3 Bei der Anfrage von Sr. Beatrice, meiner ehemaligen Semikollegin, zum Thema Faulenzen zu schreiben, musste ich zuerst einmal lauthals lachen! Ich glaube nicht, dass ich den Namen «Faulenzer der Nation habe», denke ich jedenfalls. Aha, es ist schon zu ihr vorgedrungen, dass ich mich im Sommer pensionieren lassen will. Ich halte die Unterlagen des Kantons in den Händen, die mir mit «Vorzeitiger Pension» ein schlechtes Gewissen entlocken und mich wieder ans Faulenzen erinnern: Zeit vergeuden, trödeln, sich drücken, schwänzen, untätig sein … und in einem inneren Bild sehe ich die Schlaraffen, die sich dick und träge auf der grünen Wiese sonnen und sich dabei langweilen. Ich höre aus Kindstagen in Horw unsere Handarbeitslehrerin, Sr. Theresiana, mahnen: «Mach weidli …». Ihr Ansporn hat mich einen grossen Teil meines Lebens begleitet. Nach dem Seminar waren es zuerst wenige Jahre Unterricht, dann Heirat, Kinder eins und zwei, dann drei, vier, fünf. Als der Jüngste den Kindergarten besuchte, wieder Berufseinstieg, mit vierzig drei berufsbegleitende Jahre an der HfH in Zürich, unglaublich intensiv aber nachhaltig, und also jetzt noch bis zum Sommer meine Arbeit als Schulische Heilpädagogin, aufgehoben in unserem Dorfschulhaus, umgeben von sehr vielen netten und quicklebendigen Kindern und liebenswürdigen Kolleginnen. Ein ganz normales Leben, kein Glanz und Gloria, kein Glamour, aber es hat mich erfüllt. Nur etwas werde ich nie vermissen, nämlich die Pausenaufsicht an den meist kalten und regnerischen Montagen, ein trauriger Wochenanfang. In guter Erinnerung aber bleiben mir die beiden Faulenzerzeiten, nämlich zum 50. Geburtstag die drei Monate bei Sr. Etienne im Kinderheim in Dar es Salaam und später sechs Wochen in einer Sprachschule in Kapstadt. Vorstellungen, wie mein neues Leben im Sommer aussehen soll, habe ich schon: Da wird unser sechstes Enkelkind geboren, und ich möchte sie alle etwas mehr betreuen. Wöchentlich wird die alte Dampfmaschine rattern und Bastelarbeiten von Pinterest werden in Kürze ausgeführt. Daneben wird es von allem etwas mehr geben, was bisher zu kurz kam; lesen, wandern, Fahrradtouren, Zeit, um die Spanischaufgaben nicht mehr in der letzten Minute zu erledigen, Zeit für kulturelle Anlässe und regelmässigere Chorprobenbesuche und wahrscheinlich auch für einige Stellvertretungen. Es wird ein organisiertes Faulenzen werden. Auch anderes aus Baldegger Zeiten werde ich nicht ablegen können, «Morgenstund hat Gold im Mund». Manchmal aber kommt mir auch das Bilderbuch mit der «Die dumme Augustine» in den Sinn, die nachts in ihrem Zirkuswagen im Bett sitzt und mit offenen Augen von einem Job träumt, der nicht bloss Kinderhüten beinhaltet. Auch davon träume ich noch, von irgendeinem Projekt. Träumen ist ja nicht faulenzen, sondern Gedanken ordnen! Ehemalige Ursula Lötscher-Stöckli, Eschenbach In Zukunft immer faulenzen
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