4 Kämpfen und träumen Manchmal wünschte ich mir, es erginge mir wie dem Hl. Josef: Schlafen gehen, träumen und wissen wie es weitergeht. Ich träume davon, dass auch mir Lösungen im Traum geschenkt werden, so wie Josef. Im entscheidenden Moment erschien dem Mann Marias nämlich ein Engel im Traum und zeigte ihm den nächsten Schritt. Josef hatte bekanntlich einiges zu verdauen, ein eigentlicher Kampf muss sich in seinem Innern abgespielt haben. Er hatte sich zu entscheiden. Ohne Entscheidung wäre die Spannung, das Hin- und Hergerissensein, auch für ihn unerträglich geworden. Josef kämpft Zuerst wollte Josef sich aus dem Staub machen, sich in aller Stille von Maria trennen, weil sie ein Kind erwartete. So sagt es Matthäus in seinem Evangelium. Warum tat er es nicht? Folgende Beifügung scheint mir dazu bedeutsam: Josef, «der gerecht war und sie nicht blossstellen wollte». Josef fällt seinen Entscheid in Rücksicht auf Maria und aus Liebe zu ihr. Er kämpft mit sich. Er wägt ab, was seine Schritte für Maria bedeuten würden und was für sie heilsam sein könnte. Diese Achtsamkeit öffnet dem Traumengel gleichsam die Tür. Er spricht zu Josef und macht ihm zuallererst seine Herkunft bewusst. Er ist ein Sohn Davids, aus dessen Geschlecht der Messias stammen soll, so heisst es in der Schrift. Dann will er ihn von Angst und Unsicherheit befreien. Diese hindern ihn, Maria zu sich zu nehmen. Der Engel enthüllt ihm, dass das erwartete Kind göttlicher Natur sei, vom Heiligen Geist, und dass sich so die Verheissungen der Väter erfüllen werden. Schliesslich gibt er Josef die Anweisung, wie er den Gottessohn nennen soll: Jesus. Josef erwacht, erkennt die grösseren Zusammenhänge, glaubt und handelt. Er folgt dem Weg, den der Engel ihm weist. Josef vertraut Auch die Sterndeuter verstehen sich auf die Sprache des Himmels. Ihnen weisen die Gestirne den Weg. Und wenn Gefahr droht, führt der Traum sie auf den sicheren Heimweg. Ebenso weist der Traum-Engel Josef zur Flucht. So wird der Gottessohn vor dem sich bedroht fühlenden und darum rachsüchtigen König in Sicherheit gebracht. Im Traum wird Josef gleichsam die Zukunft vorausgesagt. Er versteht und gehorcht. Er hat gelernt, dem Engel zu vertrauen. Sein Vertrauen geht so weit, dass er im Exil – mindestens in meinen Vorstellungen – ruhig auf die Aufforderung zur angesagten Rückkehr wartet. Das Anklopfen Gottes hören Der erste Gnadenmoment in der Entscheidung Josefs war der Engel, der ihm das Geheimnis des zu erwartenden Kindes anvertraute: Dieses Kind ist Gottes Sohn. Dieser Gnade hatte er sich geöffnet. Sie gab ihm den Mut, dass er im Heilsplan Gottes mitwirkte, und es zeigte sich: Gnade und Zuwendung Gottes nehmen zu. Gott gibt dem Menschen, was er braucht. Er führt ihn in seinen innern Kämpfen von Entscheidung zu Entscheidung. Aus Liebe. Er nimmt ihm die persönliche Entscheidung nicht ab. Aber er begleitet ihn, schickt ihm einen Engel. Wir können ihn sehen, hören, wahrnehmen, wenn wir uns öffnen. Das heisst meist: Nicht gegen oder für etwas kämpfen. Es sind die leisen und stillen, oft unscheinbaren Zeichen und Stimmen, die uns Wegweiser werden, wenn wir ihnen vertrauen. Die Grundentscheidung, mitzuwirken aus Liebe und zum Wohl der Menschen lässt leichtfüssiger gehen. Sr. Beatrice Kohler, Hertenstein
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