baldeggerjournal

Zwei Bilder – ein Leben 19 Die Schweizergarde war mir immer nah. Mein Vater war früher Schweizergardist und hat gerne von dieser Zeit erzählt. Mich freute es sehr, als mich die Klosterleitung 2003 fragte, ob ich zusammen mit Sr. Jakoba die Gardeküche übernehmen würde. Auf diesem Foto sitzt links Sr. Jakoba, in der Mitte Sr. Rebekka und rechts, das bin ich. Von der Grösse her hätte auch ich bei der Schweizergarde eintreten können! Wenn ich über den Petersplatz spazierte oder die Gardisten salutieren sah, dachte ich immer: Mein Gott, mein Vater hat das alles auch lernen müssen. Ich glaube, seine Genauigkeit und Strenge hatte er wohl hier gelernt. Wir hatten guten Kontakt mit den Gardisten, wir lachten gerne und viel miteinander. Als sie für die Vereidigung am 6. Mai üben mussten, streckten sie Sr. Jakoba einmal eine Hellebarde in die Hand. Dann befahlen sie ihr, gerade zu stehen und liessen sie die Eidformel nachsprechen: «Ich, Sr. Jakoba, gelobe für mein ganzes Leben, in der Schweizergardenküche zu arbeiten.» Daraus wurde nichts. Baldegg hatte entschieden, den Posten im Vatikan aufzugeben. Wir mussten schon bald unsere Nachfolgerinnen in die Gardeküche einführen. Die Gardisten flehten uns an, diesen polnischen Schwestern doch noch ein paar Schweizermenüs beizubringen, wenigstens Rösti und Züri Geschnetzeltes, Zopf und Birchermüesli. Hei, das war aber anstrengend! Diese fünf Schwestern verstanden kein Wort, weder italienisch noch deutsch, noch unsere Küchenmaschinen. Sie zuckten nur mit den Schultern. Und wir zupften an ihren Ärmeln, um ihnen wieder etwas zu zeigen. Schliesslich schrieben wir mit Filzstiften auf die Küchenwände, um ihnen wenigstens ein paar Worte beizubringen: pane = Brot, formaggio = Käse, latte = Milch. Bevor wir heimkehrten, konnten wir zu einer Privataudienz. Ich war extrem nervös und hatte mir vorgenommen, dem Papst zu sagen: «Heiliger Vater, ich bitte Sie um den Segen für unser Kloster in Baldegg.» Dann ging alles so schnell, dass ich ganz verdattert war, als ich an die Reihe kam. Vor lauter Judith Borer und die Papstaudienz Aufregung stotterte ich nur «Schweizergarde». Papst Johannes Paul II. sagte dann auch nur «Si, Schweizergarde». Das war alles! Mehr nicht. Das habe ich nie vergessen. Zu den Baldegger Schwestern kam ich durch das Warten im Pfarrhaus. Ein Ite-Heftli (franziskanisches Magazin) lag herum. Beim Blättern entdeckte ich eine Baldegger Missionarin, sie stammte aus Kleinlützel, genau wie ich. Da fragte ich den Pfarrer, wo denn Baldegg sei. Für Baldegg entschied ich mich, weil ich meinte, in Menzingen würden nur Lehrerinnen aufgenommen und weil mir Ingenbohl einfach zu gross schien. 1969 bin ich dann eingetreten. Später wollte Sr. Basilda, dass ich noch die Kochlehre mache. Sie fand, das sei gut für mein Selbstbewusstsein. Die Lehre machte ich in unserem Kurhaus Oberwaid und das Praktikum im Hotel in St. Niklausen. Seit 1980 habe ich immer zusammen mit Sr. Jakoba gekocht, im Institut in Baldegg bis 1998. Damals verpflegten wir 180 interne Schülerinnen, die Schwestern und die Lehrerschaft. Gemüse und Fleisch gab es aus der Klostergärtnerei und dem Klosterhof. Selbstversorgung ist schön, aber hie und da schön anstrengend! Besonders dann, wenn ein Telefon kam: «Wir hätten noch ein Rind und drei Schweine.» Damals gab es noch viele Traditionen. So das Znüni für den Lokführer der Seetalbahn. Wenn viele Schwestern anreisten, gab es einen Spezialhalt vor dem Institut und für den Lokführer ein Znüni. Unsere Institutsküche wurde auch von Dieben geschätzt. Ein Österreicher tauchte hie und da am Morgen mit dem Velo auf zum Zmorge. Eines Tages kam er mit einem Kollegen. Sr. Tabita hatte die beiden in der Kirche entdeckt und traute der Sache nicht recht. Sie brachte sie zu uns zum Zmorge und avisierte die Polizei. Schon bald tauchte diese auf: «So, ihr Vögel» sagte einer der Polizisten und befahl ihnen, die Jacken ausziehen. Wir staunten nicht schlecht, als wir die 10er und 20er Noten und das Münz sahen, das da hervorkam. Erst da kapierten wir, dass sie jeweils eine Kirchen- und Kapellentour im Seetal machten, die Opferstöcke leerten und dann hungrig bei uns ihr Zmorge einnahmen. Darüber lachen wir noch heute. Jetzt sind Sr. Jakoba und ich beim Bruder Klaus in Flüeli-Ranft. Hier umsorgen wir die Ferienschwestern und bitten nun halt den Bruder Klaus um den Segen für das Kloster Baldegg. mrz

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