baldeggerjournal

17 Glauben & Beten Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Im dritten Jahr der Primarlehrerinnen-Ausbildung habe ich mich entschlossen, bei den Baldegger Schwestern einzutreten. Ich war damals 20 Jahre alt und habe als Kandidatin das Seminar abgeschlossen. Schon mit zwölf Jahren beschäftigte ich mich mit Klostergedanken und stellte mir meine Zukunft als Missonsschwester vor. Ich interessierte mich für Geschichten in Missionszeitschriften. Angehende Missionare von der Missionsgesellschaft Immensee wurden im Missionsseminar Schöneck in Emmetten ausgebildet. Während dieser Ausbildung übten sich diese jungen Studenten im Bibelunterricht an unserer Schule. Auch das beeindruckte mich! Ich betete gerne. Es war Brauch, dass alle Kinder täglich vor Unterrichtsbeginn die Heilige Messe besuchten. An der Primarschule in Emmetten unterrichteten Lehrschwestern von Menzingen. Wo bist du daheim? Überall auf meinem Lebensweg, auch in Emmetten, wo ich aufgewachsen bin, und in Willisau, wo ich während drei Jahren wohnte. Aber auch im Institut Baldegg, wo ich meine Ausbildung bekommen habe. Am liebsten bin ich in meinem Zimmer, ich liebe die Ruhe, ohne Radio, Musik und PC. Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Meine Tante, die in unserer Nähe wohnte, hatte drei Knaben, die alle drei im Kleinkindalter gestorben sind. Woran sie gestorben sind, hat man nie herausgefunden. Die Mädchen konnten gesund aufwachsen. Ein solches Erlebnis kann ich nicht vergessen, es geht mit mir durchs Leben. Wer ist dir Vorbild? Die Heilige Theresia vom Kinde Jesu, Patronin unserer Pfarrkirche. Mit zwölf Jahren las ich ihre Biografie «Geschichte einer Seele». Wer lehrte dich glauben? Die Eltern. Wir beteten jeden Abend nach dem Nachtessen verschiedene Gebete. Der Besuch der Sonntagsmesse war Pflicht für die ganze Familie. Manchmal gingen wir an einem Sonntag bis dreimal ins Dorf: Am Nachmittag in die «Christenlehre», um 17 Uhr oder 19.30 Uhr in die Andacht, trotz des steilen stündigen Heimweges. Die Eltern stritten sich nie. Welche Farbe hat dein Glaube? Blau. Es ist die Farbe der Mutter Gottes, die Farbe des heutigen Klosterkleides. Auch meine Schüler und Schülerinnen liebten blau. Was bedeutet dir glauben? Nicht Wissen, etwas Geheimnisvolles, aber auch mit Vertrauen demütig hoffen, was in der Bibel verheissen ist. Wer ist Gott für dich? Ein Geheimnis, manchmal spürbare Hilfe, Unterstützung, Trost, eine höhere Macht, die mich begleitet. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Der ganze Lebensweg! Der kostenlose Aufenthalt in Willisau bei einer Wohltäterin ermöglichte mir eine gute berufliche Laufbahn. Alle Prüfungen schaffte ich! Gibt es auch Zweifel? Ja, das Ungewisse, wenn ich über das Leben nach dem Tod nachdenke. Wo sind und was machen die Verstorbenen? Wie betest du? Ich mache die "Gute Meinung" am Morgen: dem Dreifaltigen Gott zur Ehre, auch besonders dann, wenn ich weniger Angenehmes ausführen sollte. Ich rufe jeweils die guten Engel, die Heiligen und die Verstorbenen an. Auch Psalmen bete ich, aber ohne die Beurteilungs- und Verurteilungsverse. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? In der grossen Familie lernten wir es schätzen, nicht hungern zu müssen. Ich liebe die Einfachheit. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Psalm 16,6: «Das Los ist mir auf liebliches Land gefallen!» Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest Urteilt nicht, wir wissen nie alle Fakten! Seid friedfertig! Sr. Marie-Stefan Würsch, 1943, aufgewachsen mit drei Schwestern und acht Brüdern in Emmetten (NW) auf einem Bergbauernhof. Primarlehrerinnenseminar in Baldegg. 1967— 1970 Lehrerin an der Sonderschule in Schüpfheim mit berufsbegleitender Ausbildung für diese Schulstufe. 1970 — 2008 Unterricht an der Primarschule Hochdorf. Nach der Pensionierung bis 2023 Förderung von Mitarbeitenden des Klosters in der deutschen Sprache und Aufgabenhilfe für Kinder und Jugendliche bis zum Berufsabschluss.

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