4 Es gibt immer einen Weg Herr Segmüller, Sie waren Oberst im Generalstab der Schweizer Armee. Hatten Sie dieses Ziel angestrebt, und wie haben Sie diesen Aufstieg geschafft? P.S. Nach der Matura erwarb ich das Sekundarlehrerdiplom. Beim Unterrichten von Jugendlichen spürte ich, dass mir die Arbeit mit Erwachsenen besser entsprechen würde. Im Militär war ich bereits Offizier. Das Angebot, als Instruktionsoffizier der Rettungstruppen im Militärdepartement VBS tätig zu werden, habe ich daher gerne angenommen. Ich war für die Aus- und Weiterbildung des Milizkaders verantwortlich. Durch ständige Weiterbildung und die geforderten Prüfungen kam ich in den Generalstab und wurde Oberst. Ich habe in Ihrer Biografie «Verwandlung» gelesen, dass Sie überraschenderweise zum Kommandanten der Päpstlichen Schweizergarde ernannt worden sind. Bedeutete das für Sie einen noch steileren Aufstieg in Ihrer beruflichen Karriere und warum? P.S. Es ging mir nie um einen Aufstieg, bzw. um Karriere. Ich betrachtete diese Berufung als eine Ehre. Es war für mich eine erfüllende und vielfältige Aufgabe. Es ging unter vielem anderen auch um den Schutz und die Sicherheit des Papstes und des Vatikanstaates. Schutz und Sicherheit waren auch in der Schweizer Armee meine Schwerpunkte. Nach dem vierjährigen Aufenthalt in Rom wurden Sie Kommandant der Stadtpolizei Luzern. War das beruflich nicht ein Absteigen? P.S. Es war kein Abstieg, sondern eine neue Herausforderung. Wegen der Schulung unserer Kinder war es an der Zeit, in die Schweiz zurückzukehren, obwohl ich gerne noch zwei Jahre in Rom geblieben wäre. Bei der Stadtpolizei Luzern waren nebst den verschiedensten Aufgabenfeldern auch wieder Personenschutz und Sicherheit zentrale Tätigkeitsgebiete. Die Führung von mehreren hundert Personen aus den einzelnen Abteilungen stellten an mich als Kommandanten besonders hohe Anforderungen. Nach wiederum vier Jahren kam das Ende Ihrer Aufgabe als Kommandant der Luzerner Stadtpolizei als bittere Enttäuschung, und es folgte schlagartig der Abstieg, wozu Sie sich selber entschlossen hatten. Wie haben Sie das verarbeitet? P.S. Ich wäre selbstverständlich gerne geblieben. Unbegründete Anschuldigungen und Intrigen zwangen mich zu diesem Entschluss. Es folgte eine harte und sehr schwierige Zeit. Arbeitslosigkeit zu verkraften ist nicht einfach. Das Gebet und ein grosses Vertrauen haben mir geholfen. Einmal in einer schlaflosen Nacht war ich im Gespräch mit Gott und sagte: «Herrgott, jetzt ist es genug; ich möchte wieder einmal ruhig schlafen.» Ich schlief ein, und am andern Tag war ich ruhig wie schon lange nicht mehr. Es öffnete sich bald einmal Tür um Tür. Ich kam in den Sicherheitsbereich der FIFA, wurde in den Nationalrat gewählt und war dort Mitglied der sicherheitspolitischen Kommission; also – es taten sich weitere Perspektiven auf. Die Arbeitslosigkeit aber war ein harter Abstieg. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass es immer einen Weg gibt, nicht zuletzt durch meinen Glauben und das Vertrauen auf Gott. In Ihrer Biografie schreiben Sie, dass Rückschläge und Erfolge zum Leben gehören. Dadurch haben Sie den inneren Frieden gefunden. Welches ist nun Ihre Botschaft? P.S. Der Welt und den Menschen wünsche ich für die Zukunft, dass sie aus Rückschlägen lernen und begreifen, dass wir einen Gott brauchen, damit wir charakterlich gut sind und aufrecht durch das Leben gehen können. Ich wünsche mir eine Menschheit, die weniger egoistisch denkt und handelt. Eine Welt mit charaktervollen Menschen, die Werte vertreten, Rücksicht auf den Planeten Erde nehmen, fähig sind, sich zu beschränken und bescheiden zu sein. Das Wichtigste ist: Wir sollten alle Lebewesen beschützen. Die Menschlichkeit und die Menschenrechte – sie sind in der Bibel formuliert – sollten dabei als Massstab und Orientierung dienen. Sr. Boriska Winiger, Baldegg, führte mit Pius Segmüller, ehemaliger Kommandant der Schweizergarde, ein Gespräch über sein berufliches «Auf- und Absteigen». Während seiner Zeit im Vatikan führten die Baldegger Schwestern die Küche für die Schweizergardisten. Die Verbundenheit mit ihm ist über die Jahre geblieben. Heute übernimmt er immer wieder als Freiwilliger Fahrdienste für die Schwestern in Baldegg.
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