Psychologische-theologische Impulse Christiane Blank, Dr. theol., lic. phil., Dipl. psych., lehrte 25 Jahre lang als Professorin der Päpstlichen Theologischen Fakultät von São Paulo. Sie beschäftigt sich mit der Erforschung neuer Kommunikationstechniken zur Konfliktbewältigung, um Strategien zur Überwindung psychosozialer Problemsituationen aufzuzeigen. Ich fühle mich immer wieder ausgeschlossen. Was kann ich tun? 1 Vgl: Deutschland-Barometer-Depresssion 2023, Internet:Forschung-und-lehre.de/zeitfragen 9 Ausgeschlossen zu werden, kann verschiedene Gründe haben, so etwa: – geringe Toleranz und Akzeptanzbereitschaft sei es von der Gruppe oder vom Ausgeschlossenen – wenig gegenseitige Flexibilität – starke Polarisierung > die Guten und die Schlechten – starke Betonung der eigenen Individualität und Freiheit. Vielleicht hilft es Ihnen weiter, wenn Sie sich ganz konkret fragen: – Sehe ich grundsätzlich alles viel zu schwarz? Fühle ich mich «nur» ausgeschlossen, oder werde ich ganz konkret ausgeschlossen? – Bei welchen Gelegenheiten geschieht dies? Sind es immer ähnliche Gruppierungen, ähnliche Bezugspersonen? – Herrscht eine grosse Unterschiedlichkeit zwischen meinen Werten, Zielen und Anschauungen und denen der Gruppe? – Versuche ich mich anzupassen? Wie weit kann ich authentisch bleiben, ohne mich zu verstellen? – Wie wichtig ist mir meine individuelle Freiheit, wie weit bin ich bereit auf andere zuzugehen, flexibel zu sein? – Warum will ich überhaupt zu diesen Gruppen dazugehören? Gibt es nicht andere, die besser zu mir passen? Jeder von uns macht die Erfahrungen, abgewiesen und ausgeschlossen zu werden. Und oft zeigt sich, dass man sich gerade dadurch auf seine eigenen Werte und Ziele besinnt. Modetrends vergehen, Unzufriedenheit und polarisierende Weltanschauungen sind nicht der Nährboden für ein konstruktives Miteinander und Füreinander. Gerade introvertierte Menschen verfügen oft über ein relativ kleines Netz von Beziehungen, die jedoch nicht selten ein Leben lang halten. Der Bücherwurm ist vielleicht ein Fremdkörper im Fanclub der grossen Idole, und der Fussballbegeisterte feuert oft lieber mit Inbrunst seine Mannschaft an als im Mottetenchor der Kirche mitzusingen.‒ Wichtig ist auch, dass man nicht zu schnell aufgibt. Tiefere Beziehungen und die Bereitschaft, den andern mit seinen Eigenarten und Fehlern zu akzeptieren, entwickeln sich erst in einem oft langwierigen Prozess. Geben Sie also nicht zu schnell auf, suchen Sie Anschluss bei Seelenverwandten und lassen Sie das beidseitige Vertrauen und Verständnis langsam wachsen. Viel Erfolg dabei! Es verunsichert und schmerzt, wenn man zurückgewiesen wird. Gerade in der Ungeborgenheit der heutigen Welt, suchen wir nach Gemeinschaft, nach Zugehörigkeit, Schutz und Halt, aber auch nach Anregung und bereichernden Beziehungen. Paradoxerweise aber fühlen sich heute immer mehr Menschen ausgeschlossen. Jeder vierte Erwachsene in Deutschland sagt von sich, er fühle sich sehr einsam.1 Oft sind es selbst jene, die sich mit dutzenden von «Followern» darüber hinwegzutäuschen versuchen, dass sie im Grunde zutiefst einsam sind und sich nicht zugehörig fühlen. Das bedeutet aber auch, dass es nicht allein an mir liegt, wenn ich mich ausgeschlossen fühle. Selbst das eifrige Bemühen im Mainstream mitzuschwimmen und sich den neuen Trends anzupassen, genügt anscheinend nicht, um tiefe Gemeinschaft entstehen zu lassen.
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