Glauben & Beten 17 Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? An einem sonnigen Oktobertag 1966. Ich ‘musste’ diesen Schritt tun, um einem inneren Ruf zu folgen und Frieden zu finden. Wo bist du daheim? Dort, wo mir die Umgebung vertraut ist. Dort, wo man mir vertraut und ich andern vertrauen kann. Dort fühle ich mich wohl, zugehörig, angenommen – eben daheim. Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte? Beim Krippenspiel im Kindergarten fiel mir die Rolle der Maria zu. Warum gerade mir? Passte die Rolle eben zum braven, scheuen Mädchen? Meine Mutter lernte mit mir den Text und das Liedlein, das ich heute noch abrufen kann. ‘Maria’ und ‘Josef’ spielten ihre Rolle voller Einfühlung und Hingabe. Das Ereignis blieb für uns beide unvergesslich. Wer ist dir Vorbild? Vorbilder sind mir Mitschwestern, die ihre Berufung in grosser Treue leben, und bei denen man spürt, dass die Freude an Gott ihre Kraft ist. Wer lehrte dich glauben? Im Elternhaus sind wir Kinder auf selbstverständliche Art und Weise in den Glauben hineingewachsen. So waren mir Gebete, Rituale, der gemeinsame Kirchgang und das lebendige Kirchenjahr ein gutes Fundament. Welche Farbe hat dein Glaube? Spontan würde ich sagen «Azurblau» ! das leuchtende Himmelblau! Ist doch mein christlicher Glaube auf den ‘Himmel’ ausgerichtet. Was bedeutet glauben? In Gottes Gegenwart leben und mich diesem Gott anvertrauen, der sich mir schon immer zugewandt hat. Wer ist Gott für dich? Gott ist das grosse DU in meinem Leben. Ein Gebet faltet aus, was dieses DU für mich ist: «…du Stimme, die mich ruft; … du Vorsehung, die mich leitet; du Barmherzigkeit, die mir vergibt; du Liebe, die mich umfängt; du Geist, der mich belebt; …» Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes? Immer wenn ich für eine Begegnung oder eine Aufgabe zur richtigen Zeit am richtigen Ort war; oder wenn sich etwas scheinbar Unlösbares fügte, dann spürte ich ! vielleicht erst im Nachhinein ! die Vorsehung Gottes. Gibt es auch Zweifel? Ja, natürlich – Zweifel gehören zum Leben. Sie helfen klären und führen weiter. Wie betest du? Ich versuche zu Beginn des Betens mir in Erinnerung zu rufen, dass der liebende Gott jetzt und hier gegenwärtig ist. Gottes Gegenwart rettet mich aber nicht vor der Zerstreuung. Da ist es wunderbar, daran glauben zu dürfen, dass der Heilige Geist unserer Schwachheit im Gebet zu Hilfe kommt, wie Paulus schreibt (Röm 8.26). Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Zum Beispiel: In der Mässigung meiner Wünsche; in der Zufriedenheit und Dankbarkeit über das, was ich habe und bin; in der Freude am Einfachen, Echten und Schönen; im Staunen über das Wunder der Schöpfung und im Bemühen, diese Schöpfung zu bewahren. Welches Wort aus der Bibel begleitet dich durch das Leben? Eines meiner Lieblingsgebete ist der Psalm 139 oder einzelne Verse daraus: «Herr, du hast mich erforscht, und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weisst von mir. Du bist vertraut mit all meinen Wegen. Du umschliesst mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich …» Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest? «Ich bin es, die jedem Tag die Farbe gibt» ! ein Zitat, das bei mir oft für Aufhellung sorgt! Auch Saint-Exupéry’s Aussage «Man sieht nur mit dem Herzen gut» hilft tiefer schauen und verstehen. Sr. Kerstin Rast, 1944, aufgewachsen mit 4 Geschwistern in Hohenrain LU. 1966 Eintritt ins Kloster Baldegg. Sie unterrichtete 33 Jahre am Handarbeitslehrerinnenseminar Baldegg. Seit 2009 sind die Handwerkstätten der Klosterherberge und die Klosterschneiderei ihr vielgestaltiges Arbeitsfeld.
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