baldeggerjournal

Franziskanische Inputs Lieber Bruder Franz Hast du Fussball gespielt? Ich frage, weil du Erfahrung mit dem Auf- und Absteigen hast. In den Augen der Menschen warst du ein Vertreter jener Aufsteigerschicht der Kaufleute, die ihr Leben dem Reichtum verschrieben. Wenn ich dein Leben betrachte, möchte ich sagen, du bist mehr als nur eine Liga abgestiegen. Bis zum Lebensende spieltest du einige Ligen tiefer, als es deine Herkunft für dich bereitgehalten hatte. Und trotzdem war dein Abstieg ein Aufstieg. Immerhin hast du es geschafft, dass die Stadt Nocera Inferiore in der Provinz Salerno ein Fussballstadion nach dir benannt hat: das „Stadio San Francesco d’Assisi“! Die Liga wechseln hiess für dich: absteigen, um die bittere Not des Kindes in der Krippe zu sehen. Ein bisschen kann dein Leben schon mit Fussball verglichen werden: Du weisst, wer sich im Fussball von der höheren Liga verabschieden muss, kann als Ziel nur haben, sich für den erneuten Aufstieg zu qualifizieren. Das war auch dein Ziel, aber nicht so, wie es die Gesellschaft damals verstand. Der Abstieg im Fussball hat zwei Ebenen, die wirtschaftliche und die sportliche. Dadurch, dass du deinen Reichtum aufgegeben hattest, waren wirtschaftlich gesehen enorme finanzielle Einbussen die Folgen. Sportlich gesehen, setztest du deine Kräfte in ganz neuen Bereichen ein, was dich körperlich sehr forderte, ähnlich einer sportlichen Leistung. Der grosse Unterschied zwischen deinem Abstieg und jenem eines Fussballers ist der, dass du den Abstieg freiwillig und bewusst gewählt hast, um dir den Aufstieg in einer quasi „anderen Sportart“ zu ermöglichen. Denn im Sport ist wie im Glauben das persönliche Training entscheidend. Dein tägliches Training war das geistliche Üben: Hören, was Gott von dir wollte, die Grenzen akzeptieren, die er dir setzte, auf Gottes Wirken vertrauen. Du hast dich mit deiner ganzen geistigen und körperlichen Kraft eingesetzt, um Gott zu begegnen. Dich hat der „heruntergekommene Gott“ beeindruckt. Der Gott, der sich zu uns Menschen als verletzliches Kind herabliess, in Windeln gewickelt, in eine Krippe gelegt. Diesen Abstieg Gottes wolltest du nachvollziehen, was dich unvermeidlich und folgerichtig zu den Ausgegrenzten, den Armen und Notleidenden führte. Dort, in der Begegnung auf Augenhöhe, fandest du Christus. Du hattest begriffen: wer die Menschen erreichen will, muss mit ihnen auf Augenhöhe gehen. Ein konkretes Beispiel aus deinem Alltag: Du hattest deinen Brüdern das Reiten verboten, weil du nicht wolltest, dass sie vom Pferd herab predigten, sondern mit den Menschen auf Augenhöhe sprachen. So konntest du in den Armen die bittere Not jenes Kindes sehen, das in Bethlehem geboren worden war. Dadurch hast du den „Aufstieg“ in jene Gesellschaft erreicht, deren Armut im Kind in der Krippe gespiegelt wurde. Die Freude, die dir dadurch zuteilwurde, war für dich wertvoller als jene, die Fussballspieler beim Erreichen einer höheren Liga erleben. So gesehen war dein Abstieg ein Aufstieg. Und noch etwas: im Sport gibt es entweder Gewinner oder Verlierer. Du aber hast erfahren, was ein unbekannter Autor sagte: „Du verlierst nie! Entweder du gewinnst oder du lernst!“ Eines weiss ich, mit deiner Entscheidung die Liga zu wechseln, hast du kein Eigentor geschossen, sondern einen Gewinn für die Nachwelt geschaffen. Pace e Bene! Deine Sr. Nadja „Ich möchte das Gedächtnis an jenes Kind begehen, das in Bethlehem geboren wurde, und ich möchte die bittere Not so greifbar wie möglich mit leiblichen Augen schauen, die dieses kleine Kind zu leiden hatte, als es in eine Krippe gelegt wurde, an der Ochs und Esel standen und es auf Heu gebettet wurde.“ (Franz von Assisi) 18

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