8 «Der uns erschaffen hat, ist der Beste» Sr. Beatrice Kohler, Hertenstein Für Bonaventura (1221–1274), den grossen Theologen des Hochmittelalters in der Tradition des heilige Franziskus, gilt die Schöpfung als Buch göttlicher Offenbarung. «Wer darum vom Glanz der geschaffenen Dinge nicht erleuchtet wird, ist blind; wer durch dieses so laute Rufen (der Natur) nicht aufwacht, ist taub; wer von all diesen Wundern beeindruckt, Gott nicht lobt, ist stumm […]. Öffne also deine Augen, wende dein geistiges Ohr ihnen zu, löse deine Zunge und öffne dein Herz, damit du in allen Kreaturen deinen Gott entdeckest, hörest, lobest, liebest und verehrest, damit nicht der ganze Erdkreis sich anklagend gegen dich erhebe.» Itinerarium Mentis I 15 Wir sind heute anders unterwegs als der heilige Franz. Projekte auf den Weg bringen war in seiner Zeit noch kein Anspruch. Er wollte auch keine Gemeinschaft gründen, oder anderen vermitteln, wie geglücktes Leben geht, sie belehren, für sie wissen, … Aber damals wie heute wirkt das Aussen auf das Innere. Die Anforderungen unserer Zeit bewegen unseren Geist und fordern uns heraus, das Erkannte in die Tat umzusetzen als Zusammenspiel von ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen. Im Blick auf Franziskus zeigt sich, dass auch in unserer Zeit die spirituelle Dimension nicht ausgeklammert werden darf. In seinem Erbe ist das die christliche DNA. Die Erfahrungen des Krieges und die Begegnung mit den Aussätzigen und Armen stellten seine bisherige Sicht, geprägt durch das Unternehmen seines Vaters, auf den Kopf: Sein Leben folgte von nun an den Spuren Jesu. Er wurde sich mehr und mehr bewusst, was sich ihm in der Schöpfung und im Alltag von Gott zeigte. Die «Umwelt» wird ihm «Mitwelt». Die Schöpfung und ihre Geschöpfe sind um ihrer selbst willen da, nicht als Gebrauchswerte für den Menschen. Sie verweisen auf Gott, als den Schöpfer allen Seins. Im Sonnengesang spricht er von den Gestirnen, den Elementen und den Pflanzen als Brüdern und Schwestern, von der Erde auch als Mutter. Er besingt die geschwisterliche Gemeinschaft mit den kosmischen Elementen. Das passt gut in unsere Zeit und in das Projekt der Nachfolgelösung für die Stella Matutina. Nachhaltigkeit ist eine Notwendigkeit. Kultur und Bildung sind dafür wichtige Aspekte. Das gemeinsame Suchen und Finden des Verbindenden sind zukunftsweisend. Der Mensch bedient sich der Geschöpfe, weil er sie zum Leben und Überleben braucht. Die Frage, ob dies in Achtsamkeit und Ehrfurcht geschieht, bleibt ein Gewissensentscheid. Ausbeutung, Inbesitznahme, Beherrschung widersprechen dem Schöpfungsauftrag. Der Mensch ist Teil des Ganzen. Er übernimmt Verantwortung, indem er die Schöpfung bewahrt und der Lebensgrundlage für alle Geschöpfe Sorge trägt. Dieser Blick von Franziskus war und ist ein Grundanliegen unserer Kongregation: Schöpfung ist ein Spiegelbild Gottes. Diesen Zusammenhang in verschiedensten Aktivitäten lebendig zu halten, bleibt Teil unseres Auftrags. Thomas von Celano schreibt in seiner Franziskusbiografie: «Franziskus freute sich als glücklicher Wanderer an den Geschöpfen, die in der Welt sind. […] Er sah die Welt als klaren Spiegel von Gottes Güte. In jedem Kunstwerk lobte er den Künstler. Was er in der geschaffenen Welt fand, führte er zurück auf den Schöpfer. Er pries in allen Werken die Hände des Herrn, und durch das, was sich seinem Auge an Lieblichem bot, schaute er hindurch auf den Urgrund und die Lebensquelle aller Dinge. Er erkannte im Schönen den Schönsten selbst. Alles Gute rief ihm zu: ‹Der uns erschaffen hat, ist der Beste!›» (2 C 165). Dass es dem «Haus der Zukunft» gelinge, ökologische, soziale, wirtschaftliche und spirituelle Interessen zu verbinden, bleibt mein Wunsch und meine Hoffnung.
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