6 Bewegen schlimme geschichtliche Ereignisse die Menschen zum Umdenken? Oder anders gefragt: Was lernt der Mensch aus der Geschichte? Nichts, wenn man an Menschenrechtsverletzungen wie die Hexenverfolgung denkt. Ein Thema, dessen dramatische Ausweitung kaum bekannt ist. Experten berichten über eine historisch neue Welle der Hexenverfolgung weltweit. Die Vereinten Nationen wissen aus ihren aktuellen Studien, dass dieses Phänomen in insgesamt 29 Ländern bekannt ist und in christlich, muslimisch, buddhistisch und hinduistisch geprägten Regionen auftritt. Die Motive und Gewaltexzesse heutiger Hexenverfolgung sind ähnlich jener Hexenprozesse vor 300 Jahren. Vorwiegend Frauen, aber auch Männer und Kinder werden als sogenannte Hexen stigmatisiert, verfolgt, gefoltert und getötet. Als Schwester Lorena vor 40 Jahren nach Papua Neuguinea reiste, hätte sie sich nicht vorstellen können, dass ein Hexenwahn mit diesen grausamen Auswirkungen, wie sie es heute erlebt, möglich wäre. Damals wollte sie etwas bewegen, den Menschen im Hochland von Papua Neuguinea ein besseres Leben ermöglichen, ihnen helfen, jeden Menschen in seiner Einmaligkeit und Eigenart, sowie jede Gruppierung, achten und respektieren. Dies tat sie mit vollem Einsatz. Doch als sie vor ca. drei Jahren auf Opfer von Hexenverfolgung stiess, setzte sie alles in Bewegung, um gegen dieses grausame Phänomen zu kämpfen. Vielfach riskiert sie bei ihren Hilfsaktionen ihr Leben. Sie befreit Menschen aus den Fängen der Folterer und scheut es nicht, mit den Peinigern zu sprechen. Polizei und Behörden unternehmen nichts. Weil Sr. Lorena das tatenlose Zusehen der Behörden und die Menschenrechtsverletzungen anprangert, wird sie inzwischen selbst von der Polizei bedroht. Die konkreten Erlebnisse ihres Einsatzes bewegen nicht nur, sie erschüttern das Herz, wenn Sr. Lorena beispielsweise von einer jungen Mutter spricht, welche die Folterungen und einen brennenden Scheiterhaufen wie durch ein Wunder überlebte und in Sicherheit Sr. Zita Estermann, Sr. Nadja Bühlmann, Baldegg Alles in Bewegung setzen gebracht werden konnte. Sr. Lorena hat ihr geholfen, das Trauma zu überwinden und ein neues Leben ohne Angst zu beginnen. Vieles ist in Bewegung geraten. In Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk «Missio» konnte Sr. Lorena in den letzten zwei Jahren einiges erreichen, durch Aufklärung, Bewusstseinsarbeit, Begleitung traumatisierter Menschen, Zuwendung und Beistand. Heute hat sie ein Team von 25 Frauen und Männern, die rund um die Uhr mitarbeiten. Bewegung ist auch in die Namensgebung gekommen: in den Dörfern, in denen Sr. Lorena wirkt, sind in den letzten Jahren mehrere Dutzend Neugeborene auf den Namen Lorena getauft worden. Ein bewegendes Zeichen! Doch, was bewegt die Verleihung dieses Menschenrechtspreises? Die Hoffnung, diese bislang kaum beachtete Menschenrechtsverletzung in den öffentlichen Fokus zu rücken, Sr. Lorena in ihrem Engagement zu stärken und zu unterstützen, sowie ihr Leben durch die internationale Aufmerksamkeit zu schützen. Am 10. Dezember 2018 hat die Stadt Weimar unserer Sr. Lorena Jenal für ihren selbstlosen Einsatz für mehr Menschlichkeit und Toleranz, für Gerechtigkeit und Frieden den Menschenrechtspreis 2018 verliehen.
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