10 Als Geistliche Begleiterin begegnete ich in jenen Wochen in Gesprächen häufig Angst, Wut, Neid, Eifersucht, oft tief in der Erinnerung gespeichert. Ich spürte jeweils, dass darunter eine Kraft schlummert, die ins Leben drängt. Mit Fragen und Impulsen bot ich «Wegweiser» an, die ein Heilsgeschehen ermöglichen und der Hoffnung Raum schaffen können. Jemand an der Seite zu haben hilft in gesunden und kranken Tagen. In der Begleitung können darum persönliche Erinnerungen des Heiles wieder bewusstwerden. Gerade in dunklen und belastenden Zeiten der Unsicherheit, des Loslassens und Abschiednehmens, auch in Entscheidungssituationen tut es gut, sich dabei auch an die biblischen Heilsgeschichten zu erinnern. Das Erste Testament ist voll von solchen Geschichten. Gott erschafft aus dem Chaos die Weltschöpfung. Abraham muss seinen Sohn nicht opfern. Das Volk Israel wird aus der Versklavung in Ägypten befreit. Mose muss in der Fremde arbeiten und erfährt die Gegenwart Gottes im Dornbusch. Das Unglück Josefs wird zur Erfolgsgeschichte für seine Sippe. Unser christlicher Glaube schaut über den Rand des Vorläufigen und Momentanen hinaus. Christliches Leben deutet Erfahrungen und Geschehnisse auf dem Hintergrund der Auferstehung Jesu. Die Evangelien berichten wie Jesus sich erniedrigt, sich hingibt, nackt und wehrlos. So berührt er Kranke, wäscht Füsse, richtet auf und befreit so zum Leben. Er bückt sich, um unsere Auferstehung zu ermöglichen. Das «Reich Gottes» so zeigt er, bekommt durch die erlittene Hingabe einen konkreten Ort. Es lässt sich anfassen. Die Frauen und Männer, denen ich Wegbegleiterin bin, stehen als gläubige, zweifelnde und suchende Menschen im Leben. Viele von ihnen bereiten sich auf einen kirchlichen Beruf vor. Es ist ihnen wichtig, ihre Glaubenserfahrungen und ihre gelebte religiöse Praxis zu reflektieren und zu vertiefen. Im Erinnern entdecken sie: mein Glaubensweg ist ein Heilsgeschehen. Ihre Erfahrungen beeindrucken: Glaubensweg und Heilsgeschichte, das passt für mich zusammen. Wenn ich glaube, dann vertrau ich und kann abgeben. Dies bedeutet für mich eine grosse Erleichterung. Ich muss nicht alleine tragen, ich bin getragen und fühle mich bewahrt von Grösserem und verbunden mit anderen. So hilft Glauben zur Heilung mit. (JG) Sr. Beatrice Kohler, Hertenstein Heilsgeschichten Noch sitzt uns der Lockdown im Nacken. Die Sehnsucht nach Heil und Heilung ist auf der ganzen Weltkugel präsent. Ob wir das Leben jetzt neu buchstabieren lernen?
RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=