5 Die 75-jährige Geschichte der Franciscan Sisters of Charity ist von vielen Arten des Kämpfens geprägt. Vor allem war und ist es ein Kampf gegen die materielle Armut. Auch die Baldegger Schwestern, die sie begleiteten und ausbildeten, waren arm und mussten mit den jungen Afrikanerinnen zusammen um die Grundbedürfnisse des Lebens kämpfen: Nahrung, Kleidung, Unterkunft und vor allem auch für die Ausbildung. Die Möglichkeiten dazu waren begrenzt. Doch der Wille, der Kirche und dem Land dienen zu können, schenkte Kraft für den Kampf um Studienplätze. Als bereits eine schöne Gruppe der Schwestern Lehrerinnen, Katechetinnen, Krankenschwestern und Fachkräfte in Administration, Haushalt, Garten und Landwirtschaft arbeiteten, begann der Kampf um die Besoldung. Das Land ist arm, die Kirche ist arm. Wie Löhne bezahlen? Und arbeiten die Schwestern nicht um Gottes Lohn? Gut ausgebildete Frauen sind in der männlich dominierten Gesellschaft Afrikas nicht immer gerne gesehen. Die Frauen sind ständig herausgefordert, auf verschiedenen Gebieten zu kämpfen, auch in der Kirche. Die Priester und Bischöfe müssen sich daran gewöhnen, dass die Schwestern sich selber regieren, dass die Leitung der Gemeinschaft bestimmt, wo die einzelnen Schwestern arbeiten, dass die Schwestern die finanzielle Unterstützung, besonders auch von ihren Gründerinnen in Baldegg, direkt bekommen und nicht via die Diözese. Für die Schwestern ist es schwierig, sich gegen das tiefsitzende Rollenbild zu wehren und sich im kirchlichen Bereich nicht vom Klerus dominieren zu lassen. Es ist auch schwierig und manchmal ein grosser Kampf, den Familien- und Sippenangehörigen das klösterliche Leben verständlich zu machen. Wer es zu etwas gebracht hat und wer genug zum Leben hat, der sollte es mit der Familie teilen. Die Schwestern Kämpfen und feiern Sr. M. Martine Rosenberg, Baldegg Die Franciscan Sisters of Charity in Mahenge, Tanzania, feiern 2019 das 75-Jahr-Jubiläum ihrer Gründung. Die Baldegger Schwestern, die in Tanzania als Missionarinnen wirkten, begleiteten die entstehende Ordensgemeinschaft seit ihren Anfängen. 1944 weihten die ersten fünf Schwestern ihr Leben. Seit 1971 ist die Gemeinschaft selbstständig. Heute zählt sie gut 300 Schwestern und ca. 70 Kandidatinnen, Postulantinnen und Novizinnen in Ausbildung. Sie führen verschiedene Aufgaben weiter, die die Baldegger Schwestern in Tanzania aufbauten. machen dank der Ausbildung, dank des gemeinsamen Lebens und dank des gemeinsamen Besitzes einen sozialen Aufstieg. Doch nichts gehört ihnen persönlich, und sie können mit den Gütern des Klosters nicht die Familie unterstützen. Sie müssen um Verständnis für ihre Lebensform kämpfen und diese glaubwürdig leben. Wir freuen uns, wie unsere Franciscan Sisters of Charity das Leben meistern, mit welcher Hingabe sie ihre verschiedenen Aufgaben erfüllen und wie dankbar sie für das grosse Zentrum ihrer Ordensgemeinschaft sind, das wir ihnen in Mbingu erbaut haben. Doch das Kämpfen in vielen Richtungen geht weiter. Es gibt nicht nur junge Schwestern mit ihren Problemen, und es gibt nicht nur Herausforderungen mit den vielen verschiedenen Aufgaben. Es gibt auch schon alte und kranke Schwestern, die betreut und gepflegt werden müssen, die medizinische Hilfe brauchen. Und es gibt die stets neue Suche nach einem guten Gleichgewicht von Gebet und Arbeit, von Innerlichkeit und Tätigkeit, von Kontemplation und Aktion. Dafür ist der Einsatz, ja sogar das Kämpfen, besonders wichtig. Nur so kann ein gottgeweihtes Leben im Dienst an den Mitmenschen zum glaubwürdigen Zeugnis werden.
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