4 Jugendliche Hoffnung Herr Bischof, bei Ihrer Verabschiedung sagten Sie, dass es Ihnen immer darum gegangen sei, Hoffnung zu bringen, egal wo Sie waren. Wie haben Sie das als Jugendbischof umsetzen können? D.Th. Ja! Ich habe versucht, Hoffnung zu bringen, denn das Leben konfrontiert uns oft mit Situationen, die nicht immer motivierend sind. Dabei – und demütig gesagt – habe ich immer versucht, mit einem ruhigen und freundlichen Gesicht auf die Jugend zuzugehen. Diese Haltung umsetzen heisst für mich auch, menschlich, positiv, konstruktiv, begeistert auf die Leute zugehen. Oft kommen von den Jugendlichen Fragen, die manchmal verwirrend sind. Da ist man gefordert, hilfreiche Antworten zu geben. Die jungen Menschen haben die Zukunft vor sich. Sind sie hoffnungsvoll auf dem Weg? D.Th. Je nachdem! Jeder Jugendliche ist einzigartig; jeder hat seine eigene Geschichte, ist von seiner Herkunft geprägt. Jeder Jugendliche lebt die Gegenwart, die aber nicht immer einfach ist. Zum Beispiel sind Jugendliche auch von Konflikten in der Familie belastet, was ihnen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft schwermacht; sie resignieren, geben auf. In solchen Momenten müssen sie spüren, dass sie gut begleitet werden. Das kann ihnen neue Hoffnung geben. Zum Glück gibt es viel Gutes und Positives. Ich bewundere die Eltern, die sich Zeit nehmen für ihre Jugendlichen, ihnen Perspektiven geben und für sie da sind. Sr. Boriska Winiger, Baldegg, im Gespräch mit Denis Theurillat, dem emeritierten Weihbischof der Diözese Basel. Seit Sommer 2021 lebt er als Seelsorger im Kloster Baldegg. Bestimmt sind Sie auch Jugendlichen begegnet, die von der Kirche enttäuscht waren. Konnten Sie bei ihnen wieder Hoffnung wecken? D.Th. (Wird nachdenklich) Man kann vieles erreichen im Rahmen der Kirche für die Jugendlichen und mit ihnen, wenn sie spüren, dass wir sie lieben, für sie da und mit ihnen sind. Es gibt schwierige Fragen wie z. B. «Warum dürfen Priester nicht heiraten?» «Ich möchte jeweils gerne an der Messe teilnehmen, aber es ist so langweilig» usw.. Hier dürfen wir nicht mit Antworten überzeugen wollen. Eine Entgegnung wie ‹ich kann dich verstehen›, schafft Vertrauen, fördert den Dialog und lässt eine entspannte Stimmung aufkommen. Die Jugendlichen sollen spüren, dass wir gemeinsam auf dem Weg sind. Ich frage dann auch: «Können wir gemeinsam etwas tun, dass der Gottesdienst nicht so langweilig ist. Habt ihr Ideen?» Mit solchen und ähnlichen Fragen sind sie miteinbezogen, spüren, dass auch sie Verantwortung übernehmen müssen. Mit dem Begriff ‹Autorität› haben Jugendliche oft Mühe; für mich immer eine Herausforderung, damit gut umzugehen. Es ist Kunst, die richtige Form, den richtigen Ton zu finden. «C’est le ton, qui fait la musique!» Wie sehen die Jugendlichen die Zukunft der Kirche? D.Th. Wir kennen die Aussage: «Jesus Ja, Kirche Nein.» Wenn wir von Jesus sprechen, sind die Jugendlichen offen. Die Kirche muss einfacher, demütiger werden, wie Jesus gelebt hat. Ich habe jeweils keine Angst, Papst Franziskus zu erwähnen; er ist Vorbild in der Umsetzung von dem, was Jesus gesagt hat. Ich habe noch nie von einem Jugendlichen Kritik über Papst Franziskus gehört; wenn schon, geht es um Ausnahmen. Die Wahrheit des Evangeliums und das Leben der Kirche dürfen sich nicht widersprechen. Die Jugendlichen sehen eine Zukunft in der Kirche, wenn sie sagen können, dass jeder Getaufte seinen Platz hat. Bei Begegnungen mit Firmlingen erlebe ich Jugendliche, die als Oberministrant, Oberministrantin, Jubla-Führer, bzw. -Führerin, usw., eingesetzt sind. Das ist doch gelebte Kirche! Wir Seelsorger und Seelsorgerinnen müssen den Mut haben, mit den Jugendlichen den Weg zu gehen, umso mehr als jeder Jugendliche und jede Jugendliche «ein Herz aus Gold» hat.
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