baldeggerjournal

Glauben & Beten 17 Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Das war 1973. In der Seminarzeit und durch zwei Tanten im Kloster lernte ich die Lebensweise und Ideale der Baldegger Schwestern kennen. Nach und nach erwachte in mir der Wunsch, in dieser Lebensform für Gott im Dienst der Menschen zu leben. Wo bist du daheim? Wenn ich am Abend zur Arbeit auf die Pflegeabteilung gehe, ist es für mich wie ein Heimkommen. Hier ist für mich heiliger Boden, Ort der Gegenwart Gottes. Ich liebe meine Schwestern und sorge mit Freude für sie. Dabei werde ich selber reich beschenkt. Ich empfinde das Pflegeheim als das Herz des Klosters, wo ich die schönste Aufgabe erfüllen darf. Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte? Meine jüngere Schwester ist behindert. Sie benötigte seit der Geburt besondere Zuwendung und Hilfe. Unsere Eltern lehrten uns schon früh, Rücksicht zu nehmen, mit Liebe und Geduld für unsere Schwester zu sorgen – und sie lebten es uns vor. Nicht Leistung zählte. Andere Werte waren wichtig: etwas zuliebe tun, Freude bereiten, Bescheidenheit, Dankbarkeit. Wer ist dir Vorbild? Viele Schwestern sind mir Vorbild, die in Einfachheit und Treue ihren Weg gehen, die mit Rat und Tat den Menschen zur Seite stehen. Ich bewundere auch Menschen, die trotz Schwerem, das sie durchmachen mussten, ihre Zuversicht und Lebensfreude nicht verloren haben und dabei andern Kraft und Halt geben. Wer lehrte dich glauben? Meine Eltern vermittelten mir einen Glauben an Gott, der uns liebt und für uns sorgt. Ihm dankten wir jeden Tag. Sie vermochten die Liebe zu Gott in mir zu wecken. Eine Tante im Kloster lehrte mich schon als Kind ein ganz einfaches Herzensgebet, das noch heute in mir klingt. Und sie lehrte mich, alles – Freude und Schmerz – vor Gott zu tragen Welche Farbe hat dein Glaube? Er hat die hellen Farben des Lichtes, die das Leben durchdringen. Was bedeutet dir glauben? Glauben heisst für mich sehen und erkennen mit dem Herzen. Die Bibelstelle: «Brannte uns nicht das Herz …?» Lk 24,32 bedeutet mir viel. Das ist mein Glaubensweg: Gehen an der Seite von Jesus nach Emmaus. Wer ist Gott für dich? «Ist er nicht dein Vater, dein Schöpfer? Hat er dich nicht geformt und hingestellt?» Dtn 32,6. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes? Ich erkenne in meinem Leben mit allen Ereignissen eine klare Führung, in vielem erst im «Nachhinein». Und ich erfahre sie täglich in kleinen Zeichen. Alles, was geschieht, jede Begegnung, hat für mich eine Bedeutung. Gibt es auch Zweifel? Ja. Trotzdem habe ich den Glauben nie verloren. Wie betest du? Beten ist für mich am Herzen des Vaters ruhen und ihm alle und alles ans Herz legen. Es ist mehr eine Haltung, das Empfinden seiner Gegenwart, ob ich wache oder schlafe, ob ich Psalmen singe, musiziere, an der Arbeit bin, bei allem, was ich tue und erlebe. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Von Franziskus lerne ich mein Leben lang, Gott in allem zu erkennen und zu lieben. Ihn führte alles zu Gott. Seine Liebe zum Schöpfer und zu den Geschöpfen, seine Ehrfurcht und Freude an den Werken des Herrn, seine radikale Nachfolge Jesu beeindrucken mich. Welches Wort aus der Bibel begleitet dich durch das Leben? Das Gebet, das dem hl. Franziskus zugeschrieben wird: «Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens …» Seit dem Noviziat bete ich es jeden Tag. Es beinhaltet für mich ein ganzes Lebensprogramm. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest? Das Gramm Gold, das in jedem Menschen, in jedem Tag ist, sehen und dafür dankbar sein. Das Herz muss Hände haben, die Hände ein Herz. Sr. Silja Richle, 1952, aufgewachsen mit vier Geschwistern in Nussbaumen AG. Nach der Ausbildung zur Primarlehrerin und Musiklehrerin unterrichtete sie an der Schule Baldegg bis 2005. Anschliessend an ihre Amtszeit als Generalvikarin wechselte sie in den Dienst an den kranken und betagten Mitschwestern in unserem Pflegeheim in Baldegg. In den letzten Jahren ist sie im Einsatz als Nachtwache.

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