baldeggerjournal

17 Glauben & Beten Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? 1978 trat ich ins Postulat ein. Eine Entscheidung, um konkret zu klären, ob das Leben in der Gemeinschaft der Baldegger Schwestern zu mir passen könnte. Die Fragen und das Suchen nach Gott waren mir wichtig geworden und der Hl. Franz war mir eine Herausforderung. Was sein Weg für die aktuelle Zeit heissen kann, ist mir wichtig geblieben. Wo bist du daheim? Immer da, wo ich mich unter Menschen wohl fühle und mich mit meinen Gaben einbringen kann. Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte? Mein Vater war auch Jäger. Oft ging ich mit ihm abends im Revier die Tiere beobachten und zählen. Da musste ich still sein. Ich denke, dass diese Erfahrungen in mir die Sehnsucht nach Stille und Gottverbundenheit geweckt haben. Das Staunen in der Natur hat mich mit der Ahnung der Grösse der Schöpfung und des Schöpfers beschenkt. Wenn im «Heuet» ein Jungtier durch die Maschine einen Fuss einbüsste und mein Vater es mit nach Hause brachte und pflegte, gab er uns Kindern Anteil an dieser Aufgabe. Sorgfältig und in der nötigen Distanz zum Jungtier schauen, fiel uns nicht leicht. Der Abschied nach der Genesung war schwer. Freude und Stolz erfüllten mich, wenn Vater dann von der gelungenen Wiedereingliederung des Kitzes bei seiner Mutter berichtete. Dann wussten wir, wir hatten es gemeinsam gut gemacht. Und es machte Freude, das Tier in seiner natürlichen Umgebung wieder zu entdecken. Wer ist dir Vorbild? Es gibt viele Biografien, die mich bewegen und mir Anstoss geben für mein Leben. Wer lehrte dich glauben? Keine bestimmte Person. Wohl eher die Vollzüge in der Glaubensgemeinschaft der Familie und der Kirche. Später der Unterricht, Bücher, Mitschwestern und Mitbrüder, Exerzitienleiter- und leiterinnen, geistliche Erfahrungen. Welche Farbe hat dein Glaube? Er ist bunt. Manchmal leuchten die Farben. Gelegentlich sind sie auch verhalten oder gar trüb. Was bedeutet dir glauben? Gott als eine Wirklichkeit meines Lebens annehmen, ohne sie mit Wissen und Verstehen ergründen zu können. Wer ist Gott für dich? Jesu Wort «Ich bin das Leben» passt für mich sehr gut. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Auch wenn scheinbar im Aussen alles wegfällt, was bisher erfüllend war: Es kommt etwas Neues und Sinnvolles. Gibt es auch Zweifel? Ja. Vorbehaltloses Vertrauen und der Wunsch nach Gewissheit kämpfen gelegentlich miteinander. Da steht der Zweifel dazwischen. Wie betest du? Wenn möglich wach in den gemeinschaftlichen Gebetszeiten. Auf Spaziergängen oder Wanderungen. Am See. In Kirchen. An Brennpunkten der Gesellschaft. In der Betrachtung von Bibeltexten, im Nachdenken über Literatur und mit Bildern. In der Stille. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Seine Suchbewegungen und Antworten auf die Fragen der Besitzlosigkeit und der Geschwisterlichkeit sind mir grundlegend für meinen und unseren Lebensstil. Welches Wort aus der Bibel begleitet dich durch das Leben? Ein wichtiges Wort ist das Bibelwort meiner Profess in der Übersetzung von Jörg Zink aus dem Galaterbrief, Kapitel 3: «Ihr alle seid Söhne (und Töchter) Gottes dadurch, dass ihr mit Christus im Glauben und Vertrauen verbunden seid. Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, auf seinen Tod und seine Auferstehung, habt nun seine lebendige Kraft um euch wie ein Gewand.» Sr. Beatrice Kohler, 1955, aufgewachsen mit zwei Brüdern in Rapperswil-Jona, Primarlehrerinnenseminar Baldegg. Lehrtätigkeit. Höhere Schule für Gestaltung in Luzern. 1985–2005 Lehrerin für Bildnerisches Gestalten und Schulleiterin an der Schule Baldegg. 2004-2008 Lehrerin an der Kantonsschule Beromünster und pädagogische Mitarbeiterin im Internat Don Bosco. Mitarbeit im Kloster zum Mitleben in Rapperswil, Ausbildung in Geistlicher Begleitung. Mitarbeit im Klosterkafi, Ausbildung zur Kontemplationslehrerin. Seit 2013 im Bildungshaus Stella Matutina und seit 2016 Mitarbeit im Ausbildungsteam des Seminars St. Beat in Luzern.

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