baldeggerjournal

2 Hertenstein Lob meiner vier Fenster Als ich in Hertenstein meine Stelle antrat, wurde mir das kleine Haus am See zugewiesen; ich bezog die Wohnung im ersten Stock mit ihren drei Räumen; es waren dies ein Arbeitsraum mit vier Fenstern und einem Vordach, ein enger Schlafraum mit schmalem Bett; dazu eine ehemalige Küche als Bad. Das Vordach brachte im Sommer guten Schatten, im Winter bei niederem Sonnenlauf hellstes Licht und wilde Seespiegelungen an der Zimmerdecke. Das Haus war eine einzige Stille; nur die Seewellen klatschten nachts leise an die Gartenmauer; die beiden Hunde der Nachbarschaft bellten hie und da. Auch die kleinen Winde machten die Obstbäume der Hauswiese hörbar in der Nacht; Dr. P. Werner Hegglin, Horw und der See blieb lange hell; am hellsten war ein Volk unzähliger Leuchtkäferchen im Garten. Mein erstes Fenster Es schaut nach Osten, Richtung Bildungshaus. An frühen Wintermorgen sieht es den Morgenstern über dem schwarzen Wald, dann den späten Sonnenaufgang, der den Stern überstrahlt. Das Haus liegt noch lange im Schatten, wenn die Kirche schon erleuchtet ist. Im Advent ist mein Weg zur Morgenliturgie ein besonderer. Rechter Hand ist die flache Wiese vor dem Hügel, sie glänzt vom Reif. Mein Nachbar ist schon tätig. Jetzt steht er dort mitten unter seinen dreissig Schafen und schaut sie an; ein schönes Bild. Auf der andern Seite liegt der eingewinterte Garten, die kahlen Zwetschgenbäume sind da, die braune Gartenscheune, dazu die Apfelplantage in Reih und Glied und der Zugang zum Badehaus. Es kommt mir in den Sinn, wie die Gartenschwester die Finger der linken Hand verloren hat im Häcksler. Ich bete für sie. Nach dem Garten kommen die herrlichen Pappeln und die dichte Thujahecke des Rachmaninoffparks. Die Hüterin lässt niemand herein, auch wenn ein Car aus Moskau vor dem Tor steht. Einmal hat mich ein Student gebeten, der unbedingt zu Rachmaninoff wollte; auf dem Flügel spielen wollte er sogar und den Doppeladler im Garten sehen. Ich kannte einen Durchschlupf in der Hecke. Ich erbarmte mich. Bei der Aussentreppe zur Kirche glänzt das Blechdach des Veloständers. Dort sei einmal ein Haus gestanden, sagt mein Nachbar, dort sei er aufgewachsen, eng

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