baldeggerjournal

7 schen Cäsars; oder als gewaltiger Feldherr, vor dem alle sich verneigen; oder eben als Weltenherrscher, als Pantokrator in all seiner Macht und Herrlichkeit? Die Frage ist berechtigt und jeder denkende Mensch müsste sie stellen: Warum wurde Gott nicht auf diese Weise Mensch? Er hätte sich damit viele Unannehmlichkeiten erspart. Niemand hätte ihm widersprochen. Keine Macht der Welt hätte gewagt, sich ihm zu widersetzen. Kein Vertreter irgendeiner geistlichen oder politischen Macht hätte sich vermessen, ihn zu kreuzigen. Und alle hätten ihre Knie vor ihm gebeugt. Sie hätten sich gebeugt – aber sie hätten in ihren Herzen Furcht empfunden und keine Liebe. Denn die Macht kann man eigentlich nicht lieben. Macht kann man verehren; man kann sie fürchten oder mindestens respektieren; aber lieben kann man sie nicht. Gott jedoch möchte von den Menschen geliebt werden und nicht gefürchtet. Und darum manifestiert er sich als Kind, als Säugling. Niemand empfindet Angst vor einem Säugling. Ein Kind haben alle Menschen gerne. Genau das aber ist es, was Gott will: geliebt werden von den Menschen. In der Art und Weise seiner Menschwerdung überwindet er alle angsteinflössenden, archaischen Gottesbilder der Vergangenheit. Er erweist sich als das, was er in seinem innersten Wesen ist: Ein Gott, der um unsere Liebe wirbt; ein Gott, vor dem man keine Angst zu haben braucht.2 Von diesem Jesus, sagt der Autor des biblischen Hebräerbriefes: «In ihm hat Gott sein innerstes Wesen sichtbar gemacht» (Hebr 1,3). Wenn dies aber wahr ist, und ich denke, dass es wahr ist, dann ist wirklich auch wahr, was der oben zitierte Eugen Biser formulierte. Wenn das innerste Wesen Gottes so ist, wie es schon bei seiner Geburt in Jesus erscheint, dann braucht wirklich niemand jemals Angst vor ihm zu haben. Jesus hat uns vom ersten Moment seines Erscheinens als Mensch erlöst von der Angst vor Gott. Dies gilt für alle ohne jede Ausnahme und «keineswegs nur für jene, die sich Verdienste darum erworben haben».3 (vgl. 1 Joh 2,1-2) Damit dies endlich jedem Menschen klar werde, wurde er Mensch nicht als Herrscher, sondern als hilfloses und unserer Hilfe bedürftiges Kind. Wenn ich mit meinem Denken soweit gekommen bin, dann schlägt dieses Denken beinahe zwangsläufig um in ein Danken. In ein von Herzen kommendes Danken dafür, dass Gott vom Augenblick seiner Menschwerdung an alle Angst einflössenden Gottesbilder der Vergangenheit überwunden hat. Dies aber heisst, dass der Mensch auch am Ende seines Lebens, beim Tod, nicht die geringste Angst zu haben braucht. Er wird einem Gott mit menschlichem Antlitz begegnen, und dieser Gott wird ihm nicht als verurteilende Instanz gegenübertreten, sondern als ein Gott, der alles daransetzt, um vom Menschen wiedergeliebt zu werden. Das hat er seit seiner Geburt als Mensch durch die Art seiner Menschwerdung betont. «Sie enthält nicht die Drohung mit ewiger Verdammnis, sondern eröffnet den Menschen auf der Ebene verzeihender Liebe einen neuen Weg selbst dann, wenn ein Mensch sich als widerspenstig erweist.»4 (vgl. Joh 12,47) Dafür können wir ihm nur immer wieder von Herzen danken. 1Erwin Möde (Hrsg.), Leben zwischen Angst und Hoffnung, Regensburg, 2000, S. 179. 2Renold Blank, Befreiende Lebensperspektiven, Zürich 2017, S. 67. 3Renold Blank, Zehn brennende Fragen zu Leben und Tod, Zürich 2020, S. 108. 4Ibid. S. 106.

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