11 Es braucht nicht immer grosse Worte. Manchmal genügt eine Geste, um zu erkennen. Eine priesterlicher Freund, der mich gut kannte, der stets ahnte, nein, der stets wusste, wie es in mir aussah, wann die innere Sonne schien und wann es zappenduster war, drückte mir eines Tages – viele Jahre ist es her – unversehens ein kleines Büchlein in die Hand, sagte nur: «lies», lächelte, drückte mir die Hand und ging. Es war ein Buch von Dietrich Bonhoeffer, ich weiss nicht mehr genau welches, vermutlich «Widerstand und Ergebung». Etwas konfus ging ich nach Hause, las, nein: verschlang das Buch, war berührt, war geschockt, war oft den Tränen nahe, war Rebell – und war eben um dieses Quäntchen Wissen reicher, das es braucht, um seinen Weg als Weg zum Mitmenschen, zum Du, zum Ich auch zu verstehen – und damit letztlich zu Gott. «Dankbarkeit macht das Leben erst reich», schreibt Bonhoeffer. Ich bin dankbar. Für diesen Wink. Auf meinem Glaubensweg. (TW) Schon als Kind habe ich mich gerne zurückgezogen, so verspielt und kommunikativ ich auch war. Meine eigenen vier Wände als Rückzugsort liebte ich: mein Zimmer im Estrich des Elternhauses, die Wohnung im alten Bauernhaus nach der Ausbildung, die Mönchszelle im Kloster. Heute weiss ich, dass es die Stille ist, die ich immer schon dort fand. Eine Stille, die mich einlädt, das Schweigen zu üben. Eine Stille, die mir hilft, mich aushalten zu lernen und loszulassen. Eine Stille, die mich lehrt, mit dem Herzen zu hören. Sie wird für mich zum heiligen Boden, zum Ackerboden, der meine Sehnsucht nach dem Mehr wachsen lässt und mir Kraft gibt, hinauszugehen zu den Anvertrauten und Aufgaben, die mich aber immer wieder auch heimkehren lässt und mich liebevoll aufnimmt, um sein zu dürfen, bei mir, mit Gott, für die Menschen. (TA) Pardonner - mais ne pas oublier … Im Leben erleiden wir Verletzungen. Wem ergeht das nicht so? Manchmal kann ich eine kränkende Bemerkung oder ein Handeln, das sich (vermeintlich) gegen mich richtet, mit einem Schulterzucken abtun, manchmal aber auch nicht. Selbst Verletzungen, die von einem Dritten her gesehen «nichts» sind oder sicher nicht so gemeint sind, wie ich es aufgefasst habe, können sehr tief gehen und mich jahrelang verfolgen. Aus der christlichen Perspektive sagt meine innere Stimme: «Vergib endlich, vergiss es einfach und Schwamm drüber.» «Halt die andere Wange auch noch hin.» «Ist das wirklicher (Heils-)Weg?» Möglichst schnell vergessen, mich nicht erinnern? Nein! Denn so lasse ich mich immer tiefer hinunterziehen. Vielmehr ist es wichtig, meine Verletzung, die tiefe Kränkung, zu identifizieren. Es hat mir geholfen, mich einer neutralen Begleitung anzuvertrauen. Darüber zu weinen. Auch meinen Zorn und meinen Ärger darüber zu bekennen. Mir selbst zu vergeben, dass ich mich verletzen liess. Mir auch klar zu werden über die Situation der anderen Partei. Das waren wichtige Schritte. Und schliesslich: Alles vors Kreuz zu legen. Alles unter die vergebende Barmherzigkeit Gottes zu stellen. Ihn um seine Hilfe bitten, mir und der anderen Person verzeihen zu können. Wenn ich mich heute an das verletzende Ereignis erinnere, habe ich den bitteren Beigeschmack vergessen … (A.Y.M.) rückblickend betrachtet war mein Leben allen Irrungen und Wirrungen allem Suchen und Zweifeln aller Sehnsucht und Desillusionierung zum Trotz Ort der Begegnung mit Menschen mit Gott mit mir selbst dies alles zusammen und ist darin Heilsgeschichte (IS) Während meiner Gymizeit gab es in meinem Umfeld eine Selbsttötung eines Jugendlichen. Dieses Erlebnis erschütterte mein noch junges Glaubensleben. Nächtelang lag ich wach im Bett, habe geweint, geklagt und Gedanken gewälzt. «Warum Gott?» und «Was ist der Sinn in diesem auf so tragische Weise beendeten Leben?» Mich selber befragte ich: «Was ist der Sinn meines Lebens?» Rückblickend ist diese Lebenszeit Heilsweg geworden. Ich weigerte mich, Gott und mich selbst aufzugeben. Ich weigerte mich zu glauben, dass Gott abwesend ist und dass es in einem weggeworfenen Leben keinen Sinn geben kann. Nur weil ich Gott nicht spürte, hiess das nicht, dass er nicht da war. Das Wort von Gott zu den Menschen «Fürchte dich nicht!» hat sich mir in dieser Situation eröffnet und tief in meinen Glaubensweg eingebrannt. In Krisen heute erinnere ich mich gerne an diesen Moment zurück. Ich vergewissere mich: Gott ist da, auch in dunklen Stunden. Er sagt mir: «Fürchte dich nicht!» (JE) Gerade jetzt beschäftigen wir uns im Studium mit den Confessiones des Augustinus. Seine ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst im Gespräch mit Gott erinnert mich stark an mich selbst und meinen eigenen Glaubensweg. Ich bin ein sehr ehrgeiziger und meist auch zielstrebiger Mensch und das, was ich will, gelingt mir oft auf Anhieb. Diese Erfahrungen machen es leicht: Wenn ich nur genug will, mich genügend anstrenge, kann ich alles erreichen. Gott in eine Wohlfühlschublade stecken, meine Beziehung zu ihm auf ein Minimum reduzieren – denn, es klappt ja auch alles ohne ihn. Als ich am eignen Leib erfahren habe, was es bedeutet, in Versagen und Unfreiheit gefangen zu sein, und meine eigenen Kräfte nicht mehr ausgereicht haben, durfte ich Gott als meinen persönlichen Befreier, Kettensprenger und Erlöser kennen und annehmen lernen. Erst als ich in den Abgrund geblickt habe und nicht mehr alleine weiterwusste, weil ich immer wieder an dieselben Grenzen stiess, konnte ich Gottes Gnade, seine Barmherzigkeit und seine heilende Kraft annehmen. Durch das Vorbild und Zeugnis meiner Freunde aus der Jugendgruppe Adoray machte ich mich auf einen Glaubensweg voller Abenteuer. Ich lerne, was es heisst, jeden Tag neu in der Nachfolge Jesu zu leben. Ich erkenne wie die Kraft Gottes in meinem Alltag konkret Gestalt annehmen und alles verändern kann. (MS)
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