5 Regula Kamber, erinnern Sie sich an den Projektstart in Baldegg? Die ersten Sitzungen vor gut drei Jahren sind mir noch sehr gut in Erinnerung. Ich spürte allein durch meine Anwesenheit Erleichterung bei den Schwestern, gleichzeitig auch grosse Erwartungen an mich. Alle wussten, dass sich etwas verändern musste, aber niemand wusste, bei welchen Schwerpunkten begonnen werden sollte. Einerseits ging es darum, die klösterlichen Rahmenbedingungen beizubehalten, andererseits sich den zukunftsgerichteten Veränderungen zu stellen. Wenn man etwas so macht, wie man es seit 10 Jahren gemacht hat, ist die Chance gross, dass man es falsch macht. So ungefähr habe ich auf Ihrer Homepage www.creare.gmbh gelesen. Warum? Eine Organisation und die darin arbeitenden Menschen ändern sich laufend. Es ist wichtig, dass insbesondere die Führungspersonen sich immer wieder mit den Neuerungen auseinandersetzen, auch sich selber reflektieren und neu ausrichten, um den Herausforderungen gerecht zu werden. Es heisst nicht, dass alles was gewesen ist, nicht gut war. Was machen wir nun richtiger? Ich kann sagen, dass im Verlauf meines Beratungsmandates in verschiedener Hinsicht ein zukunftsgerichtetes Umdenken stattgefunden hat, welches viele betroffene Ordensschwestern und Verantwortliche in eine positive und motivierte Bewegung steuerte. Aufgrund der unterschiedlichen Aufträge, die ich während dieser Zeit von der Ordensleitung erhalten habe, gelang es mir – zusammen mit verschiedenen Projektgruppen – eine adäquate Struktur im Bereich Pflege und Betreuung aufzubauen. Zudem konnte ich verschiedene Führungsinstrumente implementieren, die über den Bereich Pflege und Betreuung hinausgingen. Wo fühlten Sie sich besonders gefordert? Ich kam mir manchmal vor wie eine Kutschenführerin, die zuerst das «Pferdegespann» in Bewegung bringen musste, jedoch immer darauf achten musste, dass sie nicht in vollem Galopp davonrannten. Diese Gratwanderung zwischen Vorwärtskommen und trotzdem den Weg optimal vorzubereiten In eine gute Richtung bewegen Fast drei Jahre lang unterstützte Regula Kamber, cReaRe GmbH, als Projektleiterin die Veränderungsprozesse im klösterlichen Pflegeheim Sonnhalde in Baldegg. Alle mussten sich irgendwie oder irgendwo bewegen, Gesunde und Kranke, Schwestern und Mitarbeitende. war eine Herausforderung, insbesondere weil ich dabei die Energie und die Motivation der Ordensschwestern nicht bremsen, sondern dosiert einsetzen wollte. Ihr Firmenlogo mit den zwei Vögeln verrät auch Ihrerseits viel Energie! Ja, die beiden Adler sind eine Metapher für meinen Beratungsansatz. Adler bewahren den Überblick mit Weitsicht, sie kreisen in grosser Höhe mit scharfem Blick und immer wieder veränderter Perspektive. So verschaffe ich mir den Themenüberblick, kläre die Situation und den Handlungsbedarf mit den Beteiligten. Adler sind für mich so ein Symbol für die Begleitung, Führung und Unterstützung und die entstehende Dynamik in einem Prozess. Aber auch gelassene Weitsicht versinnbildet das Logo: Wenn Ziele erreicht sind, fühlt man sich wie auf Wolken schwebend. Geht es Ihnen jetzt nach Abschluss der Projektarbeit auch so? Die Rückmeldungen, die ich von verschiedenen Seiten erhalten habe, freuten mich sehr. Sie bestärken mich im Wissen, etwas in eine gute Richtung bewegt und begleitet zu haben. Das schenkt Freude und Genugtuung über die Veränderungsprozesse, durch die wir gemeinsam gegangen sind und gemeistert haben. Zudem war es für mich eine wunderbare Erfahrung, eine Gemeinschaft zu erleben, in welcher gelebt, gebetet und gearbeitet wird, und ich dabei wirkungsvolle Spuren hinterlassen durfte. Somit ist es für mich nur ein «Teil-Loslassen». Ein Sprichwort sagt ja, dass Loslassen und nicht das Festhalten eine Stärke ist. Ich bin überzeugt, dass alle Beteiligten durch das sorgsame Loslassen von langjährigen Gewohnheiten und Abläufen Wege geöffnet haben, um Neues zu kreieren. Der Abschied fiel mir wirklich schwer, deshalb sagte ich nicht «Adieu», sondern «Auf Wiedersehen!». mrz
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