3 Liebe Leserin, lieber Leser Wörter büffeln – damit war alles gesagt. Der Französischlehrer drückte es zwar wohlklingender aus, «par coeur». Das tönte schön, machte das Lernen deswegen nicht weniger anstrengend. Warum den Umweg «par coeur» machen, wenn es im Kopf bleiben soll? Kapiert habe ich das erst, als ich im eigenen Herzen längst Vergessenes fand. Aufbewahrt blieb dort, was schön war und fröhlich ins Herz hüpfte und was sich leidvoll und belastend dorthin verkrochen hatte. Dass nicht nur Bildung, sondern auch das Bewahren etwas mit dem Herzen zu tun haben, vermittelt in diesem BaldeggerJournal das Gespräch zwischen Carl Bossard und Sr. Hildegard. Beide müssen es wissen: sie blicken auf eine lange Karriere im Bildungswesen zurück. Vergeblich suchte Sr. Renata in den Psalmen nach den Begriffen «Verändern» und «Bewahren». Dafür fand sie Worte, die wie Gefässe sind: Erinnerung, Trost und Hoffnung. Auch da, so gewinnt man den Eindruck, läuft es «par coeur». Denn zum Erinnern, Trösten und Hoffen braucht es ein Herz. Für Bischof Felix Gmür bewahrheitet sich das Wort «bewahren». Bei allen Veränderungen, so schreibt er, darf das «Wahre», das sich im Wort «bewahren» findet, nicht «abgestossen» werden. Das zwingt oft zum Perspektivenwechsel. Eine Mammutaufgabe finde ich, die Bischof Felix und wir alle im gegenwärtigen synodalen Prozess zu stemmen haben! Eine, die sich ebenfalls einer komplexen Aufgabe angenommen hat, ist Gabriela Christen. Sie berichtet vom Transformationsprozess, der dem Kloster Baldegg eine Zukunft geben soll. Ein Lernprozess für uns alle; so scheint mir. Es gilt den Spannungsbogen zwischen Verändern und Bewahren, zwischen Langsamkeit und Schnelligkeit auszuhalten. Eigentlich nichts Neues. Bereits Franziskus erlebte dies. Davon berichtet Sr. Nadja. Anders Sr. Boriska: Sie hat sich in Gesprächen mit Schwestern bestätigen lassen, dass «nichts mehr ist wie früher». Wer dies nicht so recht glauben mag, lese auch den Reisebericht nach: Baldegg – Dar es Salaam, 1947. Lieber Leser, liebe Leserin Tatsächlich ist es schnell «nicht mehr wie es war». So erging es unserem treuen Autor P. Albert Ziegler: Er ist Patient geworden und wartet mit Sehnsucht darauf, dass sich die Krankheitserreger verändern. Was er sich in dieser Situation bewahrt? Er nimmt sich trotz allem Zeit zum Nachdenken. Seine Gedanken aus dem Spital lesen Sie am besten selber, Seite 8. Für jene, die trotz Sommerferien keine Zeit zum Lesen haben, verrate ich nur so viel: Wir sind in Gottes Liebe bewahrt, immer. Glückliche Sommertage! Herzlich Ihre Baldegger Schwestern Inhalt Editorial Vom Bewahren und Verändern 4 Reise in die Vergangenheit Sr. M. Martine Rosenberg, Baldegg 6 Eifach nömme wie früener! Sr. Boriska Winiger, Baldegg 7 Bewahren und Verändern Dr. Felix Gmür, Bischof Bistum Basel 8 Bewahren und Verändern vom Krankenzimmer aus: Gott bewahre! Dr. P. Albert Ziegler SJ, Zürich 10 Vom Mut, sich neu zu erfinden Prof. Dr. Gabriela Christen, Luzern 12 Franziskanische Inputs Lieber Bruder Franziskus Sr. Nadja Bühlmann, Baldegg 13 Psalmen Von Erinnerung getröstet – zu Ho!nung ermutigt Sr. Renata Geiger, Baldegg 14 Zwei Meinungen – ein Thema Zukunft braucht Herkunft Von Schreibtisch zu Schreibtisch: Sr. Hildegard Willi und Carl Bossard, Dr. phil., Zug 16 ZweiMinutenPredigt Sr. Hildegard Willi, Baldegg 17 Glauben & Beten mit Sr. Cornelia Keller, Baldegg 18 Übrigens 19 Zwei Bilder – ein Leben Sr. Irenäa Elsener ist dankbar für ihr Naturell
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