baldeggerjournal

4 Frauen bewegen Frauen KOVOSS, VONOS, VOS, VOKOS, AGSI. Lauter Fremdwörter? Nein. Es sind Abkürzungen. Aber ich verstehe, wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich diese Frage stellen. Vor über 60 Jahren haben sich die Frauenorden der Schweiz zu einer Vereinigung zusammengeschlossen. Sie setzten sich damals Ziele, die auch noch heute aktuell sind: – Frauen geben Frauen Ideen. – Die VONOS ist ein Ort der Begegnung, des Austausches, des Teilens. – Die Vereinigung ist ein Beispiel fraulicher Organisationsstruktur: einfach, unkompliziert, dialogisch, pragmatisch, effizient. Schon lange bevor in der Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt wurde, haben sich also die Ordensfrauen zusammengetan, um die Zeichen der Zeit zu sehen, sie zu deuten und so den Nöten der Menschen zu begegnen. Umbrüche in Gesellschaft und Kirche zeichneten sich damals deutlich ab. Die Ordensfrauen spürten, dass das Sich-gemeinsam-Einsetzen alle stärker macht. Sie stellten sich den Umbrüchen auf Frauenart: unkompliziert und einfach, zupackend und im Dialog. Gewisse Fragestellungen von damals bringen uns heute vielleicht zum Schmunzeln, sie zeigen aber auch die Dynamik der damaligen Zeit auf. So diskutierten die Ordensfrauen in der VONOS auch über Fragen wie: – Soll man dem «Modernen entgegeneilen» oder soll man sich aufs Alte versteifen? – Wie sollen wir es halten mit dem Gebrauch aller neuzeitlichen technischen Apparate? Heute bleibt die Frage: Was haben die Ordensfrauen in all den Jahren bewegt? Bewegen Sie heute noch? Wenn Menschen an Ordensfrauen denken, so verbinden sie dies meistens mit Gebet, mit Stille. Das ist gewiss ein wichtiger Dienst, den alle Ordensfrauen auch heute tun. Ich bin sicher, dass das Gebet etwas bewegt, auch wenn wir oft keine äusseren Erfolge sehen. Albert Schweitzer hat es so formuliert: «Gebete verändern die Welt nicht. Gebete verändern die Menschen, und die Menschen verändern die Welt». Verändert hat sich auch der Einsatz der Ordensfrauen. Schulen und Spitäler, Behindertenheime und Pflegeheime und viele andere soziale Einrichtungen werden heute als staatliche Aufgabe wahrgenommen. Doch wie zur Zeit der Gründung der Frauenorden gibt es auch heute unzählige Kinder, Frauen und Männer, die auf irgendeine Art am Rande stehen. Ihnen versuchen Ordensfrauen zu helfen und für sie ein offenes Ohr zu haben. Auch unsere Mutter Erde wollen wir dabei nicht vergessen. Papst Franziskus hat gesagt: «Sie ist die Ärmste aller Armen». All das fordert neue Ideen, um den Auftrag unserer Gründerinnen und Gründer den heutigen Gegebenheiten anzupassen. Bewegung ist gefordert, Bewegung muss sein, obwohl alle Frauenorden um das Abnehmen ihrer Kräfte und um ihr Kleiner-werden wissen. Es ist schön zu erfahren, wie viele Menschen gerne ihre Kräfte für eine bessere Welt einsetzen, zusammen mit uns Ordensfrauen. Da bewegt sich etwas. Da gehen Ordensfrauen neue Wege, zusammen mit Menschen, die sie dabei unterstützen. Das weckt Hoffnung. Sr. Zita Estermann, Baldegg Alle Frauen- und Männerorden der Schweiz sind zusammengeschlossen in einer Dachorganisation, der KOVOSS, die 1992 gegründet wurde. Dazu gehören die Vereinigung der Männerorden (VOS), die Vereinigung der Frauenorden (VONOS), die Vereinigung der kontemplativen Frauenorden (VOKOS), und die Arbeitsgemeinschaft der Säkularinstitute (AGSI). Auch die französisch- und italienischsprechenden Vereinigungen gehören dazu. Der grösste Anteil der KOVOSS bilden die Frauenorden. Trotz der Vielfältigkeit ist diese Vereinigung nur ein kleines Abbild der weltweit verbreiteten Frauen- und Männerorden.

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