baldeggerjournal

2 Hertenstein Faulenzen will geübt sein Einige Gäste, die immer wieder nach Hertenstein kommen, teilen mit uns ihre Erfahrungen: «Ich komme immer wieder für das Angebot ‹Ein hörendes Herz› nach Hertenstein. Die Stille hier ist dicht und ein krasser Gegensatz zu meiner Geräuschkulisse der Strasse, an der ich wohne und arbeite. Diesen Frühling hörte ich besonders die unterschiedlichen Vogelstimmen. Die Laute des Kauzes erkannte ich selber nicht. Erstmals kam ich hieher für Exerzitientage, weil ich den Zeitpunkt selber festlegen konnte. Da habe ich ohne Leistungsanspruch den geistlichen Fortschritt erlebt. Ich habe faulenzen gelernt. Ich bekam in der Begleitung die Aufgabe, mich an den See zu setzen, zu schauen, zu lauschen und zu spüren. Was ich zuerst als faulenzen beurteilte, ist für mich seither zur Aufgabe geworden im Alltag: Mir immer wieder eine Zeit zu nehmen, um in die Ruhe des Seins zu finden. Gerne bin ich am und im See, auf den Pfaden im Wald und auf dem Rundweg der Halbinsel. In den äusseren Bewegungen kann ich die inneren wahrnehmen, mich selber spüren und über die Erfahrungen nachdenken. Das Meditieren und Beten gelingt dann wie von selber. Der Strom der Stille fliesst. Und der Alltag danach ist leicht.» HB «Der Duden versteht unter faulenzen ‹sich dem Nichtstun hingeben und dabei Dinge zu vernachlässigen, die man zu erledigen hätte›. In diesem Sinne faulenze ich in Hertenstein sicher nicht. Im Gegenteil! Hier widme ich mich essentiellen Dingen, die sonst im Alltag oft zu kurz kommen, allem voran der Kontemplation und der Auseinandersetzung mit mir selbst. Das wunderschöne Haus, die Herzlichkeit der Schwestern, die Impulse der Kursleiterin sowie die Ruhe, die traumhafte Natur, der See und die Sicht auf die Berge bilden dazu den optimalen Rahmen. An diesem magischen Ort kann ich auftanken und zu mir selbst kommen.» SM «Die Stella Matutina wirbt mit dem Versprechen, sie sei ein Ort, fern von Betriebsamkeit und Ablenkungen, ein Ort zum Faulenzen. Von diesem verheissungsvollen Lockruf angezogen, reise ich hierhin, ich, ein Mann, kurz vor seiner Pensionierung, in seinem Berufsleben verwöhnt mit anspruchsvollen Aufgaben, Status, Wertschätzung, Lebenssinn. Jetzt an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt verspüre ich eine starke Sehnsucht nach Ruhe, Stille, Kontemplation – nach Faulenzen eben ... Aber kaum an diesem wunderbaren Ort angekommen, spüre ich eine starke Ambivalenz: Darf ich diesem Begehren nach absichtslosem Sein, nach eigennütziger Musse, nach Fokussierung auf meine Bedürfnisse guten Gewissens nachleben, angesichts der unendlichen Zahl an unerledigten Aufgaben in unserer gebeutelten Welt? Wo und woher hole ich die Legitimation zum Faulenzen? Vielleicht im Zwiegespräch mit Franziskus, der Figur von August Blaesi im Kirchenraum der Stella Matutina zum Thema ‹Liebe deinen Nächsten wie dich selbst›.» EB «Bei jedem Ankommen in Hertenstein werde ich gefangengenommen von dieser speziellen Atmosphäre, und mein Herz geht auf in dieser wunderprächtigen Natur. Seit Jahren komme ich immer wieder gerne, um einen ‹Samstag der Stille› zu erleben. Diese Tage sind wie Oasen für mich in dieser hektischen Zeit heute. Zeit der Ruhe, der Kraft, der Besinnung und der Gegenwart. Balsam und Nahrung für Körper, Geist und Seele. Ich bin dankbar, diese Tankstelle gefunden zu haben. Mit einer Leichtigkeit und innerem Frieden kehre ich jeweils in den Alltag zurück.» DS

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