in der Natur ist gleich wie die andere und genau das macht die Vielfalt des Lebensraumes aus. Somit ist aus ökologischer Sicht grundsätzlich alles erlaubt, solange weitere Interessen (z.B. Hochwasserschutz, Schutz von Bauten, Nutzungen, usw.) es zulassen. Ein paar Grundsätze sind jedoch zu beachten, die helfen können, damit die eingebauten Bautypen die gewünschte Wirkung entfalten, also eine Dynamik im Fliessgewässer initiiert wird, welche die Ausbildung von Mesohabitaten und Unterständen bewirkt (Kap. 4 und Kap. 5). Folgende Punkte sind bei der Planung und der Umsetzung zu beachten. 6.1 Eigendynamik Falls ein Gewässer eigendynamische Prozesse mit intakter Abfluss-, Geschiebe- und Totholzdynamik aufweist und sich eine Vielfalt von Mesohabitaten, Unterständen und eine funktionierende Nahrungskette von selbst ausbildet oder ausbilden kann, sollte auf Eingriffe mit eingebauten Strukturen verzichtet werden (Kap. 2.2). Dies ist dann der Fall, wenn gewässertypische Prozesse (Geschiebe-, Abfluss- und Totholzregime) uneingeschränkt oder nur wenig eingeschränkt funktionieren und das Gewässer genügend Raum für eigendynamische Laufverlagerungen, Verzweigungen oder Mäanderbildungen zur Verfügung hat. 6.2 Dimensionierung Die eingebauten Bautypen sollten genügend gross sein, um die gewünschte Wirkung entfalten zu können. I.d.R. sind wenige grosse Strukturen effektiver, um die Mesohabitatvielfalt zu fördern, als viele kleine Strukturen, die verteilt eingebaut werden und eher kleinräumig als Unterstände wirken. Dies gilt sowohl für strömungslenkende als auch für strukturbildende Bautypen. 6.3 Auswahl des Bautyps und Baumaterials Um am gegebenen Standort die gewünschte Wirkung zu entfalten, sollten geeignete Bautypen ausgewählt werden. Hierfür sind die Erfahrung mit Gewässeraufwertungen, die Begutachtung von Praxisbeispielen (natürlich oder anthropogen), die Hinweise in Kap. 5 sowie die beiliegenden Bautypenblätter hilfreich. Die Baustoffe sind i.d.R. so zu wählen, dass sie dem Gewässertyp und der gewünschten Lebensdauer entsprechen (Kap.8). 6.4 Positionierung Die Positionierung der Strukturen ist nebst der Dimensionierung und der Auswahl des Bautyps der entscheidende Faktor. Wie einleitend beschrieben, soll ein Gewässer nicht nach einem starren Muster strukturiert werden. Für die Positionierung sollten nach Möglichkeit Erkenntnisse aus naturnahen Referenzstrecken als Planungsgrundlage verwendet werden (Kap. 2.2). Ebenfalls muss darauf geachtet werden, dass mit und nicht gegen die natürliche Gewässercharakteristik gearbeitet wird (Gefällesprünge und Mäanderkurven beachten, historischen Verlauf rekonstruieren, naturnahe Mäanderamplitude vorsehen, usw.). Damit Strukturen ihre volle Wirkung entfalten können, sind folgende Hinweise hilfreich. Strukturen, die lokal zu einer Tiefenerosion führen sollen (Kolkbildung, Fischunterstände), müssen gut angeströmt sein. Dabei ist zu beachten, ob und ab welchem Abfluss (Wasserstand) die Struktur nicht mehr um- sondern überströmt werden soll. Strukturen, die vor allem umströmt wirken, sollten etwa zwei Drittel der benetzten Breite einnehmen. Strukturen, die primär überströmt (oder allenfalls unterströmt) werden, können auch kleiner sein. Die Einbauhöhe der Strukturen muss auf die Entwicklung der Gewässersohle abgestimmt werden, insbesondere auch wo projektbedingt eine erhöhte (z.B. in Gerinneaufweitungen) oder eine abgesenkte Sohlenlage zu erwarten ist. Bei Gewässern mit keiner oder geringer Abfluss- / Geschiebedynamik sind die Strukturen auf der Höhe einzubauen, bei welcher die gewünschte Wirkung erzielt werden soll. Dies, weil dadurch mit keinen bzw. nur geringfügigen Veränderungen der Sohlenlage zu rechnen ist. In Gewässern mit hoher Abfluss- / Geschiebedynamik ist bei
RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=