9 Schwestern fern der Heimat Sr. Beatrice Kohler im Gespräch mit Helene Arnet, Buchautorin MIT GOTTVERTRAUEN IM GEPÄCK. Die Baldegger Schwester Gaudentia in Papua Neuguinea. So lautet der Titel Ihres Buches. (vgl. auch Seite 18). Mir erscheint dieses Buch wie ein Dank für das lange Wirken von Sr. Gaudentia und ihren Mitschwestern in Papua Neuguinea. Was war denn Ihre Motivation für das Buch? Ich habe von meiner Schwägerin immer wieder vom Wirken der Schwestern in PNG gehört. Sr. Gaudentia ist ihre Tante. Mich faszinierten zwei Aspekte: Das Leben von Schwestern als Möglichkeit für Frauen emanzipiert zu leben. Für Sr. Gaudentia war es eine Möglichkeit aus einem relativ engen Umfeld auszubrechen. Abenteuerlust war nicht vorgesehen für eine Frau der damaligen Zeit. Der zweite war: Das Wort Mission war für mich vorbelastet. Es stimmte nicht überein mit dem, was ich vom Wirken von Sr. Gaudentia hörte. Als Journalistin sind Sie «gwundrig». Was konnten Sie aus dieser Arbeit lernen? Ich habe ganz stark gelernt, dass Mission auf Augenhöhe möglich ist und nachhaltig wirkt. Es geht den Schwestern nicht darum, die Leute zu Christen zu bekehren. Sie wollen ihnen Alternativen zu einem Verhalten anbieten, das ihnen Probleme macht, in PNG sind es vor allem die Stammeskämpfe. Es geht nicht darum, ihnen die Tradition zu nehmen, sondern etwas zu bringen, das ihnen ihr Leben erleichtert. Sr. Gaudentia ging in PNG unvoreingenommen auf die Menschen und ihre Situation zu. Das scheint mir eine ihrer grossen Stärken zu sein und sollte vielleicht auch eine Grundhaltung eines gläubigen Menschen sein. Welche Gefühle bleiben bei Ihnen zurück? Es beeindruckt mich sehr, weil ich selber nicht den Mut hätte, soviel Unsicherheit auf mich zu nehmen. Fremder kann es fast nicht sein, als es dort war. Was die Schwestern auf die Beine gestellt haben, im Gesundheitswesen und in den Schulen, ist grossartig. Es tönt pathetisch, aber es ist so: Für mich sind sie Heldinnen. Sie haben das Leben vieler Menschen erleichtert und sogar gerettet. Was mich auch beeindruckt: Sr. Gaudentia hat nicht irgendwelche fernen Ziele verfolgt, sondern immer auf das konkrete Dasein reagiert. Zum Beispiel beim Thema Aids. Sie hat von ihren Mitschwestern erfahren, was in Afrika geschieht und es sofort in die Welt von PNG übertragen. Genauso funktioniert sie: Sie beobachtet, denkt nach und dann handelt sie. Ganz pragmatisch und undogmatisch. Sr. Gaudentia ist aus gesundheitlichen Gründen zurück in der Heimat. Warum fiel ihr der Abschied schwer? Ihr Lebenswerk ist klar in PNG. Hier ist es ihr wahrscheinlich ein bisschen zu bequem. Damit will ich aber das Ordensleben ohne Missionsarbeit nicht geringschätzen. In einen Orden einzutreten, ist ein radikaler Akt. Heute wahrscheinlich noch mehr als früher. Verbindlichkeit ist heute ein unüblicher Weg. Diese Schwestern haben sich alles zugemutet. Darum gefällt mir auch der Titel des Buches. Gottvertrauen hört sich zuerst fast etwas naiv an. Dabei braucht das viel Mut, weil man auf etwas vertraut, das gar nicht so genau fassbar ist. Was ist aus dem Wirken in PNG nachhaltig und wirkt weiter? Sicher das Gesundheitswesen, das die Schwestern im südlichen Hochland aufgebaut haben. Dazu kommt, dass sie einheimische Frauen ausgebildet und gestärkt haben. In der Entwicklungshilfe auf Frauen zu setzen, scheint mir ein nachhaltiger Weg, da sie – oft mehr als Männer – das Wohl der ganzen Familie vor Augen haben. Es zeigt sich aber leider: Rache- und Vergeltungsdenken sind in PNG noch nicht überwunden. Aber das braucht auch Zeit. Viel Zeit. Und – eben – Gottvertrauen.
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