baldeggerjournal

Glauben & Beten 17 Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Ich bin im Mai 1962 ins Kloster eingetreten. Mein Vater meinte: «Musst du unbedingt ins Kloster, kannst du nicht auch sonst heilig werden? Aber du darfst deinen Weg gehen.» Ich wollte meinem innern Drängen nachgehen und probieren, ob dies der richtige Weg für mich sei. Wo bist du daheim? Ich bin ein richtes Walliserbergkind. Doch darf ich sagen, dass jeder Ort, an den mich Gott führte, mir zur Heimat geworden ist, sogar die Stadt Zürich! Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Bis zu meinem 14. Lebensjahr war ich oft krank. Gott sei Dank konnte ich vom Elternhaus nur über die Strasse, um in die Schule zu gehen. Aber dennoch musste ich viel daheim bleiben. So lernte ich die Hausarbeiten kennen. Da meine Mutter im Stall und auch auf dem Feld arbeitete, war mir die Sorge für meine Geschwister anvertraut. So lernte ich früh daheim mitzuhelfen. Wer ist dir Vorbild? Meine Eltern waren mir stärkendes Vorbild. Von ihrer Zufriedenheit und Selbstlosigkeit lernte ich vieles für mein Leben. Wer lehrte dich glauben? Unsere Eltern haben ganz früh begonnen, mit uns Kindern zu beten. Sie haben uns vorbereitet auf die Sakramente und uns in die Kirche geschickt. Sie lehrten uns, dass wir Gottes Schutz und Segen brauchen. Welche Farbe hat dein Glaube? Das weiss ich nicht. Mein Glaube ist keine Farbe, sondern eine Beziehung. Was bedeutet dir glauben? Ich bin sehr dankbar für den Glauben und könnte mir mein Leben ohne Glauben nicht vorstellen. Er trägt mich und macht mich froh. Wer ist Gott für dich? Gott ist für mich ein barmherziger Vater, da er die Liebe ist. Zu ihm darf ich immer gehen, bei ihm bin ich geborgen. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Dass ich mit 14 Jahren von meiner Krankheit geheilt worden bin; das war für mich eine Erfahrung der Vorsehung. Gibt es auch Zweifel? Ja, Zweifel gab es auch. Aber im Vertrauen auf Gott und mit der Hilfe von Menschen, die mit mir unterwegs sind, konnte ich immer weitergehen. Wie betest du? Beim Beten geht mein innerer Blick gerne auf die Dreifaltigkeit. So bitte ich den Heiligen Geist, dass er in mir bete und mich zu Jesus und durch ihn zum Vater führe. Ich bete auch sehr gerne in der Natur. Da begegnet mir so viel Schönes, das mich danken lässt. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Wie Franziskus drängt es mich, in der Natur Gott zu danken und zu preisen für seine wunderbare Schöpfung. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Mein Jesus, ich vertraue auf dich, hoffe auf dich und möchte dich lieben. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest? Gebt den Glauben an die Liebe Gottes und an seine Barmherzigkeit nie auf. Schwester Marie-Alice Eyer, 1941, aufgewachsen mit vier Schwestern und drei Brüdern in Ried-Brig VS. 1962 Eintritt ins Kloster Baldegg. Seither ist sie im hauswirtschaftlichen Bereich tätig: 5 Jahre im Kinderheim Wesemlin in Luzern, 11 Jahre im Altersheim Notburga in Zürich und 34 Jahre im Kurhaus Bergruh in Amden. Nun lebt Sr. Marie-Alice wieder im Mutterhaus in Baldegg, wo sie im Hausdienst des Pflegeheims mithilft.

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