15 Glauben & Beten Welche Farbe hat dein Glaube? Blau, weiss, violett, gelb, grün. Es sind die liturgischen Farben des Kirchenjahres mit seinen Festen und besonderen Zeiten. Die Liturgie mit ihren Farben unterstützt meinen Glauben. Was bedeutet dir glauben? Der Glaube ist für mich ein grosses Geschenk, er fordert mich, gibt mir festen Halt, schenkt mir Freude und Dankbarkeit. Ich glaube an Gottes Gegenwart, an seine Menschwerdung, an seinen Tod und seine Auferstehung. Wer ist Gott für dich? Gott ist mir Vater, Mutter, Schwester und Bruder. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Ich durfte die Vorsehung Gottes schon in vielen, ganz verschiedenen Situationen erleben. Gibt es auch Zweifel? Ja, sicher kenne ich Zweifel. Aber mein Urvertrauen hat mich doch vor zu grossen Zweifeln bewahrt. Wie betest du? Das stille Beten vor dem Tabernakel gibt mir Kraft, Ruhe und Gelassenheit im Alltag. Das gemeinsam gesungene Stundengebet wird für mich immer mehr zum Inhalt und zur Freude meines Lebens. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Der Sonnengesang des Hl. Franziskus lässt mich über die wunderbare Schöpfung Gottes staunen. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Mein Gott, auf dich vertraue ich, du bist mir Schutz und Hilfe, denn ich weiss, von allen Seiten umgibst du mich. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest? Reif werden in der Liebe – das ist der Sinn des Lebens. Schwester Elinda Brändle, 1942, aufgewachsen mit zwei Schwestern und einem Bruder in Sirnach TG. 1961 Eintritt ins Kloster Baldegg. Seither ist sie im hauswirtschaftlichen Bereich tätig: 10 Jahre im Kurhaus Oberwaid, 17 Jahre im Pensionat Salve Regina in Bourguillon und 24 Jahre in der Bergruh in Amden. Seit zwei Jahren ist das Mutterhaus des Klosters ihr Daheim, hier sorgt sie im Speisesaal für die Schwestern. Glauben & Beten Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Mein Vater war Dachdecker. Diesen Beruf hätte ich gerne erlernt, aber zu jener Zeit hätte das zu grosses Aufsehen erregt. Ob ich etwa deshalb glaubte, zu «Höherem» berufen zu sein? Nein, meine liebe Mutter hat mir meine Berufung erbetet. Eigentlich bin ich von klein auf ganz klösterlich erzogen worden: im Kindergarten bei den Baldegger Schwestern, in der Sekundarschule bei den Dominikanerinnen St. Katharina in Wil, in der Haushaltungsschule Oberwaid und in der Handelsschule in Baldegg. Alles war eine gute Vorstufe für das Klosterleben, eben Vorsehung Gottes! Wo bist du daheim? Nebst dem elterlichen Daheim wurde das Kurhaus Oberwaid schon vor dem Klostereintritt zu meiner zweiten Heimat. Nach der Profess wurden immer diejenigen Orte zu meinem Daheim, wo ich für andere da sein durfte. Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Das waren die Rorate-Messen im Advent, früh am Morgen, an denen die ganze Familie teilnahm. Als Jüngste war ich stolz darauf, ja keine zu versäumen. Wenn ich meine Augen ganz auf die Strahlen der Kerzen richtete, meinte ich besonders andächtig gebetet zu haben. Das war echter Kinderglaube. Die Adventszeit bleibt mir stets in guter Erinnerung. Wer ist dir Vorbild? Spontan fällt mir Schwester Basilda ein. Sie hat mich aus meiner Schüchternheit herausgeholt, in dem sie mir immer wieder Verantwortung übertrug. Dies gab mir eine gewisse Reife fürs Leben. Sicher war auch meine liebevolle Mutter ein Vorbild. Ihre stille, gläubige und bescheidene Art, Hausmutter zu sein, prägte mich. Wer lehrte dich glauben? Meine Eltern haben mich im christlichen Glauben erzogen und mir vorgelebt, was Glaube, Hoffnung und Liebe bedeuten.
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