baldeggerjournal

Glauben & Beten 17 Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Ich trat 1965 ins Kloster ein. Als Kind las ich gerne Missionsgeschichten. Ich staunte darüber. Ich dachte, dies ist eine gute Sache, aber nichts für mich. 1960 war ein Missionsjahr. Eindrückliche Vorträge brachten mich in eine «Unruhe». Wünscht Gott hier meine Mithilfe? Ein Einsatz für zwei bis drei Jahre könnte interessant sein. 1961 im Welschland spürte ich, dass Gott mich sogar als Ordensschwester möchte. Während der Seminarzeit hat sich dies dann verstärkt und geklärt. Wo bist du daheim? Ich bin daheim, wo ich mit lieben Menschen bin, sei das mit Einheimischen in Papua Neuguinea, bei meinen Mitschwestern in Baldegg oder bei meinen Angehörigen im Luzerner Hinterland. Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte? Ich wurde einmal ausgelacht, und das tat mir weh. Ich fühlte mich nicht verstanden. Ich dachte dann, Gott kennt alle Gründe und weiss, dass dies ungerecht war. Er versteht mich. Das hat mir sehr wohl getan und mich ermutigt. Wer ist dir Vorbild? Sicher zuerst meine Eltern und Geschwister; dann auch Nachbarn, Lehrer und Priester, Mitschwestern, Mitarbeitende und einfache einheimische Leute. Ich habe immer gerne gelesen. Da denke ich an Roger Schutz, Johannes XXIII., Thomas Morus, die heilige Monika und den seligen Peter ToRot aus Papua Neuguinea. Wer lehrte dich glauben? Zuerst meine Eltern. Im Lesen der Heiligen Schrift lehrt mich Jesus Christus immer neu, mich ganz ihm anzuvertrauen. Welche Farbe hat dein Glaube? Ich glaube zuerst: Grün, voll Hoffnung. Dann aber auch bunt wie das Leben und der Glaube in PNG. Was bedeutet dir glauben? Glauben ist ein Geschenk. Wir haben einen guten Gott, dem wir viel wert sind, der sich um uns sorgt, bei dem wir geborgen sein können. Wer ist Gott für dich? Einerseits der unendlich grosse Gott, der Schöpfer der Welten, des unendlichen Alls. Anderseits der nahe Gott, der jeden Menschen durch und durch kennt und ganz bei uns, bei mir sein möchte. Gibt es auch Zweifel? Ja, Zweifel und Fragen: zum Beispiel bei zerstörerischen Stammeskämpfen und bei den grausamen Folterungen von unschuldigen Frauen, die als Hexen angeklagt sind. Wie betest du? Auf verschiedene Arten, im «stillen Kämmerlein» und in lebendiger Gemeinschaft. Mit Worten und im stillen Staunen. Ich bete gerne mit der Bibel. Beten führt mich oft zum Schreiben und Schreiben führt mich zum Beten. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Die franziskanische Spiritualität war einer der Gründe, dass ich mich fürs Kloster Baldegg entschied. Die Einfachheit und Fröhlichkeit von Franziskus beeindrucken mich immer wieder. In der Diözese Mendi arbeiten wir mit verschiedenen franziskanischen Gemeinschaften aus PNG, Amerika, Indien und Tanzania zusammen. Wir erfahren eine besondere Verbundenheit. Welches Wort aus der Bibel begleitet dich durch das Leben? Die Emmausgeschichte ist mir besonders lieb. Traurig und deprimiert sind die zwei Jünger auf dem Weg. Mit Jesus beginnen sie das Unglaubliche zu verstehen. Die Augen gehen ihnen auf, sie staunen und sind voll neuer Energie. So ergeht es auch mir immer wieder. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest? Ich bin dankbar, dass ich mit Menschen verschiedenster Kulturen zusammenarbeiten kann. Es ist eine Bereicherung. Anderseits sind wir einander oft ähnlicher als es scheint. Ihre Freuden und Sorgen gleichen den unsrigen. Achtsam aufeinander hören und zu verstehen suchen erleichtert die Zusammenarbeit. Sr. Monika-Pia Kneubühler, 1945. Aufgewachsen in Ufhusen im Luzerner Hinterland mit fünf Schwestern und zwei Brüdern. Handarbeitslehrerin, Klostereintritt 1965. 1968-73 Unterricht in Hochdorf. Ein Jahr England. Seit 1974 in der Diözese Mendi, Papua Neuguinea. Erwachsenenbildung, Pastoralarbeit und Begleitung von einheimischen Ordensschwestern.

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